Text-Bild-Ansicht Band 334

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Die letztere Frage ist trotz zahlreicher Versuche und Erfindungen noch nicht einwandfrei gelöst.

Auch die Bewirtschaftung des Teers spielt eine wichtige Rolle für die finanziellen Erträgnisse der Gaswerke. Während des Krieges fand die rund 400 000 t betragende Erzeugung der Gaswerke einen glatten Absatz an die Marineverwaltung, doch werden sich auch hier die Gaswerke künftig in einer schwierigen Lage befinden. Mehr und mehr werden sie dazu übergehen müssen, den Teer im eigenen Betriebe weiter zu verarbeiten, was für die kleineren Werke mit Gewinn nur dann möglich ist, wenn sie sich gemeinsame Gruppendestillationen errichten, deren Gewinn den einzelnen Werken im Verhältnis ihrer Kapitalbeteiligung oder der gelieferten Teermenge zufließt. Im Anschluß an diese Teerdestillationen müssen auch gemeinschaftliche Anlagen für die Verarbeitung des Ammoniakwassers geschaffen werden, Weiter ist es erforderlich, daß die städtischen Gaswerke mehr geschäftliche Beweglichkeit erlangen und daß die bisherige Geschäftspraxis der kommunalen Werke einer Reform unterzogen wird. Ein wesentliches Erfordernis für den geschäftlichen Erfolg eines kommunalen Gaswerkes ist schließlich die Propaganda, für die größere Mittel als bisher bereitgestellt werden müssen. Wenn die Stadtverwaltungen dem kaufenden Publikum gegenüber nicht die Behörde, sondern den kulanten Geschäftsmann spielen und in ihren kaufmännischen Betrieben auch kaufmännischen Geist walten lassen, dann werden wir auch auf diesem Gebiete die englischen, amerikanischen und holländischen Städte einholen und vielleicht überholen zum Segen und Nutzen der deutschen Volkswirtschaft. (Journal für Gasbeleuchtung Bd. 60 S. 326 bis 331.)

Sander.

Bücherschau.

Die technischen Anlagen im städtischen Volksbad Nürnberg. (Dreihallenschwimmbad.) Von Dr. L. Dietz. München und Berlin 1918. R. Oldenbourg. Preis geh. M 4,50.

Das Buch bringt auf 91 Textseiten, denen 32 Textabbildungen und 5 Tafeln beigegeben sind, eine kurze Schilderung der Einrichtungen und Betriebsergebnisse der maschinen-, bade- und heiztechnischen Anlagen des Anfang 1914 eröffneten Bades. Hervorzuheben ist daraus, daß man hier bei der Wasserbebeschaffung eine Trennung zwischen Trink-, Kesselspeise-, Wäscherei- und Brausenwasser auf der einen Seite und auf der anderen dem eigentlichen zu Trinkzwecken nicht brauchbaren Badewasser vorgenommen hat, was bei dem jährlichen Wasserbedarf von etwa 450000 m3 von Bedeutung ist. Eingehender erörtert werden die Einrichtungen der von Krell angegebenen Hochdrucklüftung des ganzen Baues, die wohl das einzige System ist, bei dem Wrasen und vor allen Dingen Zugbildung vollständig vermieden werden kann. Sämtliche Räume werden dabei durch ein Gebläse von stündlich 80000 m3 Leistung bei 5 mm Wassersäule Druckunterschied zwischen Saug- und Druckkammer unter einem geringen Ueberdruck gegenüber der äußeren Atmosphäre gehalten. Von besonderem Interesse sind die Vorkehrungen und Meßgeräte, die gestatten, den Luftdruck und die Temperatur sowohl der einzelnen Räume als auch der Bäder selbst an einer Schalttafel im Maschinenraum abzulesen und danach vom Maschinenraum aus die Einstellung der Luft-, Warm- und Kalt- und Heizwassermengen in richtiger Weise vorzunehmen. Man muß dem Verfasser darin beipflichten, daß nur so ein rationeller und ordnungsmäßiger Betrieb möglich ist, da auch der beste Maschinenmeister ohne Unterstützung durch all die verschiedenen zentral angeordneten Meßgeräte und Einstellvorrichtungen eine richtige, den jeweiligen Verhältnissen von Wind und Wetter entsprechende Einstellung garnicht bewirken kann. Das Buch bringt ferner noch eingehende Versuchsergebnisse über die Regelung von Luft- und Wassermengen durch Gliederklappen bzw. Schieber. Es ist ja von jedem Wasserhahn her bekannt, daß bei weit geöffnetem Durchflußquerschnitt eine ziemlich bedeutende Verstellung noch kaum eine nennenswerte Veränderung in der Durchflußmenge hervorruft.

An jeder Stelle, wo man an die Neueinrichtung größerer Badeanstalten herangeht, wird das Buch ein sehr erwünschter und wertvoller Ratgeber sein, wenn auch manche Einzelheiten bei der Darstellung recht kurz weggekommen sind.

Stephan

Das amerikanische Patent. Von Richard Linde, beratender Ingenieur in Berlin. Berlin 1918. Dr. Heinrich Lux.

