Text-Bild-Ansicht Band 334

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des zwischen den beiden Erdungspunkten der Fernsprechleitung fließenden Stromes mit all seinen Schwankungen. Legt man daher in die Verbindungsleitung zwischen den beiden Punkten verschiedener Spannung einen Fernhöhrer, so kann man in diesem die auf der Einfachleitung geführten Gespräche hören. Da jedoch nur ein Teil des zwischen den beiden Erdungspunkten fließenden elektrischen Stromes aufgefangen wird, ist im allgemeinen der aufgefangene Strom zu schwach, als daß er ohne weiteres die Gespräche vernehmbar machen würde. Der Strom muß daher noch durch einen Lautverstärker verstärkt werden. Bei einer Doppelleitung werden Fehler in der Isolation, die einen Uebertritt des Stromes aus der Leitung in die Erde ermöglichen, natürlich auch das Abhorchen möglich machen. Schließlich ist auch noch zu beachten, daß die auf den eigenen Fernsprechleitungen geführten Gespräche auf die eigenen Horchleitungen induziert und durch diese in die Erde geleitet werden können.

Neben dem unmittelbaren Abfangen von elektrischem Strom aus der Erde ist noch das mittelbare Abfangen durch Induktion zu verwenden, bei dem die Horchleitung so in das elektromagnetische Feld der abzuhorchenden Fernsprechleitung gebracht wird, daß die auf dieser geführten Gespräche auf die Horchleitung induziert werden. Wie die gutisolierte Doppelleitung der Einfachleitung in bezug auf den Schutz gegen das unmittelbare Abhorchen bei weitem überlegen ist, so auch in bezug auf das mittelbare Abfangen; das elektromagnetische Feld einer Einfachleitung reicht viel weiter als das einer Doppelleitung, bei der die Kraftlinien zum großen Teil zwischen den beiden Leitungszweigen verlaufen und zwar um so mehr, je näher sich diese liegen.

Soll nun eine feindliche Fernsprechleitung abgehorcht werden, so ist zunächst die Auffangvorrichtung zu schaffen. Dies ist natürlich dadurch erschwert, daß man nicht wie bei der obigen theoretischen Einführung die Lage der feindlichen Fernsprechleitungen und ihrer Erdungspunkte, somit den Verlauf der Aequipotentiallinien kennt, daß man daher die günstigste Lage der Punkte möglichst verschieden großer Spannung, an denen die Horchleitungen der Abhorchstation in die Erde zu führen sind, nicht ohne weiteres weiß, sondern durch den praktischen Versuch bestimmen muß.

Man muß daher Suchleitungen in größerer Anzahl in den verschiedensten Richtungen strecken, wobei man einerseits dafür sorgen muß, daß die Suchleitungen möglichst nahe an die feindlichen Stellungen herankommen – nahe beieinanderliegende Stellungsteile, Sappen, Wasserläufe, Eisenbahnschienen, alte Kabel- und Drahtleitungen leisten dabei häufig gute Dienste –, andererseits wird man aber auch in der Nähe der eigenen Station Sucherden anbringen, da die richtige Kombination von Erdungspunkten, die das beste Stromgefälle ergeben, häufig nur unter Benutzung in der Nähe der Station gelegener Stellen gefunden wird. Die Verbesserung der Erden, ihre Vermehrung, ihr weiterer Ausbau sind Aufgaben, die nie als abgeschlossen gelten können. Insbesondere ist auch dafür zu sorgen, daß die Erdung selbst in bestmöglicher Weise ausgeführt wird. Die Suchleitung, die von dem Erdungspunkt zu dem Apparat führt, ist gut zu isolieren. Bei ihrer Verlegung muß auch stets auf die Lage der eigenen Fernsprechleitungen Rücksicht genommen werden, da sonst die Aufnahme feindlicher Gespräche durch das Mithören eigener induzierter Gespräche unmöglich wird. Die sämtlichen Suchleitungen laufen am Apparat in einem Suchschalter zusammen, der die wahlweise Kombination der verschiedenen Erden ermöglicht.

Der Apparat selbst wurde in einem trockenen, schußsicheren Unterstand ungefähr in der Hauptwiderstandslinie eingebaut. Dies entsprach den beiden Forderungen, einmal, daß eine Ueberrumpelung durch den Feind nicht ohne weiteres möglich sein soll, zum andern, daß die Suchleitungen nicht zu lang werden, was die Induktionsmöglichkeit durch eigene Leitungen erhöht und außerdem die Instandhaltung erschwert.

Haben wir den elektrischen Strom durch die Erden und die Suchleitungen zum Apparat geleitet, so beginnt nunmehr die Aufgabe des Verstärkers, die angekommenen schwachen Sprech- und Summerströme nach Bedarf zu verstärken. Dazu benutzt man die Verstärkerröhren, wie sie auch auf langen Fernsprechleitungen bei der Post zur Verstärkung schwach ankommender Ströme Verwendung finden; auch die Funkentelegraphie wendet diese Verstärker an und zwar nicht nur als Lautverstärker, sondern auch als Detektoren und in neuerer Zeit vor allem auch zur Erzeugung ungedämpfter Schwingungen mit Hilfe der Rückkoppelung. Das Prinzip des Verstärkers sei kurz besprochen, wobei ich für genauere Angaben auf „Die Telegraphentechnik“ von Dr. K. Strecker, S. 79, und vor allem auf das „Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie“ von Dr. J. Zenneck, 4. Aufl. S. 338 und 510 verweise.

Textabbildung Bd. 334, S. 94

Grundlegend gilt dabei: Gase leiten an sich die Elektrizität schlecht, praktisch so gut wie garnicht; sie werden aber leitend bei starker Erhitzung, bei starker Druckverminderung und durch Bestrahlung mit gewissen Strahlen. Wird nun in einer luftleeren Röhre, in der sich Anode und Kathode eines Stromkreises befinden, die Kathode bis zur Weißglut erhitzt, so sendet die Kathode negativ geladene Elektronen aus, die sich zur Anode bewegen. Solche luftleeren Röhren wurden auch bei den Feldapparaten verwendet. Eine andere Art der Verstärkerröhren ist z.B. die Lieben-Röhre nach Lieben und Reiß, bei der die Röhre mit einer geringen Menge von Quecksilberdampf gefüllt ist. Es eilen dann nicht nur negativ geladene Elektronen von der Kathode zur Anode, sondern das Gas wird ionisiert, und es wandern gleichzeitig auch positiv geladene Jonen von der Anode zur Kathode.

Ueber die im Feld verwandten Röhren gibt uns Abb. 2 und die nachstehende Beschreibung Aufschluß. Wir haben zunächst die Anodenbatterie A von 90 V, von deren + Pol eine Leitung über den Uebertrager Üt II zur Anode An führt, während von dem – Pol eine Leitung über den Uebertrager Üt I zum sogenannten Gitter G geht. Im Punkt x führt weiter eine Abzweigung zu der Kathode Ka, die durch einen Glühfaden gebildet wird. Dieser Glühfaden liegt nun mit einem Widerstand im Heizstromkreis, der von der Heizbatterie