Text-Bild-Ansicht Band 334

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Maschine, die vor der Sommerernte bzw. der Herbstbestellung fertig wird, fördert die Erzeugung von Nahrungsmitteln aus heimischem Boden oder führt sie uns im Tausch mit dem Auslande zu.

Was hierzu an organisatorischen und finanziellen Maßnahmen zu geschehen hätte, geht über den Rahmen dieses Aufsatzes hinaus. Immerhin ist gezeigt worden, daß eine rasche Ausweitung der Produktion, also eine plötzliche Entwicklung der Produktionsform eintreten muß; es bleibt also nur noch übrig, auf die damit verbundenen Maßnahmen in der Fertigung einzugehen.

Der Einfachheit halber und weil der Bau von Eisenbahnfahrzeugen im Vordergrunde des allgemeinen Interesses steht, werde eine Beschränkung auf diesen vorgenommen.

Bevor man daran geht, neue Betriebe hinzuzuziehen, bleibt es das natürliche Bestreben, die alten in ihrer Produktivität zu heben. Als Mittel lernten wir oben die Normung und die austauschbare Fertigung kennen.

Die Normung ist bereits in Angriff genommen, aber sie ist noch nicht so weit vorgedrungen, daß ein entscheidender Einfluß auf die Produktivität zu verspüren wäre. Wenn es auch richtig ist, daß eine Normung nie so weit gehen darf, der technischen Entwicklung Fesseln anzulegen, so erscheint im Augenblick doch ein radikales Vorgehen durchaus gerechtfertigt, ähnlich wie es im Verband deutscher Motorfahrzeug-Industrieller durch die Verkehrstechnische Prüfungskommission geschah, als die Not dazu drängte.

Die Frage der austauschbaren Fertigung ist in drei Abschnitten zu erledigen: zuerst ist aus dem vom Normenausschuß aufgestellten generellen Passungssystem das Teilsystem auszusuchen, das sich für die Lokomotiven und Eisenbahnwagen bauenden Werke am besten eignet, d.h. es ist die Entscheidung zwischen Einheitsbohrung und Einheitswelle zu treffen. Sodann sind für die einzelnen Teilgruppen die Gütegrade – Feinpassung, Schlichtpassung, Grobpassung – auszusuchen und unter diesen womöglich eine Auswahl der einzelnen Sitze zu treffen. Darnach sind für alle anderen nicht runden Paßmaße, die beim Zusammenbau von getrennt hergestellten Stücken eine Rolle spielen und für Maße, die aus anderen Gründen innerhalb gewisser Grenzen einzuhalten sind, Toleranzen aufzustellen.

Von einer ins einzelne gehenden technischen Behandlung dieser Fragen soll hier abgesehen werden. Dafür wird das Schwergewicht darauf gelegt, daß ein großer Teil der bisherigen Anpaßarbeit verschwindet, daß hierdurch die Produktivität der einzelnen Werkstätten steigt und daß die Heranziehung außenstehender Industriezweige zu Teillieferungen jederzeit möglich ist. Der Vorteil, den eine austauschbare Fertigung der Montage bringt, spielt im Lokomotiv- und Wagenbau eine ganz besondere und bedeutendere Rolle als wo anders. Während sich gewöhnliche Montagewerkstätten kleiner und mittlerer Maschinen beliebig leicht vergrößern bzw. sich auf bisher anders benutzte Räume ausdehnen lassen, ist dies hier nicht möglich, denn hier sind ausgedehnte Geleisanlagen, Schiebebühnen, Hebezeuge und genügend hohe Hallen nötig. Da es auch weniger schwierig ist, die Maschinenwerkstätten zu vergrößern, so bedeutet die austauschbare Fertigung also selbst in dem Falle, daß ihre Vorteile nur in der Beschleunigung der Montage liegen würden, eine gewaltige Steigung des Ausbringens der jetzigen Werkstätten. Darum wird es voraussichtlich auch nicht nötig sein, neue Lokomotiv- und Wagenfabriken im eigentlichen Sinne zu bauen, das Förderungsmittel liegt vielmehr darin, die Montagegeschwindigkeit dadurch zu steigern, daß anbaufertige Teile geliefert werden. Eine Montagehalle, die hinsichtlich der Leistung mit ihrer Maschinenwerkstätte in Harmonie stand (Abb. 4), wird in Zukunft ein Vielfaches des Bisherigen herausbringen können; das Mehr an Einzelteilen kann die eigene Werkstatt zum Teil liefern, denn auch sie nimmt an den Vorteilen der austauschbaren Fertigung teil. Den noch fehlenden Anteil werden willig und gern andere Werkstätten übernehmen. Nötig ist lediglich eine Ergänzung der Montage durch die Revision der ankommenden Teile (Abb. 5). Neben die volkswirtschaftlichen Vorteile treten hier die privatwirtschaftlichen; denn die Produktionsmittel, vornehmlich die Montagehalle selbst mit ihren Einrichtungen wird viel besser ausgenutzt, so daß neben der effektiven Ersparnis an Lohnaufwand auf die produzierte Einheit weniger Zinsaufwand entfällt. Dazu kommt schon die oben erwähnte Ersparnis an Zinsen für die Werkstücke, die sich sonst viel länger im Fabrikationsgang befinden würden.

Textabbildung Bd. 334, S. 105
Textabbildung Bd. 334, S. 105

Hat sich diese bessere Fertigungsweise durchgesetzt, und ihre Vorzüge erwiesen, so wird sie auch dann bleiben, wenn der dringendste Bedarf gedeckt ist, die Produktion sich wieder einengt und damit der Kreis der Beteiligten und die sie umspannende Form zusammenschrumpft. Aber es wird nicht mehr so werden wie früher; was bleiben wird, ist eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit und damit der Konkurrenfähigkeit gegenüber dem Auslande, die gerade auf, dem Gebiete des Eisenbahnfahrzeugbaues besonders zu begrüßen ist, da es sich hier stets um größere Objekte handelt.

Bei der Koppelung von Produktionsform und Fertigungsweise haben wir also auf dem betrachteten Sondergebiet das merkwürdige Schauspiel, daß die eine die andere bei der Vorwärtsentwicklung zwar mitnimmt, sie im umgekehrten Sinne aber nicht beeinflußt, da die bessere Fertigungsweise inzwischen selbst lebensfähig geworden ist.

Neue Richtungen in der Kraftwagentechnik.

Von Dipl.-Ing. Freiherrn v. Löw, Dozent für Kraftwagenbau an der Techn. Hochschule zu Darmstadt.

Es ist natürlich, daß man bei dem Kraftwagen danach strebt, einen möglichst leichten Motor zu verwenden, um die Kosten für die Beförderung des Eigengewichts tunlichst niedrig zu bekommen. Wir brauchen also einen Motor, der im Verhältnis zu seinem Gewicht eine möglichst hohe Leistung erzielt. Für die hohe Leistung ist es gut, den Füllungsverlust der Zylinder, der durch Drosselung in der Saugleitung und dem Vergaser entsteht, tunlichst zu vermindern. Dies führt dazu, die Motoren mit großen, weiten Vergasern anszurüsten.

Schon bei den ortfesten Gasmaschinen, die doch nur mit ganz geringen Veränderungen der Drehzahl arbeiten,