Text-Bild-Ansicht Band 334

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Vom technischen Standpunkt aus empfiehlt sich die Vergasung nur dann, wenn die Anwendung von Gas an Stelle von festem Brennstoff besondere Vorteile bietet, wie dies in der Hütten-, Metall-, Glas-, Porzellan- und chemischen Industrie zumeist der Fall ist. Die Vergasung der Brennstoffe ist ferner gegeben, wo durch Anwendung der Gasheizung die Ausnutzung der Wärmeenergie eine bessere ist als bei Anwendung fester Brennstoffe; dies ist bei der Dampferzeugung sowie bei vielen Ofenheizungen nach der Ansicht des Verfassers jedoch nicht der Fall. Die Beheizung von Kesseln mit Gas erfordert stets mehr Brennstoff als die unmittelbare Beheizung durch feste Brennstoffe, und zwar um 15 bis 20 v. H. mehr bei Vergasung ohne Nebenproduktengewinnung und um 30 bis 50 v. H. mehr bei Vergasung mit Nebenproduktengewinnung. Außer bei der Dampfkesselfeuerung ist bei den meisten Ofenheizungen die Heizung mit festen Brennstoffen im Hinblick auf die Erzielung von Ersparnissen der Vergasung vorzuziehen, sofern nicht durch die Vergasung minderwertige, aschenreiche oder heizarme Brennstoffe, deren direkte Verbrennung Schwierigkeiten bereitet, Verwendung finden können.

Für die Anwendung der Vergasung mit Nebenproduktengewinnung ist lediglich der Wert der Nebenprodukte jeweils maßgebend. Dieser Wert schwankt aber, da er außer von der Marktlage noch von einer Reihe anderer Faktoren abhängig ist. Da nun aber die Nebenprodukte nicht nur den Mehrverbrauch an Brennstoff, sondern auch die Aufwendungen für die Nebenproduktenanlagen und ihren Betrieb decken sollen, so darf man nicht generell von den wirtschaftlichen Vorteilen der Vergasung mit Nebenproduktengewinnung sprechen, sondern muß von Fall zu Fall entscheiden, ob solche Vorteile vorliegen oder nicht. Wenn in England die Vergasung mit Nebenproduktengewinnung, und namentlich das Mondgas-Verfahren eine viel größere Verbreitung gefunden hat als bei uns, so liegt dies hauptsächlich daran, daß England über außerordentlich billige Kohle verfügt. Bei uns hat dieses Verfahren nur in besonderen Fällen Anwendung gefunden, so zum Beispiel wo als Heizmittel sowieso nur Gas in Betracht kam, oder wo der zu verwendende Brennstoff infolge seiner chemischen Zusammensetzung nicht direkt verbrannt werden konnte, oder wo besonders hohe Teerausbeuten zu erwarten waren, wie dies bei den neuen Anlagen zur Braunkohlenvergasung der Fall ist.

Die Wirtschaftlichkeit einer Vergasungsanlage ist also von Fall zu Fall zu prüfen, namentlich erweckt die Errichtung großer Gaszentralen zur Fortleitung eines heizarmen Gases von weniger als 3000 WE schwere Bedenken. Die Vergasung von Brennstoffen mit Nebenproduktengewinnung in großen Kraftzentralen erfordert bei Anwendung von Dampfturbinen einen Mehraufwand von 30 bis 50 v. H. Brennstoff und kann daher nur unter besonders günstigen Bedingungen lohnend sein. Anders liegen die Verhältnisse, wenn an Stelle von Dampfturbinen Gasmaschinen zur Krafterzeugung Verwendung finden. Denn in diesem Falle kann der zur Nebenproduktenerzeugung erforderliche Dampf mit Hilfe der heißen Auspuffgase der Gasmaschinen erzeugt werden, wodurch der Wirkungsgrad der Generatoren bis auf 80 bis 85 v. H. steigt. Leider kann aber die Gasmaschine noch nicht in vollen Wettbewerb mit der Dampfturbine treten, da einmal die Anlagekosten von Gaskraftwerken erheblich höher als von Dampfturbinenzentralen sind, und da ferner die Gasmaschinen gegen Betriebschwankungen empfindlicher als die Dampfturbinen sind. Erst mit der Vervollkommnung der Gasmaschine und der Lösung des Problems der Gasturbine wird die Vergasung der Brennstoffe mit Nebenproduktengewinnung zum Zwecke der Krafterzeugung in großen Zentralen weitere Verbreitung erlangen; einstweilen sind alle Projekte für eine staatliche zentrale Versorgung großer Kraft- und Gasverbrauchsgebiete auf diesem Wege noch verfrüht. Unteden heutigen Verhältnissen ist nach Ansicht des Verfassers in den meisten Fällen der Verkokung der Kohle der Vorzug zu geben, da hierbei nur etwa'10 bis 15 v. H. des Wärmewertes verloren gehen, und da ferner von den nutzbaren Wärmemengen rd. 75 v. H. in fester Form als transportabler Koks und 25 v. H. als hochwertiges Gas erhalten werden.

