Text-Bild-Ansicht Band 334

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taten besondere Kabelsuchtrupps; mit Hilfe eines mittleren Funkengeräts wurde gesendet, mit einem Rahmen mit Detektor und Kopffernhörer wurde aufgenommen; wanderte man mit dem Empfangsrahmen über einem unterirdischen Kabel hinweg, so diente das unterirdische Kabel zur Herstellung einer mehr oder weniger engen Koppelung zwischen Sender und Empfänger, was sich im Kopffernhörer durch mehr oder weniger starkes Hören der gesendeten Zeichen bemerkbar machte. Auf andere Weise ergibt sich bei der Erdung zweier Pole einer Wechselstrommaschine eine feststellbare, durch den unterirdischen Leiter hervorgerufene Verzerrung der Aequipotentiallinien.

Da aber alle Maßnahmen der erwähnten Art einen sicheren Schutz nicht verbürgten, war im Fernsprechbetrieb darauf zu achten, daß der Fernsprechverkehr in der Gefahrzone auf das notwendigste Mindestmaß beschränkt wurde, daß ferner durch Anwendung von Deckworten, durch Chiffrieren mit Hilfe des Schlüsselheftes und durch ähnliche Maßnahmen dem Feind, auch wenn ihm das Abhorchen technisch gelingt, doch der Inhalt des abgehorchten Gesprächs verborgen bleibt. Die kleinste Unvorsichtigkeit kann zu den schwerwiegendsten Folgen führen. Die Abhorchstationen werden daher zur Sicherstellung der vorsichtigen Handhabung des Fernsprechers auch zur Ueberwachung des eigenen Sprechverkehrs herangezogen.

Wie wichtig diese Vorsicht ist, soll uns ein kurzer Blick auf die taktische Auswertung der Abhorchergebnisse zeigen. Die Abhorchstationen werden im allgemeinen in einem durchschnittlichen Abstand von 4 km voneinander eingesetzt, so daß sie also ungefähr 2 km nach jeder Seite zu überwachen haben. Zu jeder Abhorchstation gehört ein der Nachrichtentruppen angehöriger besonderer Trupp ausgebildeter Mannschaften, unter denen sich gleichzeitig Dolmetscher befinden. Die Ergebnisse wurden beschleunigt zur Gruppe (Generalkommando) übermittelt; erforderlichenfalls wurden wichtige und dringliche Ergebnisse, wie unmittelbar bevorstehende feindliche Angriffsabsichten, der beteiligten Truppe sofort unmittelbar mitgeteilt. Bei der Gruppe befand sich beim Gruppennachrichtenkommandeur eine Auswertungsstelle für den gesamten Beobachtungsdienst der Abhorchstationen, Funkenbeobachtungsstationen und Funkenrichtempfänger. Von hier werden die Ergebnisse, soweit es von Wert ist, der Truppe zugeführt, gleichzeit laufen alle Ergebnisse zur Auswertungsstelle beim Armeenachrichtenkommandeur weiter und von hier wieder weiter, bis sie dann für das Ganze nutzbar gemacht werden. Die Auswertungsstellen waren bodenständig.

Die geringste Unvorsichtigkeit kann die schwersten Folgen nach sich ziehen, und das Leben von tausenden Kameraden aufs Spiel setzen. Eigene Angriffsabsichten, Ablösungen usw. werden verraten, Geschützstellungen, Befehlsstände, Fernsprechstationen werden dem Feind bekannt, auch aus den Namen der Telegraphisten und ihrem etwaigen gemeinsamen Verschwinden kann er Schlüsse auf Ablösung ziehen. Die Abhorchtätigkeit des Feindes birgt also schwere Gefahren in sich. Der Abhorchgewinn war natürlich beim Aufkommen der Apparate am besten, als noch keine Vorsichtsmaßnahmen beim Gegner getroffen waren; er war insbesondere gut bei dem Engländer, der zunächst hauptsächlich mit Summer arbeitete. Späterhin, als der Feind vorsichtiger wurde, wurde die Ausbeute wesentlich geringer; sie war jedoch immer noch von erheblicher Bedeutung.

