Text-Bild-Ansicht Band 334

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(0,5 v. H.) und Wasser (12 g in 1 m3); der Heizwert beträgt 1133 WE. Infolge seines geringen Wasserstoffgehaltes hat das Gas auch einen hohen pyrometrischen Wärmeeffekt, was auch auf den geringen Wassergehalt des Gases zurückzuführen ist. Generatorgas, das in Drehrost- oder Morgangeneratoren durch Vergasung von Koks erzeugt ist, enthält im Mittel 41,2 g Wasser in 1 m3, somit mehr als dreimal so viel als das in dem neuen Trockengasgenerator erzeugte Gas. Das Trockengas ist praktisch teerfrei; somit wird der ganze im Koks enthaltene Kohlenstoff bei der Vergasung voll ausgenutzt. Auch der Schwefelgehalt des Trockengases ist erheblich niedriger als in Generatorgas aus Rohkohle.

Die Menge des in dem Generator erzeugten Eisens beträgt je nach der Menge und dem Eisengehalt der Zuschlagschlacke 500 bis 1300 kg in der 24-stündigen Doppelschicht, das sind rund 16,6 bis 43 kg Eisen für 1 t Koks. Das Eisen hat einen hohen Mangan- und Phosphorgehalt (je 7 bis 11 v. H). Wenn nur basische Martinschlacke als Zuschlag verwendet wurde, hatte das Roheisen etwas weniger Mangan und Phosphor als bei Verwendung von Mischerschlacke.

Die Abstichschlacke war gelblichgrün, dünnflüssig und von steiniger Struktur; sie floß stets glatt aus dem Generator heraus, auch bei Verwendung von hochbasischer Martinschlacke, wenn nur deren Zuschlagmenge geringer als sonst bemessen wurde. Der verwendete Koks hatte einen Kohlenstoffgehalt von 84 bis 88 v. H. und lieferte 4,7 bis 4,9 m3 Generatorgas für 1 kg Koks. (Stahl und Eisen 1918, S. 186 bis 189.)

Sander.

Wirtschaft.

Ingenieure für den Auslandsdienst. Bei der Umgestaltung des Auswärtigen Amtes wird auch mit dem Juristenmonopol im Auslandsdienst aufgeräumt werden. Volkswirtschaftler, Kaufleute und Ingenieure sind künftig gleichwertige Anwärter. Für die harrenden Aufgaben erscheinen die Vertreter der Technik und namentlich die volkswirtschaftlich gebildeten Ingenieure besonders berufen. Die technisch-wissenschaftlichen Aufgaben, zum Beispiel auf dem Gebiete des internationalen Verkehrs, erfordern technisches Wissen. Für das Nachrichtenwesen bringt der Ingenieur die der Technik eigene bildmäßige Darstellungsweise mit ihrem Herausarbeiten der wirtschaftlichkonstruktiven Zusammenhänge. Das Zusammenfassen der Arbeit aller im Fremdland wirkenden deutschen Wirtschaftskräfte wird ihm durch seine Erfahrung im Organisieren erleichtert. Seine sachliche, politischen Umtrieben fremde Art und die werbende Kraft seiner fachlichen Kenntnisse und Anregungen sind wichtige Hilfsmittel zum Anknüpfen und zur Erhaltung freundlicher persönlicher Beziehungen zu ausländischen Fachkreisen verschiedenster Richtung und zur Presse. (Dipl.-Ing. zur Nedden im Maiheft der „Technik und Wirtschaft“.

Die Beschäftigung von Kriegsblinden in Maschinenwerkstätten ist bei den Siemens-Schuckertwerken bis Februar 1919 auf 52 Mann gestiegen, wozu noch 37 männliche und 13 weibliche Pfleglinge von Blindenanstalten kommen. Der Akkordlohn schwankt zwischen 0,80 und 1,51 Mark für die Stunde. Die Blinden eignen sich weniger, als man ursprünglich annahm, für reine Handarbeit, wie sie früher Frauen übertragen wurde. Man hat ihnen mit bestem Erfolg Maschinenarbeit übertragen, die auch einen moralisch guten Einfluß auf sie zu haben scheint. Die Blinden sind beschäftigt besonders an Feilmaschinen zum Entgraten kleiner Teile, an Bohrmaschinen zum Bohren von Löchern mittelst Bohrvorrichtungen, an automatischen und halbautomatischen Drehbänken, deren man mehrere gleichzeitig einem Blinden zur Bedienung überweisen kann, an Exzenterpressen mit selbsttätigem Materialzuschub (Revolverteller) usw. An den Maschinen müssen allerdings sämtliche Schutzvorrichtungen besonders sorgfältig ausgebildet sein. (Werkstattstechnik 1919, 7.)

