Text-Bild-Ansicht Band 334

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DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL

Jährlich erscheinen 26 Hefte. Bezugspreis vierteljährlich 6,– M., bei Versendung unter Streifband für Deutschland u. Oesterreich-Ungarn 6 M. 65 Pf., für das Ausland 7 M. 30 Pf.Sendungen für die Schriftleitung Berlin W 15, Darmstädterstr. 9, Anfragen in Bezugs- und Anzeige-Angelegenheiten erbeten an den Verlag der Zeitschrift Richard Dietze, Berlin W 66, Mauerstr. 80 (Buchhändlerhaus).

HEFT 12 BAND 334. BERLIN, 14. JUNI 1919. 100. JAHRGANG

INHALT:

  • Zur Frage der Hochschulreform. Von Prof. Dr.-Ing. Gümbel Seite 127
  • Das Zeichnen von Hyperbeln und Polytropen. Von Dr. K. Schreber Seite 128
  • Polytechnische Schau: Ueber die Verwertung der Wöllaner Braunkohle – Rohstoffverluste im deutschen Kohlenbergbau und ihre Beschränkung – Ein neuer Vorschlag zur Verarbeitung des Braunkohlenteers – Ueber Kohlenanalysen und eine neue Form der Kohlenuntersuchung – Strömung in Düsen und Strahlvorrichtungen – Messung des Dampfverbrauchs mittels stark erweiterter Meßdüsen und der Wirkungsgrad von Curtis-Stufen – Licht und Laden – Untersuchungen über Aluminium – Elektrische Zugförderung auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen – Fortschritte der deutschen elektrischen Beleuchtungstechnik in den Kriegsjahren – Toleranzen für Längenmaße – Eine neue technische Behörde – Eine technische Zentralbibliothek für Deutschland – Die Ursachen der ungleichen Wirtschaftlichkeit von Dampfturbinen – Die deutschen Unterseeboote Seite 129
  • Bücherschau: Wien, Vorträge über die neuere Entwicklung der Physik und ihrer Anwendungen – Hüttig, Die Zentrifugalventilatoren und Zentrifugalpumpen und ihre Antriebsmaschinen, der Elektromotor und die Kleindampfturbine in der Heizungstechnik – Wedding, Das Eisenhüttenwesen – Benischke, Die wissenschaftlichen Grundlagen der Elektrotechnik – Schmid, Reinigung und Untersuchung des Kesselspeisewassers – Graf, Technische Rechnungen für die Praxis des Maschinen- und Bautechnikers – Czuber, Vorlesungen über Differential- und Integralrechnung – Fricke, Lehrbuch der Differential- und Integralrechnung und ihrer Anwendungen – Lind, Die Kohlenwirtschaft in Dampfkesselbetrieben – Thurn, Die Funkentelegraphie – Bussien u. Friedrichs, Vorrichtungsbau – Obermiller, Der Kreislauf der Energien in Natur, Leben und Technik – Gerhards, Oelmaschinen Seite 135

Gedenktage großer Techniker (15. Juni bis 29. Juni).

Wilhelm Bauer, Erfinder des Unterseeboots, gest. 20. 6. 1875. – G. W. Leibniz, geb. 21. 6. 1646. – Wilhelm von Bezold, Meteorologe, geb. 21. 6. 1837. – August Borsig, geb. 23. 6. 1804. – Karl Bischof, Erfinder der Gasfeuerung, gest. 23. 6. 1884. – Franz Ritter von Rziha, Tunnelbautechniker, gest. 23. 6. 1897. – Heinrich Seidel, Dichter und Ingenieur, geb. 25. 6. 1842. – Walter Nernst, physikalischer Chemiker, geb. 25. 6. 1864. – Joseph Richard Montgolfier, Erfinder des Luftballons, gest. 26. 6. 1820. – Wallot, Erbauer des deutschen Reichstagsgebäudes, geb. 26. 6. 1841. – Wilhelm Weber, Physiker und Erfinder des elektrischen Telegraphen, gest. 28. 6. 1891. – Joseph Ressel, Erfinder der Schiffsschraube, gest. 29. 6. 1793.

Zur Frage der Hochschulreform.

Von Professor Dr.-Ing. Gümbel, Charlottenburg.

In seiner in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure veröffentlichten Denkschrift1) über die Reform des Hochschulunterrichtes erhebt Prof. Dr. Riedler eine Reihe schwerer Vorwürfe gegen die Handhabung des heutigen Hochschulunterrichtes, insbesondere an der Maschinenbauabteilung der Technischen Hochschule zu Berlin und stellt eine Reihe von Forderungen auf, die der Reform des Unterrichts dienen sollen.

Man wird sich beim unbefangenen Lesen der Denkschrift nicht des Eindrucks erwehren können, daß die Vorwürfe, welche Riedler dem jetzigen Hochschulunterricht und den Lehrern macht, zu einem nicht geringen Teil nur aufgestellt sind, um auf dem so gewonnenen Hintergrund seine Reformgedanken sich besser abheben zu lassen, zu einem großen Teil wird man aber den Gedanken Riedlers zustimmen müssen. Ich glaube allerdings sagen zu dürfen, daß es sich in diesem Fall zumeist um Fragen handelt, die von allen Einsichtigen und nicht zum wenigsten von der Lehrerschaft in ihrer Bedeutung längst erkannt sind und innerhalb des Lehrkörpers zur Reformbewegung drängen.

Zur Beurteilung von Reformvorschlägen ist die Kenntnis des beabsichtigten Unterrichtsplanes erforderlich. Wer nun in der Riedl ersehen Denkschrift diese Angaben über die Ausgestaltung des Unterrichts sucht, wird die Denkschrift enttäuscht aus der Hand legen.

Um so gespannter konnte man auf die Ausführungen sein, welche Riedler einem kleinen geladenen, die wesentlich interessierten Hochschullehrer ausschließenden Kreise für den 20. Mai in Aussicht gestellt hatte. Diese Aussprache hat die von den Lehrern erhoffte, zur endgültigen Beurteilung der Riedlerschen Gedanken unbedingt notwendige, ausführliche Bekanntgabe des Riedlerschen Stundenplanes nicht gebracht. Ueber das in der Denkschrift Gesagte hinausgehend, wurde nur das folgende bekannt.

In den beiden ersten Semestern sollen die theoretischen Fächer – als solche wurde die Mathematik im besonderen genannt, es dürften noch die Mechanik und darstellende Geometrie eingeschlossen gedacht sein – von 28 auf 10 Wochenstunden verringert werden.

Die ersparte Zeit soll zur Erweiterung der Rechtsund Wirtschaftslehre sowie zur Aufnahme einer „Begriffslehre“ (Philosophie) und einer „Kulturlehre“, ferner zu einem in besonderer Weise geübten Unterricht der Fachlehre verwendet werden.

Der Unterricht in den höheren Semestern soll durch Weiterführung der wissenschaftlichen Fächer – von denen Mathematik, Chemie und Physik genannt wurden – wissenschaftlich „vertieft“ werden. Durch besondere Ausgestaltung des Fachunterrichtes soll die Gesamtvortragsstundenzahl in der Fachlehre von 138 auf 80 Stunden oder da Riedler die Durchführung seines Reformprogramms in sechs Semestern für möglich hält, auf 60 Stunden ermäßigt werden.

Der Unterricht soll von sechs Lehrern erteilt werden, welche einen geschlossenen, einheitlichen Ausbildungsgang gewährleisten und neben der jetzt bestehenden

1)

Zerfall der Technischen Hochschule und Neubau der Hochschule, von Dr. A. Riedler. Z. d. V. d. I. Heft 14, 15.