Zweck des Buches ist, wie der Verfasser im Vorwort seiner Schrift ausführt, möglichst vielen deutschen Erfindern und Industriellen in leicht verständlicher Form die Mittel in die Hand zu geben, die es ihnen ermöglichen, darüber zu wachen, daß ihnen nicht nur ein ' papiernes Patent, sondern ein wirksames Ausschließungsrecht bei Nachsuchung eines amerikanischen Patentes zuteil wird. Denn da nicht der Erfindungsgedanke, sondern nur die konkreten Mittel zur Ausführung desselben Gegenstand des Schutzes sein könnten, sei die Mitwirkung des Erfinders bei der Nachsuchung und Herstellung eines amerikanischen Patentes von so einschneidender Bedeutung. Diesen Zweck dürfte die Schrift des Verfassers vollständig erfüllen. Verfasser behandelt im I. Abschnitt seines Werkes die Frage, was nach amerikanischem Patentrecht patentierbar ist (Verfahren, Maschinen, Vorrichtungen, Erzeugnisse, Stoffe, Stoff Verbindungen) wer ein Patent nachsuchen kann, und welche Rechte damit erworben werden, die Patentanmeldung selbst (Gesuch, die Einleitung zur Beschreibung, eidesstattliche Erfindererklärung, die Zeichnungen, Beschreibung, die Ansprüche), das Verfahren, vor dem Patentamte (Prüfungsverfahren, Berufungsverfahren, Kollisionsverfahren – die eidesstattliche Vorerklärung – die Erteilung des Patentes –, Erneuerung einer verfallenen Anmeldung, die Uebertragung eines Patentes, die Neuerteilung eines solchen, die ausdrückliche Verzichterklärung, die Geltendmachung des erworbenen Rechts und die gesetzlichen Kriegsmaßnahmen. In Abschnitt II gibt der Verfasser Auszüge aus den Revired Statutes und in Abschnitt III eine Zusammenstellung der einschlägigen Formulare. Infolge der durchaus erschöpfenden Behandlung des schwierigen Stoffes und der gemeinverständlichen Darstellungsweise bildet die Schrift für Industrielle und Erfinder, die an der Erteilung eines amerikanischen Patentes zu Friedenzeiten Interesse haben, einen sachgemäßen Wegweiser. Die von dem Verfasser erwähnten gesetzlichen Kriegsmaßnahmen geben dem deutschen Gesetzgeber für den jetzigen Kriegszustand ie dHandhabe zur wirksamen Geltendmachung des Vergeltungsrechtes zwecks nachdrücklichen Schutzes der deutschen Industrie.

Rechtsanwalt Dr. Werneburg, Köln.

Ueber die Verwendung von Selbstentladern im öffentlichen Verkehr der Eisenbahnen. Von F. Dütting. Fortschritte der Technik. Heft 3. 36 Seiten Folio mit 126 Abbildungen: Berlin 1918. F. C. Glaser. Preis M 6,–.

Es ist eine bekannte Tatsache, daß unseren Großbetrieben beträchtliche Schwierigkeiten daraus erwachsen, daß die ihnen auf dem Eisenbahnwege in gewöhnlichen offenen, sogenannten O-Wagen zugehenden Brenn- und Rohstoffe von Hand entladen werden müssen, und es wird dabei vielfach auch heute noch an der Anschauung festgehalten, daß diese Schwierigkeiten sich nur durch Einführung von Selbstentladewagen beseitigen ließen. Verfasser unterzieht diese seit Jahren viel behandelten Fragen der schnellen Entladung der in Eisenbahnwagen beförderten Schüttgüter einer eingehenden Erörterung. Nach ausführlicher Beschreibung der verschiedenen schon seit langer Zeit gebauten Selbstentladewagen nebst Hervorhebung ihrer Vorteile und Nachteile kommt der Verfasser zu dem Schluß, daß auf diesem Wege eine Abhilfe für jene oben erwähnten Schwierigkeiten nicht zu erreichen ist. Das Ziel wird sich nur erreichen lassen durch Vorrichtungen, welche es ermöglichen, die gewöhnlichen O-Wagen in besserer Weise als bisher auszunutzen, und zwar dadurch, daß man für ihre schnelle Entladung Kipper oder andere geeignete Einrichtungen verwendet, von denen Verfasser ebenfalls eine größere Anzahl in Wort und Bild vorführt.

Die fesselnde anschauliche Darstellungsweise anhand zahlreicher sorgfältig ausgewählter und gut ausgeführter Abbildungen macht das Lesen der Abhandlung zu einem Vergnügen, sie kann jedem technisch Gebildeten nur warm empfohlen werden.

R. Vater.

Einführung in die Nomographie. Von P. Lukey. I. Teil: Die Funktionsleiter. Math.-phys. Bibl. Bd. 28, Leipzig 1918. B. G. Teubner. Preis M 1 –.

Der Verfasser bietet eine leicht verständliche Einführung in die Nomographie, die einen Teil der Kunst bildet, Rechnungen zu vermeiden. Es handelt sich zunächst um diejenigen einfachen