Text-Bild-Ansicht Band 334

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seine Stelle getreten. Zu bemerken ist, daß der Drehstrom-Kommutatormotor infolge der verwickelten Apparateteile trotz günstigen Wirkungsgrades an Bedeutung verloren zu haben scheint. Dagegen scheint der asynchrone Drehstrommotor mehr Aufnahme zu finden. Verfasser weist auf die große Leistungsfähigkeit englischer Maschinen hin. So hat eine große Fördermaschine (mit konisch zylindrischen Trommeln) auf der Schachtanlage der Great Western Colliery Co. eine Leistung von 360 t/std auf 680 m und eine Nutzlast von 12 t je Zug. Sie ist doppelt so groß als die größten deutschen Maschinen.

Auch bei den Grubenlokomotiven ist die Bedeutung des mit Bürstenverschiebung geregelten Wechselstrom-Kommutatormotors zurückgegangen. Der Einphasen-Wechselstrom hat sich für die Sicherheit gefährlicher erwiesen als der Gleichstrom.

Wichtig ist die elektrische Kraftübertragung für die Erdölgruben in Rumänien, Galizien und Deutschland, und zwar für den Schöpf- und Bohrbetrieb.

Unter den unmittelbaren Kriegserfindungen dürften elektrisch betriebene tragbare Pumpen mit Förderhöhen von 10 bis 20 m im Bergbau Eingang finden.

Eine Anzahl größerer mit Bergwerken und chemischen Fabriken in Verbindung stehender Kraftwerke werden erwähnt. (Golpa-Jessenitz, Leuna, Knapsack, Ver. Welheim, Gräfin Johanna-Schacht, Prinzengrube.) (E. T. Z. 1919, Prof. Philippi.)

Wüster.

Bergbau und Hüttenwesen.

Neuere Ilgner-Förderanlagen (ausgeführt von der A. E. G. Union-Elektrizitäts-Gesellschaft in Wien). Das Wesen des Ilgnersystems besteht bekanntlich darin, daß das Anlassen und die Regelung der Fördermaschine durch deren Steuerung in Leonhardschaltung völlig einwandfrei bewerkstelligt und durch Benutzung eines schweren Schwungrades als Arbeitspeicher die durch den Förderbetrieb bedingten Belastungsschwankungen von der Kraftquelle ferngehalten werden können. An Hand von Abbildungen werden neue Ilgner-Anlagen in Oesterreich besprochen. So eine Trommelfördermaschine der A. E. G. auf dem Franzschacht der priv. Ferdinands-Nordbahn in Oderfurt bei Mähr. Ostrau. Das Schwungrad gibt unter Umständen Strom an die Steuerdynamo zurück; zur Herbeiführung dieser Wirkung ist der Flüssigkeitsanlasser des Drehstromantriebmotors mit einer Einrichtung zur selbsttätigen Schlupfregelung versehen, durch die die für das Heranziehen der Schwungmassen nötigen Drehzahländerungen künstlich erzeugt werden. Eine weitere bemerkenswerte Ilgner-Anlage wurde 1913 auf dem Kuklaschachte der Rossitzer-Bergbaugesellschaft bei Oslawan errichtet. Vom bergmännischen Standpunkt bietet der Bau besonderes Interesse, da die elektrische Anlage, ohne den vorigen Dampfbetrieb wesentlich zu stören, eingebaut wurde. Grundsatz war: eine möglichst einfache Maschine für bedeutende Förderung von einer Sohle. Hierzu erschien die Koepemaschine gegeben. Diese hat weiter den Vorteil eines kleineren Gewichtes und kann auf dem Fördergerüst aufgestellt werden. Die dann ausgeführte Turmfördermaschine und der 50 m hohe Eisenbetonturm sind Erstausführungen in Oesterreich. (Bergbau und Hütte 1918, Prof. E. Blau.)

Wüster.

