Text-Bild-Ansicht Band 334

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Zweidruckturbine und Niederdruck - Wärmespeicher des „Wannieckwerkes“ Brünn (Mähren). Eine in jeder Hinsicht vollkommene Maschine, in der sich der Dampf von 10 at auf 1,2 at ausdehnt, würde 10 kg Dampf für die Kilowattstunde verbrauchen. Bei 1,2 at Anfangsdruck und 0,11 at Endspannung wäre für die gleiche Leistung etwa dieselbe Dampfmenge erforderlich. Man erkennt hieraus die außerordentlichen Vorteile, die mit einer weitgehenden Expansion verbunden sind. Eine solche kann in der Kolbenmaschine nicht stattfinden, da die Abmessungen zu groß ausfallen würden, wie man leicht einsieht. Hingegen ist man imstande, in der Turbine auch die geringsten Dampfdrücke auszunutzen. Es wäre zum Beispiel unter Umständen möglich, die Leistung einer Kolbenmaschinenanlage auf das Doppelte zu erhöhen, sofern der Abdampf in einer Niederdruckturbine verwertet wird. Schwierigkeiten entstehen aber, wenn die Versorgung der Turbine mit Abdampf in den Arbeitspausen stockt. Man müßte in diesem Falle Frischdampf von der Kesselspannung auf den niedrigen Druck der Turbine herabdrosseln, um deren Weiterbetrieb zu ermöglichen. Diese Maßnahme ist natürlich mit Verlusten verknüpft. Wirtschaftlicher ist die Verwendung von Zweidruckturbinen. Sie bestehen aus einem Hoch- und einem Niederdruckteile. Zwischen beiden tritt der Abdampf ein. Er wird stets restlos ausgenutzt. Sobald die geforderte Turbinenleistung nicht mehr ausreicht, wird mit Hilfe einer geeigneten Steuerung dem Hochdruckteile Frischdampf zugeführt. Dieser übernimmt die gesamte Arbeit, wenn der Abdampf ganz ausbleibt.

Auch hinsichtlich der Wärmespeicher wurden von der genannten Firma manche Verbesserungen vorgenommen. Bisher leitete man bekanntlich den Abdampf in einen zum Teil mit Wasser gefüllten Kessel. Entnahm man aus diesem Dampf, so erfolgte, da der Druck auf den Wasserspiegel im Kessel sank, ein Nachverdampfen der dort befindlichen Flüssigkeit, bis deren Temperatur der verringerten Spannung entsprach. War die Dampfzufuhr größer als die Entnahme, so trat ein Sicherheitsventil in Tätigkeit. Der dem Speicher entnommene Dampf hatte meist eine zu hohe Feuchtigkeit, wodurch sein Arbeitsvermögen verringert wurde und starke Abnutzung der Turbinenbeschaufelung eintrat. Dieser Uebelstand wird bei den neuen Wärmespeichern der Wannieckwerke, Bauart Olbricht-Gerteis, vermieden. Bei ihnen wird der im Verbraucher sogleich benötigte Abdampf diesem unmittelbar zugeführt, nachdem er durch die Abgase von Oefen oder Dampfkesselfeuerungen getrocknet und überhitzt wurde. Der Rest des Dampfes gelangt zum Speicher, dessen Abmessungen kleiner als bei der älteren Bauweise werden. Der ihm entnommene Dampf kann ebenfalls unter Verwendung der Abhitze vorhandener Anlagen getrocknet und überhitzt werden bevor er zur Verwendung kommt. Ein Druckverlust im Speicher tritt nicht ein. (Nach einer von den „Wannieck-werken“ herausgegebenen Druckschrift.)

Schmolke.

Elektrotechnik.

Fernsprechzentralumschalter nach dem Okli-System. Wenn im Zentralumschalter einer Hausfernsprechanlage eine oder mehrere Amtsleitungen enden, dann dürfen nur die privaten Sprechstellen, für welche Postnebenstellengebühr bezahlt wird, mit dem Amt verbunden werden. Um andere Verbindungen unmöglich zu machen, forderte die Reichspostverwaltung ursprünglich, daß an einem solchen Umschalteschrank die Postleitungen zu verdeckten Klinken führen, die nur durch besondere Schaltorgane zu bedienen waren. Es entstand eine ganze Reihe von Konstruktionen, die diese Aufgabe zu lösen suchten. Bei allen waren für die Verbindungen von Postnebenstellen mit dem Amt oder Postnebenstellen mit Hausfernsprechstellen verschieden ausgebildete Schalter vorgesehen. Beim weit verbreiteten Druckknopf System zum Beispiel werden die Hauptsprechverbindungen mit offenen Klinken und Stöpseln hergestellt, die Amtsverbindungen durch Druckknopfschalter. Natürlich muß für jede Verbindungsmöglichkeit ein Druck knöpf vorhanden sein, also bei einem mittleren Umschalteschrank mit fünf Amtsleitungen und 20 Postnebenstellen schon 100 Druckknöpfe allein für den Verkehr mit dem Amt. Das macht die Schränke groß und schwerfällig und die Bedienung schwierig. Neuere Konstruktionen erreichten Verbesserungen; so sind beim Steckschlüsselsystem die Handgriffe zum Herstellen der Amtsverbindungen und der Hausverbindungen ähnlich geworden, es sind nur verschieden geformte Stöpsel und Klinken für jede von beiden Möglichkeiten vorgesehen. Auch dieses System stellte noch keine festlose Lösung der konstruktiven Aufgabe dar. Erst das Okli-System (offenes Klinkensystem) vom Wernerwerk der Siemens & Halske A.-G. hat die gleichen Schaltorgane für alle Arten von Verbindungen, die mit denselben Handgriffen bedient werden. Erst das Okli-System bringt daher kleine, leicht und bequem zu handhabende Umschalteschränke.

Textabbildung Bd. 334, S. 121

Dabei kommt das Okli-System vollkommen den Vorschriften der Reichspost Verwaltung nach. Nur ist bei ihm die Unmöglichkeit einer unerlaubten Verbindung nicht durch mechanische, sondern durch elektrische Mittel erreicht. Jeder Amtsleitung ist nämlich ein Trennrelais zugeordnet, das bei jeder unzulässigen Verbindung anspricht und die Amtsleitung abschaltet. Wie aus dem Schaltschema (Abb. 1) ersichtlich ist, sind die Stöpsel durch drei Schnüre verbunden. Die Klinken besitzen außer den Kontaktfedern a und b noch eine dritte Feder c, die bei der Amtsklinke über die Wickelung des Trennrelais Tr am negativen Pol, bei der Haussprechstellenklinke am positiven Pol einer Batterie liegt. Bei der Postnebenstelle ist die dritte Feder frei.