Text-Bild-Ansicht Band 334

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IV. Molybdän. Bis in die letzten Jahre hinein verarbeitete man Molybdän fast ausschließlich zu chemischen Präparaten, heute verwendet man das Metall in erster Linie zur Herstellung von Schnelldrehstählen. Der monatliche Verbrauch beträgt heute 20 bis 30 t Ferromolybdän. Die bedeutendsten deutschen Lagerstätten (Mansfelder Kupferschiefer, Höllenthal bei Garmisch) sind nicht in der Lage, den ganzen Bedarf zu decken. Als für Deutschland wichtige fremde Lagerstätten sind zu nennen: Kärnten, Norwegen und Finnland. Der jährliche Bedarf nach dem Kriege wird auf 150 t Molybdän geschätzt. Die Verfasser nehmen an, daß durch eine Erweiterung der Ausnutzung des Kupferschiefers es nicht schwierig sei, den Verbrauch aus eigenen Erzen vollständig zu decken.

V. Vanadin. Auch dies Metall wurde vor dem Kriege nur in geringen Mengen verbraucht, heute – bei ausgedehntem Verbrauch zu Schnelldrehstählen – beträgt der Verbrauch 600 bis 800 kg im Monat. Eigentliche Vanadinlagerstätten kennt man in Deutschland nicht (vgl. aber Otavi, Deutsch-Südwestafrika), dagegen enthalten manche Eisenschlacken 0,70 v. H. Vanadin. Demnach erscheint die im Inlande vorhandene Möglichkeit der Gewinnung mehr als ausreichend. Als ausländische wichtige Lagerstätten sind genannt: Spanien (Estremadura), Colorado, Utah, Pennsylvanien, Neu-Mexiko, Peru, Argentinien.

Es wird vorgeschlagen, nach dem Kriege für jedes der Metalle eine Reserve bereitzustellen für den Bedarf von fünf Jahren. Die dazu nötigen Mengen und die aufzubringenden Kapitalien werden wie folgt angegeben:

Nickel 20000 t 160 Mill. M.
Chromerz 150000 t 30
Wolframit 10000 t 100
Molybdän 750 t 45
Vanadin 45 t 6,75
––––––––––––––––––––––––––––
341,75 Mill. M.

(Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und Verein deutscher Eisenhüttenleute 1918, Beyschlag und Krusch.)

Wüster.

Die deutsche Braunkohle. Bei der Gewinnung ist die spätere Verwertung der Kohle als Rohkohle zu beachten durch planmäßige Entwässerung, Einwirkung auf reicheren Stückkohlenfall, die bisherige Art der Preisbemessung für Rohkohle und Briketts muß verlassen werden, um die Rohbraunkohle einzuführen. Betreffs des Verbrauchs wird vorgeschlagen, den Verbrauchern wirtschaftliche Vorteile bei Uebergang von Briketts zur Rohkohle zu bieten. Feuerungs- und Dampferzeugungsanlagen müssen vorher sorgfältigen Nachprüfungen unterzogen werden. Betreffs der Eisenbahn werden bessere Ausnutzung und Vergrößerung des Laderaums, tarifarische Maßnahmen, Steigerung der Geschwindigkeit der Leerzüge, Steigerung der Zugfähigkeit der Güterzuglokomotiven vorgeschlagen. Die Verteilung soll durch amtliche Verteilungsstellen, Syndikate und Verkaufsvereine vorbereitet werden. Weitestgehende Förderung des Verbrauchs von Rohbraunkohle wird gefordert, obwohl doch die Verfeuerung der Rohkohle eine gewaltige Verschwendung an wertvollsten Nebenerzeugnissen bedeutet. (Braunkohle 1919, G. Firle.)

Wüster.

Gastechnik.

Gelöstes Azetylen. Die technische Gewinnung des Azetylens wurde bekanntlich erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eingeführt; man betrachtete ursprünglich das Azetylen als das Licht der Zukunft und glaubte, daß es die Steinkohlengasbeleuchtung rasch verdrängen werde.