Untersuchung von Drahtseilen. Auf Grund von Erfahrungen über Seile von Seilbahnen aus dem Betriebe wird eine Formel für die zulässige Höchstzahl gebrochener Drähte eines Seiles entwickelt. Um die Zahl der Drahtbrüche festzustellen, kann man das Seil durch die bloße Hand laufen lassen, und durch das Tastgefühl die Brüche feststellen, man kann das Seil mit Spiegeln untersuchen und endlich kann man mit einem Büschel Putzwolle am Seil entlang gleiten, die bei den Bruchstellen hängen bleibt. Diese Methoden sind natürlich recht ungenau; außerdem gestatten sie nicht, festzustellen, welcher Litze der gebrochene Draht angehört. Wahn beschreibt nun einen Apparat, mit dessen Hilfe nicht nur rasch und sicher die Zahl, sondern auch die Lage der einzelnen Brüche in den Litzen festgestellt werden kann. Zu diesem Zweck wird das Seil an einer dem Seilquerschnitt angepaßten drehbaren Schablone, die durch Federkraft gegen die Seillitzen gedrückt wird, vorbeigezogen. Die durch die Drahtbrüche verursachten Hubbewegungen werden selbsttätig auf einem fortlaufenden Papierstreifen aufgezeichnet. Die Brüche eines und desselben Drahtes sind einfach zu zählen – für die Seilfestigkeit ist nicht die gesamte Zahl der Drahtbrüche, sondern nur die Zahl der in einem bestimmten Seilabschnitte vorhandenen gebrochenen Drähte maßgebend. Unter Umständen kann also durch Feststellung, ob mehrere Brüche nur einzelnen Drähten minderer Qualität angehören, der vorzeitigen Auswechselung von Seilen vorgebeugt werden. Bei diesen Untersuchungen wurde noch ein Gerät, der Drahtlagenbestimmer, benutzt. Mit Erfolg wurde der Apparat bei Untersuchungen des Seiles der Mendeltalbahn angewandt. Da die in einem 5 m langen Seilstück aufgefundenen 19 Brüche sich auf nur neun Drähte in drei Litzen (im ganzen waren es sechs Litzen zu 16 Drähten) verteilten, so konnte das Seil immer noch als völlig betriebsicher gelten, während es ohne die genaue Untersuchung auf Grund polizeilicher Vorschriften hätte ausgewechselt werden müssen. (Z. d. V. d. I. 1918, Nr. 29, 31, Ing. R. Wahn.)

Wüster.

Die Versorgung Deutschlands mit Stahlveredelungsmitteln. Es handelt sich um eine Zusammenstellung der wichtigsten Stahlveredelungsmittel hinsichtlich ihres Vorkommens, ihrer Lagerstätten und der Versorgung Deutschlands vor und nach dem Kriege.

I. Nickel (und Kobalt). Der Verbrauch von Nickel (vor dem Kriege) als Stahlveredelungsmittel ist auf 6000 Tonnen berechnet. Der Jahresertrag der deutschen Nickellagerstätten (Frankenstein in Schlesien, Schneeberg, Zechsteinrücken, Querbach-Giehren, St. Blasien, Sohland) beträgt günstigstenfalls 500 t; Deutschland ist also überwiegend auf Einfuhr angewiesen. Für Deutschland wichtige Lagerstätten sind: Die Garnierit-Lagerstätten von Neukaledonien und die nickel- und kupferhaltigen Magnetkiese des Sudbury-Distrikts (Kanada).

II. Chrom. Bei diesem Metall ist Deutschland vollständig vom Ausland abhängig, die kleinen deutschen Vorkommen in Schlesien (Silberberg, Grochau, Zobten, Frankenstein) kommen nicht in Betracht. Es wurden 1913 22351 t Chromerz eingeführt; als Einfuhrländer kamen in Frage Neukaledonien, Südafrika (Rhodesia) und Kleinasien. Nach dem Kriege dürften in erster Linie Kleinasien, vielleicht auch Serbien, sowie die oben genannten Länder für unsere Versorgung wichtig sein.

III. Wolfram. Der Verbrauch an Wolfram 1913 betrug 4500 t, es wurden 400 bis 500 t im Erzgebirge erzeugt; im Kriege wurde das Wolfram gewonnen aus Schlacken der großen, Jahrhunderte alten Halden der alten Zinkhütten im Erzgebirge. Die Fördermenge wird nach dem Kriege wohl etwas zur Versorgung beitragen, in der großen Hauptsache aber bleibt Deutschland auf die Einfuhr aus Ländern, die großenteils unter englischer Herrschaft stehen, angewiesen (Indien, Australien, Großbritannien); dazu kommen Portugal, Spanien, Frankreich, Bolivia, Argentinien.