Text-Bild-Ansicht Band 334

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damit auch auf diesem rein begrifflichen Gebiete den jetzt allenthalben im Vordergrunde stehenden Gedanken der Vereinheitlichung und Normung nachgehen.

Es sind 19 kurze, klare Leitsätze geprägt, die kaum 1 ½ Druckseiten umfassen. „Unkosten“ (oder vielmehr „indirekte Aufwendungen“ – der Ausdruck Unkosten, der ja schon aus sprachlichen Gründen viel umstritten ist, ist absichtlich vermieden worden –) wird alles das genannt, was sich nicht zu Lasten eines einzelnen Auftrages erfassen läßt. Grenzfälle, die nicht zu vermeiden sind, werden zugestanden, im Zweifelsfalle muß nur dafür gesorgt werden, daß eine Aufwendung innerhalb eines Unternehmens nicht einmal unter den direkten, das andere Mal unter den indirekten Aufwendungen verbucht wird.

Zur einwandfreien Verrechnung werden die indirekten Aufwendungen auf eine Anzahl Unkosten-Konten verteilt, je nach der Art des Unternehmens. Abschreibungen auf Anlagewerte gelten als -indirekte Aufwendungen. Unterschieden wird zwischen Betrieb-, Vertrieb- und Verwaltungskosten.

Für die Kalkulation werden die indirekten Aufwendungen in Form von Zuschlägen zu den direkten bestimmt, und zwar bei den Betriebkosten meistens zu den Löhnen, doch ist auch die häufig treffendere Erfassung durch Zuschläge auf die Rohstoffkosten oder Rohstoffgewichte oder nach Maschinenstunden, Platzkosten usw. angängig, ebenso eine Verbindung zweier dieser Verrechnungsarten. Die Betriebselbstkosten ergeben sich so als Summe aus Materialkosten, Löhnen und Zuschlägen. Die Vertriebkosten werden zu den Betriebselbstkosten in ein Verhältnis gesetzt, so daß damit die Gesamtselbstkosten eines Erzeugnisses als die Summe aus den Betriebselbstkosten und den in v. H. davon angegebenen Vertriebkosten festgelegt sind. In dieser einfachen und klaren Festlegung der Selbstkostenbegriffe ist ein besonderes Verdienst der „Leitsätze“ zu sehen.

Wirtschaftlichkeit der Materialverbuchung. Die Bewertung der verbrauchten Roh- und Hilfstoffe im Fabrikbetriebe geschieht auf Grund von Materialzetteln, die bei jeder einzelnen Bestellung aus dem Lager ausgeschrieben werden. Bereits das Ausschreiben dieser Zettel und mehr noch ihre nachträgliche Buchung und Verrechnung erfordert einen erheblichen Aufwand an Zeit und Kosten, und es ist daher die Frage berechtigt, die Strache in Heft 5 der „Technik und Wirtschaft“ (1919) untersucht, wie weit dieses Vorgehen wirtschaftlich ist. Für einen zur Prüfung herausgegriffenen Betrieb ergeben sich rund 180000 Materialzettel im Gesamtwert von 12 Millionen Mark im Jahre, deren Verrechnung etwa 30000 M, d.h. 0,25 v. H. ihres Wertes kostet. Die Buchung eines Zettels stellt sich also im Durchschnitt auf 16,6 Pf.

Eine Trennung der Zettel nach ihrem Nennwerte zeigt jedoch, daß fast 50 v. H. (48,6) auf weniger als 5 M lauten (mehr als 20 v. H. auf weniger als 1 M!), so daß für diesen großen Teil der Materialverrechnung die Buchungskosten in einem sehr argen Mißverhältnis zu dem Wert des verrechneten Materials stehen. Es wäre also recht wohl zu erwägen, ob nicht auf eine Verbuchung der Materialzettel unter 5 M verzichtet werden kann.

Die Nachprüfung der Zettel auf Notwendigkeit des Materialverbrauchs kann sich natürlich nur auf Stichproben erstrecken. Unter der Annahme einer bestimmten erreichbaren Fehlergrenze bei einem bestimmten Zeitaufwand für die Prüfung und einer Verkürzung der Prüfzeit nach einem bestimmbaren und zunächst angenommenen Potenzgesetz bei Verzicht auf Prüfgenauigkeit kann ermittelt werden, welcher Aufwand an Prüfzeit für die einzelnen Zettelarten (nach ihrem Nennwert) noch zugebillgit werden kann, um die Buchung und Prüfung wirtschaftlich zu rechtfertigen. Eine Einschränkung in der Buchung und Prüfung der Zettel, bei denen eine Wirtschaftlichkeit nicht mehr zu erweisen ist, kann wertvolle Arbeitskräfte für wirtschaftlichere Arbeiten frei machen.