Diese Hoffnung hat sich bekanntlich nicht erfüllt, denn es bestehen in Deutschland nur etwa 120 zentrale Azetylenanlagen zur Beleuchtung ganzer Ortschaften, dagegen hat das Azetylen für die Kleinbeleuchtung (Fahrräder, Kraftwagen, Grubenlampen usw.) eine recht große Verbreitung erlangt. Durch die von Linde im Jahre 1903 erfundene technische Gewinnung von Sauerstoff aus verflüssigter Luft wurde auch dem Azetylen ein wichtiges neues Absatzgebiet geschaffen, nämlich die autogene Metallbearbeitung. Die im Jahre 1906 eingeführte autogene Schweißung mit der Azetylen-Sauerstofflampe hat in der Metallindustrie eine völlige Umwälzung hervorgerufen, so daß der Verbrauch von Azetylen für diese Zwecke bereits erheblich größer ist als für Beleuchtung. Der Wunsch, das Azetylen überall ohne Benutzung von Gasentwicklern zur Verfügung zu haben, führte zur Herstellung des gelösten Azetylens. Im Gegensatz zu anderen Gasen kann das Azetylen nicht in komprimierter Form in den Handel gebracht werden, da es bereits bei einem Druck von mehr als 2 at sehr explosiv ist. Man kann dem Azetylen diese gefährliche Eigenschaft nehmen, wenn man es mit anderen brennbaren Gasen (Wasserstoff, Steinkohlengas oder Oelgas) mischt, oder wenn man es unter Druck in Azeton löst und diese Lösung in einer porösen Masse aufsaugt.

Auf Grund dieser Erkenntnis wurde die Herstellung von gelöstem Azetylen zuerst in Frankreich, später auch in allen anderen Staaten erlaubt und es hat sich seitdem eine nicht unbedeutende Industrie auf dieser Grundlage entwickelt. Die erste deutsche Fabrik zur Herstellung von gelöstem Azetylen kam im Jahre 1908 in der Nähe von Kuxhaven in Betrieb, heute besitzen wir neun derartige Werke, die zusammen etwa 1,5 Mill. m3 gelöstes Azetylen jährlich erzeugen. Diese Fabrikation gliedert sich in drei verschiedene Teile, erstens die Erzeugung und Reinigung des Azetylengases, zweitens die Verdichtung des Gases und drittens das Abfüllen in Stahlflaschen.

In Europa verwendet man fast ausschließlich zweistufige Kompressoren, in Amerika dagegen, wo diese Industrie eine weitere Verbreitung hat als bei uns, sind dreistufige Kompressoren in Gebrauch. Da Azetylen bekanntlich mit Kupfer explosive Verbinbindungen gibt, werden die Azetylenkompressoren ganz aus Stahl und Gußeisen hergestellt. Aus den Kompressoren wird das Azetylen durch eine aus nahtlosen Rohren bestehende Druckleitung in die mit poröser Masse und Azeton gefüllten Flaschen gedrückt. Da die Lösung des Azetylens in dem Azeton nur allmählich vor sich geht, werden die Flaschen nicht in einer Operation, sondern stufenweise gefüllt, bis sie den gesetzlich zugelassenen Enddruck von 15 at bei 17,5° C erreicht haben. Das komprimierte Gas wird vor dem Eintritt in die Flaschen sorgfältig von Oel und Feuchtigkeit befreit und dann der Abfüllrampe zugeführt, die mit wenigstens 100 Anschlüssen versehen ist.

Ein besonders wichtiger Teil der ganzen Fabrikation ist die Herstellung der porösen Masse und ihrer Einfüllung in die Stahlflaschen. Anfangs verwendete man poröse Ziegel in Scheibenform, die jedoch den Nachteil besitzen, daß die Flaschenöffnungen ebenso groß wie der Flaschendurchmesser sein müssen. Um die bei uns für komprimierte Gase allgemein gebräuchlichen nahtlos gezogenen Stahlflaschen auch für Azetylen verwenden zu können, mußte eine Masse gefunden werden, die In flüssiger oder halbflüssiger Form durch den engen Flaschenhals eingefüllt werden konnte und die im Innern der Flasche zu einer festen porösen Masse erstarrt. Nach zahlreichen Versuchen fand man eine Masse, die diesen Anforderungen entspricht, sie besteht aus sehr poröser Holzkohle, die mit einem hauptsächlich Kieselgur