Text-Bild-Ansicht Band 334

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in Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen 1918 Heft 30.) Es hat sich gezeigt, daß Straßenbahnmotoren, die weniger Bürstensätze als Pole besitzen, wesentlich leichter zu Ueberschlägen neigen, wenn sich der Kommutator auf der Strecke der kürzeren Bürstenentfernung von der Plus- zur Minusbürste bewegt, als bei umgekehrter Drehrichtung. Adler erklärt diese Erscheinung damit daß bei der Bildung eines Lichtbogens zwischen zwei Elektroden – hier also zwischen der Bürste und dem Kommutator – die von der positiven Elektrode losgerissenen Teilchen nach einem Punkte der negativen Elektrode zusammenströmen.

Textabbildung Bd. 334, S. 19

Infolgedessen wird die negative Elektrode stärker erhitzt als die positive. Bei der durch die starke Erwärmung hervorgerufenen Jonisierung haftet der Lichtbogen an diesem Punkte der negativen Elektrode besonders fest und wird deshalb, wenn der Stromwender die negative Elektrode bildet, bei der Drehung leicht mitgerissen (s. Abb.). Die durch die Ankerrückwirkung hervorgerufene Verteilung der Lamellenspannung über den Kommutator begünstigt ebenfalls die Bildung von Ueberschlägen, wenn sich der Stromabgeber von der Plusbürste zur nähergelegenen Minusbürste bewegt. Im Prüffeld werden an richtig bemessenen Maschinen nur selten Ueberschläge beobachtet werden, da die Voraussetzungen hierzu. hauptsächlich durch Unregelmäßigkeiten im praktischen Betriebe gegeben werden.

Dr.-Ing. Bachmann.

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Friedensaufgaben der deutschen Gaswerke. Bis zum Beginn des Krieges hatte Deutschland in der Ausbildung der Gaserzeugungsöfen und sonstigen Gaswerkapparate die Führung erlangt, dagegen stand es, wie wir einem Aufsatz von Dipl.-Ing. K. Gareis entnehmen, auf dem Gebiete der Gasverwertung und -Verbreitung weit hinter Amerika, England und Holland zurück. Hinsichtlich des Gasverbrauchs auf den Kopf der Bevölkerung haben namentlich die englischen Großstädte einen beträchtlichen Vorsprung, was auf unsere hohen Gaspreise sowie auf den mangelnden kaufmännischen Weitblick unserer vorwiegend in Gemeindebesitz befindlichen Gaswerke zurückzuführen ist, die durch oft sehr ungünstige Anschluß- und Einrichtungsbedingungen den Zuwachs neuer Gasabnehmer sehr beeinträchtigten. Der Kohlenverbrauch der Gaswerke ist im Kriege von 8,7 Millionen t auf über 10 Mill. t gestiegen, der Verbrauch an Hausbrandkohle beträgt dagegen rund 21 Mill. t. Von dieser Menge kann zweifellos noch ein beträchtlicher Teil durch Gas ersetzt werden. Vor allem aber ist es nötig, das Leuchtpetroleum durch Gas zu ersetzen, das vor dem Kriege in einer Menge von 800000 t im im Werte von 160 Mill. M eingeführt wurde. Hiervon gingen mindestens 60 Mill. M ins Ausland, es ist daher die Aufgabe der heimischen Beleuchtungsindustrie, das Petroleum als Leuchtmittel möglichst zu verdrängen. In erster Linie kommt hierfür das Gas in Betracht, das auf dem Lande nicht nur als Leuchtgas, sondern auch als Kochgas und zu technischen Zwecken wichtige Aufgaben zu erfüllen hat. Denn die durch Fernversorgung an Gaswerke angeschlossene ländliche Bevölkerung umfaßt bis jetzt nur ungefähr 550000 Bewohner, das sind nur 1,25 v. H. der ländlichen Bevölkerung. Zur Lösung dieser Aufgabe kommen weder der Staat noch das private Kapital in Betracht, sondern einzig und allein die Städte, die indessen für derartige Geldanlagen, die das Interesse der städtischen Einwohnerschaft nicht direkt berühren und sich erst im Laufe der Zeit verzinsen, oft wenig Interesse haben. Deshalb regt Verfasser eine umfangreiche aufklärende und werbende Tätigkeit seitens der Zentrale für Gasverwertung vor allem bei dem deutschen Städtetag, sodann bei den Kreisverwaltungen und Landbürgermeistereien an. In engem Zusammenhang mit der Gasfernversorgung steht der im Hinblick auf eine bessere wirtschaftliche Ausnutzung der Anlagen mitunter empfehlenswerte Zusammenschluß benachbarter Gaswerke. Die finanziellen Schwierigkeiten, die vornehmlich infolge der gesteigerten Kohlenpreise während des Krieges bei vielen Werken entstanden sind, können nur durch Verminderung der Betriebausgaben behoben werden. Die Ausgaben für Verzinsung und Tilgung der Anlagekapitalien, die oft schon ein Drittel bis die Hälfte der Einnahmen ausmachen, können durch Ausgleich und Aushelfen benachbarter Werke untereinander vermindert werden. Unter Umständen können kleinere Nachbarwerke während der Sommermonate ganz stillgelegt werden, um von den größeren Werken mitversorgt zu werden, wodurch das kleinere Werk erhebliche Ersparnisse an Löhnen und Materialien erzielt, während das größere Werk während dieser Zeit infolge seiner günstigeren Belastung mit seinen maschinellen Einrichtungen vorteilhafter arbeiten kann. Die Kosten für die verbindenden Rohrleitungen zweier Nachbarwerke werden in der Regel nicht sehr hoch sein.

Neben der Ausdehnung des Gasverbrauchs auf das Land, die hauptsächlich im volkswirtschaftlichen Interesse gelegen ist, erwachsen den städtischen Gaswerken weitere wichtige Aufgaben in der Erhöhung bzw. Erhaltung ihrer finanziellen Erträgnisse. Diese Aufgabe ist besonders schwierig, da einerseits die Ausgaben infolge höherer Kohlenpreise, Kohlensteuer usw. ständig steigen, andererseits ein starker Preisrückgang für die Nebenprodukte, namentlich für Teer und Benzol, bevorsteht, da die Kokereien ihre Erzeugung an diesen Produkten während des Krieges sehr gesteigert haben. Infolgedessen werden die Gaswerke namentlich dem Koksabsatz ihr Augenmerk widmen und den Wettbewerb des Hüttenkokses bekämpfen müssen, der besonders zu Beginn des Krieges sehr fühlbar war. Neben dem bisherigen Absatzgebiet, den Zentralheizungen und anderen häuslichen Feuerungen, muß sich der Gaskoks ein weiteres Absatzgebiet erobern, für das der Krieg bereits den Grundstein gelegt hat, nämlich die Verfeuerung von Koks in industriellen Dampfkesselanlagen. Die Koksfeuerung ist eine längst erkannte Notwendigkeit, nicht nur aus volkswirtschaftlichen Gründen, sondern auch mit Rücksicht auf die Reinlichkeit der Städte und die Gesundheit der Bevölkerung in industriereichen Gegenden. Zur Erreichung dieses Zieles empfiehlt Verfasser das Zusammenarbeiten der Fachverbände mit den staatlichen Behörden, namentlich den Gewerbeinspektionen. Um in den Gaswerken einen dem Zechenkoks ähnlichen, harten und grobstückigen Koks zu erzeugen, sind geeignete Oefen (Vertikalretorten- oder Kammeröfen), ferner geeignete Kohlen und geeignete Löschung des Kokses erforderlich.