Inwiefern die ganze Frage der rationellen Brennstoffausnutzung durch die neueren Arbeitverfahren der Tieftemperaturdestillation, der Verflüssigung der Kohle unter Druck usw. eine Verschiebung erfahren wird, läßt sich heute noch nicht übersehen. Vgl. auch die vom Reichsschatzamt herausgegebene Schrift: Die rationelle Ausnutzung der Kohle (Berlin 1918.)

Sander.

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Brandproben an Eisenbetonbauten. (Nach dem Berichte von Geh. Regierungsrat Gary, Verlag von Wilhelm Ernst und Sohn, Berlin). Die Veranlassung zu den im Materialprüfamte ausgeführten neuerlichen „Brandproben an Eisenbetonbauten“ gab folgende Erscheinung. Bei den Brandproben im Jahre 1914 traten in den 8 cm dicken Wänden des Obergeschosses von Haus IV „unter lautem Krachen explosionsartige Absprengungen der äußeren (und auch der inneren) Oberflächenschicht auf, bei denen die abgesprengten Stücke bis auf 40 m weit fortgeschleudert wurden“. Bei Haus III konnten nach dem Brande nur Risse und einzelne Kantenabsprengungen beobachtet werden.

Zur Klärung der interessanten Fragen wurden die unter den Mitgliedern des Ausschusses auftretenden drei Vermutungen experimentell geprüft. Vor allem wurde demgemäß der Einfluß der Nässe des Bauwerks zurzeit des Versuchs untersucht. Auf die größere Feuchtigkeit der Wände konnte die obige Erscheinung jedenfalls nicht zurückgeführt werden. Bemerkenswert hierbei ist die Tatsache, daß durch die Feuerbeanspruchung die Festigkeit des Granitbetons beträchtlich kleiner, die des Basaltbetons, größer geworden ist. Diese Feststellung wird praktisch wohl zu verwenden sein. Da die zweite Ursache der Absprengungen in der Oberflächendichte gesucht wurde, wurden fünf etwa faustgroße Stücke der beiden Betonsorten (Basalt- und Granitbeton) inbezug auf ihre Wasseraufnahmefähigkeit und ihr Austrocknungsvermögen beim Liegen an der Luft, sowie ihre Wasserdurchlässigkeit geprüft. Auf Grund der Vorversuche ist zu schließen, daß „Explosionen nur bei dichter Oberfläche und bei bestimmtem Feuchtigkeitsgehalt des Betons im Innern auftreten“. Wichtig war auch die Bestimmung der Wärmeleitfähigkeit der Betonplatten. Die Geschwindigkeit der Verdampfung, die Menge des vorhandenen Wassers und die Beschaffenheit des Betons sind ebenfalls von Einfluß auf die Entstehung von Absprengungen.

Für die „Hauptversuche“ wurden sechs verschiedene Arten von Sand und Kies verwendet, wobei es nicht notwendig war, die Eigenschaften der Zuschlagstoffe bis in alle Einzelheiten festzustellen; demnach wurden nur die Haupteigenschaften, wie die Kornzusammensetzung, die Gewichte der Zuschlagstoffe, die Dichtigkeit des Haufwerks, das Wasseraufnahme- und Wasserabgabevermögen, sowie die petrographischen und mineralogischen Eigenheiten des roten Meißener Granits bestimmt. Tabellen und graphische Auftragungen ermöglichen darüber eine rasche Uebersicht. Die petrographische oder mineralogische Beschaffenheit des verwendeten Gesteins bildet keineswegs die Ursache der am Brandhaus IV beobachteten Sprengerscheinungen.

Bei den Brandproben mit Platten wurden eisenbewehrte Platten von 8 bzw. 12 cm Stärke der Feuerbeanspruchung