Ernst Preger.

Ueber Wirtschaftspsychologie. (Vortrag von Herrn Privatdozent Dr. Moede, Monatsblätter des Berl. Bezirksvereins deutscher Ingenieure 5. Januar 1919 und 1. Februar 1919.) Der Krieg hat uns gezwungen, der Wirtschaftspsychologie, d.h. der experimentellen Psychologie im Dienste des Wirtschaftslebens mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als wir es bisher getan haben. Es handelt sich hierbei vornehmlich um das Problem der Berufsberatung. Es ist bisher nur in wenigen speziellen Fällen in Angriff genommen, in Fällen, wo eine angenäherte Lösung von vornherein möglich erscheint. Es sind das die Berufe der Kraftfahrer, Funker und Lokomotivführer. In Deutschland ist besonders die experimentelle Kraftfahrer-Eignungsprüfung am besten ausgebildet worden. Diese hat, wie ohne weiteres klar, zunächst die Tüchtigkeit der Sinne des zukünftigen Kraftfahrers zu prüfen, also die Sehschärfe und Farbentüchtigkeit und vor allen Dingen die Tüchtigkeit der Stäbchen und Zapfen, weiter die Gehörschärfe sowie die Gelenkempfindlichkeit und Leistungshöhe der Hände und besonders der Füße. Sodann ist die Auffassungsgabe zahlenmäßig zu begutachten. Diesem Zwecke dient der Schnellseher oder das Tachystoskop, das gestattet, Reizkarten mannigfacher Beschaffenheit auf Bruchteile von Sekunden dem Auge darzubieten. Weiter ist die Dauerleistung der Aufmerksamkeit zu untersuchen, sowie die Fähigkeit, zwei oder drei Ereignisse gleichzeitig zu beachten. Um die Zeit, in der auf die einzelnen Reize reagiert wird, die Reaktionskonstante des Prüflings zu messen, dazu dient bei optischen Reizen das Hoppsche Chronoskop, bei akustischen Reizen der Reaktionshammer. In das Eignungsgutachten ist noch aufzunehmen ein Urteil über die Fähigkeit, bei einfachen und verwickelten Lagen eine Wahlhandlung schnell und richtig vorzunehmen. Und endlich ist eine Ermüdungsmessung vorzunehmen, die über die körperliche Leistungsfähigkeit des Prüflings unterrichten soll. Dazu dient der Ergograph nach Mosso. Er besteht aus einer Armlagerung und einem Schlitten, an dem ein Gewicht befestigt ist, dessen Schnurlauf zum Finger des Prüflings führt. Alle Bewegungen des Fingers, die durch das Gewichtsheben und -senken veranlaßt sind, macht der Schlitten mit, an dem ein Zeiger angebracht ist, der auf einer rotierenden Trommel die Bewegungen aufzeichnet. In den Fliegerlaboratorien von Frankreich werden auch noch Puls und Atmungskurven aufgenommen, wozu noch die Aufnahme mit dem Cardiographen zu treten hätte.

Eine Lösung des Problems der Berufsberatung für andere Berufe als Kraftfahrer, Funker, Lokomotivführer usw. ist noch in weitem Felde. Die psychotechnischen Methoden stehen erst am Anfang ihrer Ausbildung.

Eine andere Klasse von Menschen, wo die Berufsberatung Aussicht auf Erfolg haben dürfte, betrifft die Amputierten. Hier ist es – wie von Herrn Professor Dr. Schlesinger im Anschluß an den Moedeschen Vortrag ausgeführt wird – möglich, exakte, und zwar mechanotechnische Methoden zu entwickeln, die zu einer Lösung der Frage der Berufsberatung führen.

Jahnke.