Text-Bild-Ansicht Band 334

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enthaltenden Zement gemischt ist. Dieses Gemenge wird in Form eines Breies durch den Flaschenhals eingefüllt, wobei die Flasche beständig gleichmäßig aufgestampft wird. Die mit der porösen Masse gefüllten Flaschen werden dann mehrere Tage in Vakuumöfen getrocknet, bis ihr Gewicht nicht mehr abnimmt; sie werden schließlich noch mit der nötigen Menge Azeton gefüllt und sind hierauf zur Aufnahme von Azetylen bereit. Das Füllen und Trocknen sowie auch das Mischen der Masse und die Auswahl der wichtigen Materialien müssen mit großer Sorgfalt vorgenommen werden und erfordern daher große Erfahrung.

Das gelöste Azetylen findet ausgedehnte Anwendung zur Beleuchtung von Kraftwagen, Motorbooten, Lokomotiven und anderen Fahrzeugen, ferner für Bojen und andere Seezeichen, es hat in den letzten Jahren aber auch zum Schweißen vielfach Anwendung gefunden, da es vor dem in besonderen Entwicklern erzeugten Azetylen trotz seines höheren Preises mannigfache Vorzüge hat. (L. Siede, Bayer. Ind.- u. Gew.-Bl. Bd. 49, S. 231.)

Sander.

Die Ausnutzung der Kohle bei ihrer Verbrennung, Entgasung und Vergasung. Aus 1 t Steinkohle gewinnt man (rund) 330 m3 Gas, 750 kg Koks, 35 kg Teer, 10 kg Benzol, 2,4 kg Ammoniak. Aus dem Teer weiter 58 v. H. Pech, 30 v. H. Schweröle, 0,7 v. H. Benzol, 5 v. H. Reinnaphthalin, 0,55 v. H. 40-proz. Anthrazon, 0,05 v. H. Denaturierungsbasen, 0,4 v. H. Reinphenole. Unter den Verwendungsmöglichkeiten des Kokses wird die Herstellung von Generatorgasen (Wassergas, Dowsongas) erörtert und ihre Verwendung in der Technik erläutert, zum Beispiel in Terbeckbrennern bei Kesselanlagen, ebenso die Verwertung des Hochofengichtgases und die Abwärmeverwertung bei Koks- und Hochofengasmaschinen. Die Beantwortung der Frage: Wie kann man die Wirtschaftlichkeit von Kraftanlagen verbessern findet de Grahl in dem Satze: Durch Verbindung von Kraft- und Heizbetrieben. (Dipl.-Ing. de Grahl, Annalen für Gewerbe und Bauwesen, Glaser, 1918.)

Wüster.

Die Berechnung der Verbrennungs- oder Generatorgasmenge. (Stahl und Eisen 1919 S. 7.) Es wird hier ein Verfahren beschrieben, nach dem die Verbrennungs- oder Generatorgasmenge aus deren Analyse und aus dem Heizwert der Kohle berechnet werden kann, ohne daß die Elementarzusammensetzung des Brennstoffs bekannt ist. Es wird dabei von den Grundgleichungen für die vollkommene Verbrennung ausgegangen. Für ein Kohlenstoff-Wasserstoff-Gemisch wird die für 1 m3 Verbrennungsgase entwickelte Wärmemenge in Abhängigkeit des CO2- und O2-Gehaltes der Verbrennungsgase bestimmt. Mit Vernachlässigung des Schwefel- und Stickstoffgehalts kann das Verfahren auch bei der Vergasung der Kohle angewendet werden, wenn die Kohle als Kohlenstoff-Wasserstoff-Gemisch aufgefaßt wird.

Bei der Herstellung von Generator-, Misch- oder Wassergas findet das Verfahren die gleiche Anwendung, mit Berücksichtigung, daß es sich hier um eine unvollkommene Verbrennung handelt.

W.

Wasserreinigung.