Aufbau eines Terminbüros. Die Aufgaben: 1. rechtzeitige Materialbereitstellung für die Werkstatt, 2. rechtzeitige Bereitstellung der Werkzeuge und Vorrichtungen, 3. Bewegung des Materials in der Werkstatt, werden von einem Terminbüro überwacht, das die Tätigkeit des technischen Büros, des Betriebsbüros und des Kalkulationsbüros (Preisbüros) ergänzt (Ephraimson, Werkstattstechnik vom 1. und 15. 5. 1919, auch „Der Betrieb“, Mai 1919). Grundsatz ist, die erforderlichen Angaben vor Beginn der Bearbeitung zu sammeln und festzulegen und jedem Stück eine Laufkarte mitzugeben, auf der der ganze Bearbeitungsvorgang vorgeschrieben ist. Die Termine werden nicht im Voraus für den ganzen Herstellungsgang festgelegt, sondern während des Laufens durch die einzelnen Werkabteilungen nach Maßgabe der Verhältnisse bestimmt. Zur Ueberwachung des jeweiligen Fertigungsgrades dienen mit Lochung versehene „Abreiß-Fähnchen“ an der Arbeitbegleitkarte, die die Fertigungsnummer des Stückes tragen und einzeln abgerissen werden können, wenn das Werkstück von einer Werkabteilung an eine andere gegeben wird. Hierbei wird darauf die empfangende Werkabteilung, die Stückzahl und das Datum vermerkt. Der Abschnitt wird dann in einen Sammelkasten gelegt, der vom Terminbüro mehrmals täglich geleert wird. Dort wird für jeden Auftrag eine eigenartige Stückliste geführt, in der aus fortlaufenden Eintragungen der Stückzahlen, des Datums und der bearbeitenden Werkabteilung stets der Stand der Bearbeitung jedes einzelnen Teiles ersichtlich ist.

Besondere Ueberwachung wird den entstehenden Ausschußstücken zugewandt, weil sie erfahrungsgemäß vom Arbeiter gern entweder ganz beseitigt oder bei geringer Fehlerhaftigkeit schließlich doch noch wieder in den Herstellungsgang hineingeschoben oder zum Einbau gebracht werden. Für sie werden besondere „Differenzkarten“ als Arbeitbegleitkarte ausgefüllt, von denen gewisse Abschnitte zusammen mit entsprechenden Abreißfähnchen der ursprünglichen Arbeitbegleitkarte dem Terminbüro eingereicht werden müssen.

Die verschiedene Dringlichkeit der Herstellung der einzelnen Teile kann durch Aufdruck der Ziffern „1“ und „2“ auf die Arbeitbegleitkarte gekennzeichnet werden. Im Terminbüro werden dementsprechend alle Teile in. drei verschiedenen Listen geführt. Die Fertigstellung der Teile nach Liste 1, die am dringendsten sind, wird besonders überwacht und nötigenfalls durch besondere „dringende Anmahnungen“ beschleunigt. Die Teile mit Arbeitkarten ohne Ziffernaufdruck (Liste 3) gelten als nicht besonders eilig. Die Verteilung der Einzelteile auf diese drei Listen wird je nach den Erfordernissen der Montageabteilung nach Bedarf geändert, die Begleitkarte entsprechend gestempelt.

Soziales. Werkstatt-Reinigung und -Ausstattung. Auf den Wert ständig sauberer Fenster in den Werkstätten weist Heinmiller im American Machinist vom 9. März 1918 hin. Die regelmäßige vierzehntägige Reinigung der Fabrikfenster (nicht nur der Bürofenster!) hat außer dem selbstverständlichen Wert der besseren Beleuchtung der Arbeitsplätze und der damit verbundenen Ersparnis an künstlicher Beleuchtung eine hohe Bedeutung dadurch, daß der Gesamteindruck der Sauberkeit bei den Arbeitern sowie auch bei etwaigen Besuchern gehoben wird. Ganz von selber wird der Arbeiter in einem gut beleuchteten, sauber gehaltenen