Text-Bild-Ansicht Band 334

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H von 6 V gespeist wird; er bringt die Kathode zum Glühen. Da das Gitter mit dem Abzweigungspunkt die gleiche Spannung hat, andererseits aber die Kathode noch im Heizstromkreis liegt, so besteht zwischen dem Gitter und der Kathode ein Spannungsunterschied von rund 2 V. Werden nun von der glühenden Kathode negative Elektronen ausgestrahlt, so eilen diese der Anode An zu, machen dadurch die Strecke zwischen Kathode Ka und Anode An leitend und schließen so den Strom der Anodenbatterie A. Dieser Strom wird also um so stärker fließen, je besser leitend die Verbindung zwischen Ka und An ist. Das Ueberströmen der negativen Elektronen von Ka zu An wird aber behindert durch das negativ höher geladene Gitter G, und zwar um so mehr, je größer diese Spannungsdifferenz ist. Stromschwankungen am Gitter werden sich also durch größere oder kleinere Leitungsfähigkeit der Strecke Ka–An bemerkbar machen, was nun wiederum auf die Stärke des Anodenstromes einwirkt. Wesentlich ist nunmehr, zu untersuchen, wie sich die Beziehungen zwischen der Gitterspannung und dem durchfließenden Strom gestalten. Beim graphischen Auftragen dieser Beziehung entsteht eine Kurve, wie sie Abb. 3 zeigt. In einem bestimmten Bereich der Kurve übt die geringste Spannungsveränderung des Gitters einen erheblichen Einfluß auf den Anodenstrom aus; Spannungsänderungen von wenigen Volt rufen Stromänderungen von bis zu 1 Milliampere hervor. Die Stromänderungen sind den Aenderungen der Gitterspannung proportional. Die Spannungsänderungen des Gitters werden also verstärkt und vergrößert in den Stromänderungen des Anodenstromes wiedergegeben.

Textabbildung Bd. 334, S. 95

Dies wird nun ausgenutzt, indem wir den ankommenden Fernsprechstrom, den wir verstärken wollen, dem Anodenstromkreis zwischen – Pol der Anodenbatterie und dem Gitter mitteilen, und zwar geschieht dies über einen Uebertrager, wodurch die Mitteilung nur bei Wechselströmen (Sprech- oder Summerströmen) erfolgt. Der schwache ankommende Fernsprechstrom verändert die Gitterspannung nur in geringem Umfange; richtet man aber, was man durch den Bau der Lampe in der Hand hat, den Prozeß so ein, daß man mit der Gitterspannung in den Arbeitsbereich der Lampe kommt, so erhalten wir erhebliche Veränderungen des Anodenstromes. Ueber einen Uebertrager nehmen wir diesen Strom wieder ab und vernehmen nun in einem eingeschalteten Fernhörer einen wesentlich verstärkten Strom. Genügt die Verstärkung durch eine Lampe nicht, so nimmt man eine 2., 3. oder 4., bis man die abzuhorchenden Gespräche deutlich im Fernhörer vernehmen kann. Eine Lampe gibt eine Verstärkung auf das 6- bis 9-fache; bei Anwendung mehrerer Lampen potenziert sich die Wirkung.

Im praktischen Betriebe sind die Verhältnisse natürlich nicht so einfach gelagert, wie es eben geschildert ist. Es ergeben sich hier mancherlei Störungen, vor allem durch Erdgeräusche und Starkstrom. Die Apparate sind gegen die Erde gut isoliert aufzustellen. Erdgeräusche, die auf Spannungsunterschiede in der Erde zurückzuführen sind und so stark werden können, daß sie das Aufnehmen von Ferngesprächen unmöglich machen, können durch den Nebenschlußwiderstand und den Nebenschlußkondensator, sowie durch besondere Anlage und Schaltung der Suchleitungen bekämpft werden. Durch Nebenschlußwiderstand und Nebenschlußkondensator werden natürlich auch die Gespräche selbst geschwächt, trotzdem aber wird dadurch häufig eine Besserung erzielt.

Störungen durch Starkstrom können zwar ebenfalls durch die obenerwähnten Maßnahmen gemildert werden; eine völlige Ausschaltung ergibt aber nur das Ausschalten des Starkstromes. Für den eigenen Abhorchbetrieb sind daher stets im Benehmen mit dem Starkstrom Offizier die Betriebsstunden so einzurichten, daß man durch den Starkstrom nicht behindert wird. Andererseits bietet aber auch das Abhorchen feindlicher Starkstromtätigkeit wertvolle Einblickmöglichkeiten in die feindlichen Absichten. Der geübte Hörer- kann das Starkstromgeräusch einer Lichtleitung von dem eines Motors genau unterscheiden, er erkennt, ob das Geräusch von einer Bohranlage oder von einer Pumpe oder von einem Ventilator stammt. Vor allem in Gegenden, wo sich die Gegner im Minenkrieg bekämpfen, ist es von außerordentlicher Bedeutung, rechtzeitig Kenntnis von feindlichen Minierabsichten zu besitzen.

Auch die Wellen der Funkentelegraphie verursachen Störungen, deren Wirkung ebenfalls durch die erwähnten Hilfsmittel gemindert werden kann. Erwähnt seien schließlich noch die Gewitterstörungen.

Begreiflicherweise war es das lebhafteste Bestreben, dem Feinde das Mithören zu erschweren und unmöglich zu machen. Dazu standen drei Wege zur Verfügung: 1. der Bau besonderer Fernsprechapparate, 2. besondere Maßnahmen beim Bau der Fernsprechleitungen, 3. Vorsichtsmaßregeln beim Fernsprechbetrieb.

Der Bau besonderer Fernsprechapparate hat wieder verschiedene Richtungen eingeschlagen: zum Teil wollte man mit Gleichstrom arbeiten, der im Abhorchapparat, wie oben ausgeführt, nicht mitgehört wird; andere Lösungen suchen, durch Störströme – Starkstrom oder Summerstrom – dem Abhorchenden durch das Uebertönen der aufgefangenen Fernsprechströme das Mithören unmöglich zu machen. Jedenfalls war es bis zum Schluß des Krieges nicht gelungen, einen abhörsicheren Fernsprechapparat zu schaffen. Wohl aber besaßen wir einen abhörsicheren Summerapparat, den sogenannten Utel.

Bezüglich des Fernsprechleitungsbaues ist zu bemerken, daß vor allem für guten, von Isolationsfehlern freien Bau von Doppelleitungen mit nahe beieinanderliegenden Leitungszweigen gesorgt wurde. Die Leitungen waren dann weiterhin sorgfältig instandzuhalten, was mit dem zunehmenden Mangel an brauchbaren Isolationsmaterialien immer schwieriger wurde. Vorwärts der Bataillone wurden Fernsprechleitungen nicht mehr geduldet; vor Großkampf Unternehmungen ging man sogar noch weiter und ließ keine Fernsprechleitungen von den Regimentsgefechtsständen nach vorne mehr zu. Querverbindungen in dem vorderen 2 bis 3 km tiefen Raum, der sogenannten Gefahrzone, waren verboten. Eine weitere Baumaßnahme bestand in der völligen Trennung des Fernsprechnetzes in Höhe der Regimentsgefechtsstände der Infanterie bzw. der Untergruppengefechtstände der Artillerie, um auf diese Weise das Sprechen von rückwärts in die Gefahrzone hinein zu verhindern. Schließlich war auch ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, daß keine ober- oder unterirdischen Leitungen zum Feinde führen. Dazu mußten vor allem die unterirdischen Kabel aufgesucht und unschädlich gemacht werden. Dies