Aus der Abhorchtätigkeit nun ist die Erdtelegraphie hervorgegangen. Gelangt beim Abhorchen der abgehorchte Strom nur zufällig und sogar gegen den Willen des den Strom Aussendenden in die Erde, so wird bei der Erdtelegraphie gerade bezweckt, einen Strom in die Erde zu senden, der auf der Gegenstation abgefangen werden kann. Ein Erdtelegraphenapparat besteht daher aus Sender und Empfänger; da sich auf jeder Station diese beiden Teile befinden, so ist Wechselverkehr zwischen den Stationen möglich. Die Zeichen werden durch Summer nach dem Morsealphabet gegeben. Nur kurz sei an dieser Stelle auch an die Versuche mit Unterwassertelegraphie hingewiesen.

Auf der Sendestation befindet sich als primäre Stromquelle ein 12 - V - Sammler; als Summer wird ein Pendelumformer verwendet, der den Gleichstrom des Sammlers in einen Wechselstrom von ungefähr 600 Perioden verwandelt. Das Prinzip des Pendelumformers wird als bekannt vorausgesetzt.

Bei der Erdtelegraphie kann nun natürlich wieder für die Anlage der Erdungspunkte mit ihren Verbindungsleitungen zum Apparat eine möglichst günstige Lage gewählt werden. Man verwendet zum Senden 2 Erdungspunkte und nennt deren Verbindungslinie die Basis. Die Basisrichtungen der beiden miteinander in Verkehr stehenden Stationen müssen nun so zueinander liegen, daß auf der Empfangsstation die Erdungspunkte ein möglichst großes Stromgefälle in sich schließen. Ihre Verbindungslinie muß möglichst viele Aequipotentiallinien schneiden, die Stromlinien der Sendestation müssen daher die Basis der Empfangsstation unter möglichst kleinem Winkel schneiden oder berühren; dies wird, gleichartige Geländeverhältnisse zwischen den beiden Stationen vorausgesetzt, am besten erreicht, wenn die beiden Basisrichtungen einander parallel sind. Mit dem Kompaß wird dies zu erreichen versucht. Es liegen aber immerhin in den Verschiedenheiten des Bodens zwischen den beiden Stationen so viele Ablenkungsmöglichkeiten, daß es zweckmäßig ist, auf der Empfangsstation die günstigste Lage der Horcherden wieder durch Versuch zu bestimmen. Die Länge der Basis selbst ist ebenfalls von wesentlichem Einfluß auf die Wirkung; je länger die Basis ist, desto besser. Im allgemeinen wird wohl eine Basislänge von ungefähr 50 m gewählt. Unter sonst gleichen Verhältnissen steigt die Reichweite bei einer Zunahme der Basislänge von ungefähr 40 auf 300 m, von 600 auf 3000 m.

Weiter sind von Einfluß der Uebergangswiderstand zwischen Erdleitung und Erde, der durch möglichst gute Erdung auf ein Mindestmaß zu verringern ist, der Leitungswiderstand der Erde selbst, für den insbesondere der Feuchtigkeitsgehalt, die Dichte des Bodens (vorhandene Hohlräume) und die Lagerung und Ausbreitung der Schichten wesentlich ist, und vor allem die geologische Beschaffenheit der Erde. Beim Ausgang unserer Betrachtungen über das Abhorchen haben wir die Verteilung der Stromfäden im Boden gesehen; wir haben dabei bemerkt, daß die Stromfäden sich im Boden nach allen Richtungen verbreiten und auch in die Tiefe eindringen. Am günstigsten ist es nun zweifellos, wenn dieses Eindringen in die Tiefe auf ein Mindestmaß beschränkt wird, wenn also die Stromfäden gewissermaßen in einer Rinne verlaufen. Dies ist der Fall bei einer dünnen gutleitenden Schicht auf einer schlecht leitenden, zum Beispiel bei einer dünnen Humus- oder Verwitterungsschicht auf Fels (günstige Verhältnisse in den Vogesen). Umgekehrt ist natürlich eine schlecht leitende Schicht ungünstig, ebenso eine tiefe gut leitende Schicht. Wird mit voller Verstärkung gearbeitet, so kann je nach den Verhältnissen mit Reichweiten von 1200 bis 4000 m und darüber gerechnet werden. Im allgemeinen wissenschaftlichen Interesse wäre es erwünscht, wenn die Ergebnisse der im Kriege seitens der Nachrichtentruppe und seitens der Vermessungstruppe angestellten Versuche der Oeffentlichkeit