Text-Bild-Ansicht Band 334

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4. Die Neigung der Zemente zum Schwinden wird zwar bei Zusatz von Sand beträchtlich vermindert, die charakteristischen Unterschiede der Zemente in bezug auf Schwindneigung bleiben aber namentlich in der dichten Mischung noch erkennbar.

Die, fetten Mörtel schwinden vom ersten Tage der Messung an erheblich und verkürzen sich bis zum 180. Tage ziemlich gleichmäßig fortlaufend und anscheinend weiter. Nur für den Drehrohrofenzement R und den Eisenportlandzement K tritt nach 180 Tagen nahezu Stillstand im Schwinden ein.

Die mageren Mörtel schwinden anfangs in ähnlicher Form, wenn auch nicht so erheblich. Aber schön nach 30 Tagen tritt eine wesentliche Beruhigung ein und die Schwindung schreitet nur noch langsam fort, bis sie nach 180 Tagen fast ganz zum Stilfstand gekommen ist.

Der am meisten scharf gebrannten Klinker enthaltende Drehrohrofenzement R erleidet in fetter wie in magerer Mischung die geringste Schwindung.

Nicht unerwähnt darf bleiben, daß die mit den fetten Mörteln der vorliegenden Versuche erzielten Schwindungen die größten sein dürften, die praktisch möglich sind, weil die fetten Mischungen die größtmögliche Dichte der einzelnen Mörtel aufweisen, d.h. so viel Zement enthalten, als die Sande in sich überhaupt aufzunehmen vermögen. Die Ergebnisse lassen sich in folgende Sätze zusammenfassen:

Durch Verwendung scharf gebrannter, nicht übertrieben fein gemahlener Zemente und nicht zu dichten, wenig Wasser aufsaugenden Sandes ist es bei tunlichst langer Feuchthaltung möglich, die Schwindung der in der Praxis üblichen Mörtel und – da der Mörtel der Träger des Betons ist – damit auch des Betons auf ein Mindestmaß herabzudrücken. Die Entfernung des feinsten Staubes aus dem Sande durch Waschen oder Absieben kann auch an sich wenig geeigneten Sanden einen Teil ihrer Schwindneigung nehmen.

Durch Einlegen von Eisen ist dem Auftreten der Schwindrisse auch in fetter, an sich sehr zum Schwinden neigender Mörtelmischung erfolgreich entgegenzuwirken.

Privatdozent Dr.-Ing. W. Müller.

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Mustermesse in Leipzig. Frühjahrsmesse soll vom 27. April bis 3. Mai stattfinden.

Zuschrift an die Schriftleitung.

(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)

Erwiderung auf die Besprechung meines Buches. „Erzwungene Schwingungen bei veränderlicher Eigenfrequenz und ihre technische Bedeutung“ durch Herrn Prof. C. Schäfer in Heft 24, Bd. 333, S. 230. Zu dieser Besprechung möchte ich bemerken, daß mir, entgegen der Vermutung des Herrn Referenten, die Helmholtzsche Theorie der Kombinationstöne lange bekannt war, ehe ich mich mit dem ausgezeichneten Werk Rayleighs und der von mir sehr geschätzten „Theoretischen Physik“ des Referenten beschäftigte.

Gerade weil die Helmholtzsche Arbeit in mehr oder weniger modifizierter Form immer wieder erscheint, habe ich mich veranlaßt gesehen, zu den neuesten Reproduktionen derselben Stellung zu nehmen.

In der Originalarbeit (Poggendorf Bd. 99, 1856 S. 518), welche in allen sechs Auflagen der „Lehre von den Tonempfindungen“ unverändert (sogar mit den Schreibfehlern des Originals) erscheint, wird die Differentialgleichung

behandelt.

Die Integration wird geleistet durch eine Reihe

über deren Konvergenz nichts weiter erwähnt wird; die Größe e verschwindet aus dem Endresultat. Nach Helmholtz sind die Näherungswerte

wo

Bei Helmholtz und allen sich darauf stützenden Bearbeitern des Problems wird, wie aus dem Vorhergehenden zu ersehen ist, der erste Näherungswert unendlich groß, falls eine Erregerfrequenz mit der Eigenfrequenz des schwingenden Systems übereinstimmt; ebenso alle weiteren Näherungswerte. Der ganze Prozeß liefert dann eine unbegrenzte Anzahl von unendlich großen Gliedern, deren Summe keinen Sinn hat. Auch wenn eine Erregerfrequenz nur wenig verschieden von der Eigenfrequenz ist, konvergiert der Prozeß nicht.

Es ist nun natürlich kein Grund, eine Reihenentwicklung zu verwerfen, wenn deren Konvergenz in einzelnen Punkten oder Gebieten aufhört; wenn aber, wie hier, die Entwicklung gerade für das Wertgebiet in der Nähe der Resonanz versagt, für das sie in erster Linie, da es sich um ein Problem des Mitschwingens handelt, in Betracht kommt, so ist dies doch ein triftiger Grund, sie nicht weiter aufrecht zu erhalten.

Vielleicht sieht sich der Herr Referent doch veranlaßt, gelegentlich einer Neuauflage seiner „Theoretischen Physik“ diese Gründe in Erwägung zu ziehen und gegebenenfalls durch eine eigene Arbeit zur Förderung des in seinen letzten Feinheiten ungewöhnlich schwierigen Problems beizutragen.

Georg Duffing.

Bücherschau.

Grundlagen, Ziele und Grenzen der Leuchttechnik. Von O. Lummer. XV und 262 Seiten. 1918. R. Oldenbourg.

Das vorliegende Buch ist eine neue und bedeutend erweiterte Auflage der „Ziele der Leuchttechnik“, die der Verfasser im Jahre 1903 erschienen ließ. Während die ältere Auflage im wesentlichen die Arbeiten Lummers und seiner Mitarbeiter umfaßt die während seiner Tätigkeit an der Physikal.-Technischen Reichsanstalt entstanden, so gibt diese Neuauflage außerdem einen Ueberblick über die Strahlungsbeobachtungen, welche Lummer und seine Schüler im Breslauer physikalischen Institut durchgeführt haben.

Der ganze Stoff ist in zwölf Kapitel gegliedert. Die ersten vier beziehen sich auf die Beschreibung photometrischer Methoden und Instrumente sowie einige allgemeine Bemerkungen über das Wesen des Lichtes und die Mechanik des Leuchtens. Das 5. Kapitel ist dem Auge gewidmet. In den Kapiteln 6 bis 9