Text-Bild-Ansicht Band 334

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die Vergasung auch schon in Generatoren geschieht, so gehen doch noch viele wertvolle Stoffe verloren, zum Beispiel Teere und ammoniakhaltiges Gaswasser. Auch dies gewinnt man schon stellenweise, indem man die Erhitzung nicht so hoch treibt. Man gewinnt durch den sogenannten Schwelprozeß (zum Beispiel Prov. Sachsen, Zeitz) Teer, durch dessen nochmalige Destillation leichtflüssige, benzinähnliche Körper, Photogen- und Solaröl, Paraffine und andere Oele. Als Rückstand bleibt Grude, ein vorzügliches, sparsames und billiges Heizmittel für den Haushalt. (Leider zu wenig bekannt.) Verfasser weist auf die Möglichkeit der Ausdehnung der Schwelerei auch bei bitumenärmerer Braunkohle hin, besonders, weil die Teere der Braunkohle auch zur Herstellung von Mineral-Schmierölen geeignet sind. Die Vergaseranlagen wurden schon während des Krieges mit Urteer-Gewinnungsanlagen versehen, um den aus einer Mischung von Stein- und Braunkohle zu gewinnenden Teer viskosen Oelen anzureichern. Es dürfte sich empfehlen, möglichst viele Braunkohle derart zu vergasen, das Gas durch Ferngasleitungen den Verbrauchsstätten zuzuführen und die Nebenerzeugnisse möglichst weitgehend nutzbar zu machen. Es gilt um so mehr die kostbaren Bodenschätze, die unsere Braunkohle darstellt, zu schonen und wirtschaftlich auszunutzen, als ihre in Deutschland noch vorhandenen Lagerstätten nur noch für eine ganz beschränkte Anzahl von Jahren ausreichen. (D. Bergw.-Ztg. 1919, E. Jank.)

Wüster.

Gastechnik.

Eine selbsttätige Feuerlöschvorrichtung für Transformatoren- und Oelschalterräume hat die Siemens & Halske A. -G. in Gemeinschaft mit der Fabrik explosionssicherer Gefäße in Salzkotten konstruiert, bei der Kohlensäure als Löschmittel dient. Diese wird im Augenblick der Gefahr durch völlig selbsttätige Inbetriebsetzung der Löschvorrichtung erzeugt. Die Vorrichtung ist ferner mit selbsttätigen Feuermeldern verbunden, die bei plötzlicher Temperatursteigerung in den Transformatorenräumen Signalstromkreise betätigen und unter Vermittlung von Relais die Löschvorrichtungen in Betrieb setzen.

Die zum Löschen erforderliche Kohlensäure wird erst bei Ausbruch eines Brandes durch Einwirkung von verdünnter Schwefelsäure auf Pottaschelösung erzeugt, und zwar kann ein Kohlensäureentwickler auch für mehrere Räume Anwendung finden, indem einfach das Entwicklungsgefäß an eine durch selbsttätig verschließbare Klappen unterteilte Rohrleitung angeschlossen wird.

Der selbsttätige Feuermelder wird unmittelbar über der Transformatorzelle angebracht, damit ihm die Wärme möglichst rasch zugeführt wird; desgleichen mündet das Kohlensäureeinleitungsrohr oberhalb der Transformatorzelle. Der Kohlensäureentwickler erzeugt innerhalb 2 bis 3 Minuten 40 m3 Kohlensäure. Diese Menge genügt, um in einem Raum von 100 m3 Inhalt eine ausreichende Löschwirkung zu erzielen. Neben der Betätigung der Kohlensäureentwicklung besorgt der Feuermelder noch das selbsttätige Schließen der Luftklappe an der Decke sowie der Oelablaufklappe am Boden des betreffenden Raumes; schließlich wird auch noch mittels eines Weckersignals die Zelle, in der der Brand ausgebrochen ist, angezeigt.

Das beschriebene System wurde von der Gutehoffnungshütte in Sterkrade in ihrer elektrischen Zentrale eingeführt, wo sechs Transformatorenzellen mit dieser Löscheinrichtung ausgestattet wurden, und zwar in der Weise, daß bei Ausbruch eines Brandes sowohl die brennende als auch die beiden Nachbarzellen mit Kohlensäure gefüllt werden können, um ein Uebergreifen des Feuers mit Sicherheit zu verhüten. Das neue Verfahren ist, da es ohne Wasser arbeitet, auch für Kunstsammlungen, Archive und Bibliotheken gut geeignet. (K. Perlewitz, E. T. Z. 1918, S. 209.)

Sander.

Trockengasgenerator der Georgsmarienhütte. Dieser neue Generator ist ein mit Koks betriebener Abstichgenerator, bei dem basische Schlacke zur Verflüssigung der Koksasche zugesetzt wird und in dem außerdem die Gewinnung von Roheisen mit einem hohen Mangan- und Phosphorgehalt gewonnen wird. Wie Dr. Ing. M. Bräutigam auf Grund eigener Versuche auf der Georgsmarienhütte berichtet, unterscheidet sich der neue Generator von anderen Abstichgeneratoren hauptsächlich dadurch, daß bei ihm die Dampfzufuhr sowie die Herdbeheizung unterbleibt. Seiner Bauart nach ist er ein kleiner Hochofen, in dem jedoch im Gegensatz zum gewöhnlichen Hochofen das entstehende Kohlenoxyd nicht zur Reduktion von Eisenerzen, sondern restlos als Heizmaterial verwendet wird. Da das Eisen in Form von Mischer- oder Martinschlacke dem Generator bereits in verschlacktem Zustande zugeführt wird, findet keine Reduktion der in diesen Schlacken enthaltenen Metalloxyde durch das Kohlenoxyd statt, vielmehr erfolgt die Ausscheidung der Metalle aus den Silikaten durch festen Kohlenstoff, und zwar außerordentlich rasch.

Textabbildung Bd. 334, S. 123

Der Gaserzeuger hat eine Höhe von 5 m und eine Gestellweite von 1,1 bis 3,0 m, je nach der 10 bis 100 t in 24 Stunden betragenden Durchsatzmenge. Die Beschickungsvorrichtung besteht wie üblich aus einem Füllkasten mit Kegelverschluß, der Gestellmantel wird durch Berieselung mit Wasser gekühlt. Der Wind wird mit einer Temperatur von 55 bis 70° und 400 mm WS Druck den von mit Wasser gekühlten Formen umgebenen Düsen zugeführt. An der Sohle des Gestells befindet sich der Eisenabstich, etwa 200 mm höher ist seitlich davon der Schlackenabstich angebracht. Die Generatorschlacke wird alle vier Stunden, das Generator eisen bei Verwendung von Mischerschlacke alle acht Stunden, bei Verwendung von Martinschlacke alle zwölf Stunden abgestochen. Der Gaserzeuger hat durchschnittlich eine Lebensdauer von 13 Monaten; nach dieser Zeit muß das Gestell erneuert werden, während Gicht und Rost weniger stark angegriffen werden.

Nach den Untersuchungen des Verfassers ist das in dem neuen Generator erzeugte Gas sehr reich an Kohlenoxyd (33 v. H.), dagegen enthält es sehr wenig Kohlensäure