Berkefeld-Filter. Unser unentbehrlichstes Genußmittel, das Wasser, kann bekanntlich die Ursache der verheerendsten Epidemien werden. Man denke nur an die Choleraepidemie in Hamburg, oder die immer wieder auftretenden Typhusepidemien im Ruhrgebiet. Vor solchen, durch Wasser übertragbaren Krankheiten, die sich besonders in der wärmeren Jahreszeit bemerkbar machen, kann man sich schützen, wenn man sich der Berkefeld-Filter bedient. Diese Vorrichtungen lassen sich leicht an jeder Wasserleitung anbringen, lassen sich aber auch, wo Wasserleitungen fehlen, jeder anderen Art der Wasserentnahme anpassen. Der wirksame Bestandteil der Berkefeld-Filter ist ein aus gebrannter Kieselguhrmasse (Kieselguhr findet sich in mächtigen Lagern in der Lüneburger Heide) hergestellter Hohlzylinder, durch den das Wasser hindurchgehen muß und dessen Poren so fein sind, daß alle Trübungen verursachenden Schwebestoffe und selbst die kleinsten Lebewesen, wozu auch die Erreger von Cholera, Typhus und Ruhr gehören, zurückgehalten werden. Man erhält demnach, bei sachgemäßer, äußerst einfacher Behandlung, durch Verwendung der Berkefeld-Filter ein kristallklares und gesundheitlich einwandfreies Wasser.

Eine ganz besondere Bedeutung haben die Berkefeld-Filter in dieser Zeit der Kohlenknappheit für das Braugewerbe gewonnen. Die jetzt ausschließlich zulässigen sogenannten Dünnbiere werden in der Weise hergestellt, daß die stark eingebrauten Stammwürzen bis zur vorgeschriebenen Stärke mit Wasser verdünnt werden. Hierzu kann nur, um eine längere Haltbarkeit der fertigen Biere zu erzielen, ein biologisch reines, d.h. von allen Gährungs- und Fäulniserregern freies Wasser verwandt werden, zu welchem Zwecke man das Wasser früher abkochte, was bei den großen Mengen einen bedeutenden Kohlenverbrauch bedingte. Hier ist nun das Berkefeld-Filter als Retter in der Not erschienen, indem es auf kaltem Wege und auf einfachste Weise reichliche Mengen eines Wassers liefert, das gleich die für die Verdünnung benötigte Temperatur, absolute Klarheit und biologische Reinheit besitzt. Die so erzielte Ersparnis an Brennmaterial ist für die einzelnen Betriebe eine sehr beträchtliche, und bei dem Mangel an Kohlen sowohl wie an Beförderungsmitteln, ist daher das Berkefeld-Filter vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus als eine bedeutende Errungenschaft zu begrüßen.

Aber nicht nur in den Brauereien, sondern auch in Molkereien, Konserven- und chemischen Fabriken, die alle auf reinstes Wasser angewiesen sind, finden die Berkefeld-Filter ausgedehnte Verwendung.

Beiträge zur Anwendung des Chlors bei der Desinfektion von Wasser und Abwasser. R. Weldert und B. Bürger haben mit einem „Elektrolyser“ der Firma Arthur Stahl in Aue (Sachsen) aus verschiedenen Chloriden, darunter auch aus Kaliendlauge und Ostseewasser, Hypochloritlösungen bereitet und deren Wirkung auf Trinkwässer und Abwässer verschiedenen Ursprungs untersucht. Auf Grund dieser Ergebnisse empfehlen die Verfasser, das Wasser vor der Behandlung mit Chlor einer Schnellfiltration mit oder ohne chemische Zusätze zu unterwerfen und so alle Schwebestoffe zu beseitigen. Auf diese Weise könnte man mit 0,5 bis 1 Teil wirksamem Chlor auf 1 Mill. Teile Wasser (d.h. 0,5 bis 1 g Cl. auf 1 m3) binnen einer Stunde eine vorzügliche Wirkung erzielen und dem so gereinigten Wasser würde nur ein äußerst geringer Chlorgeruch und -geschmack anhaften. Die Einwirkung des Chlors muß jedoch stets mindestens eine Stunde dauern.

Bei der keimtötenden Wirkung der Hypochloritlösungen kommt es nur auf den Gehalt an wirksamem Chlor an, die Natur des Ausgangsmaterials ist ohne Belang. Gegenüber dem Chlorkalk besitzt das Hypochlorit mannigfache Vorzüge, die keimtötende Wirkung ist bei gleicher Konzentration des Chlors dieselbe. Die Lösungen werden an der Verbrauchsstelle hergestellt, wozu nur Salz und elektrischer Strom erforderlich ist. 1 kg bleichendes Chlor stellt sich bei dem untersuchten Apparat auf 56 Pf.,