Text-Bild-Ansicht Band 334

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so leuchtet es ein, daß die Unkosten der britischen Maschinen- und Schiffbauer allein durch die Arbeitslöhne, die ihre eignen Arbeiter wie die Bergarbeiter erhalten, heule auf eine enorme Höhe geschnellt sind.

B.

Am Freitag, den 6. Juni 1919 fand im Hörsaal des Physikalischen Instituts der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg die Gründungsversammlung der „Deutschen Gesellschaft für angewandte Physik“ unter Anwesenheit zahlreicher Teilnehmer aus Technik und Industrie von den physikalisch-technischen Instituten sowie der Technischen Hochschule und Universität statt. Der erste Vorsitzende, Herr Dr. Gehlhoff, Berlin-Friedenau, Ortrudstr. 3 erteilt bereitwilligst Auskunft und nimmt Beitrittsmeldungen entgegen.

Maschinentechnik.

Anlauf- und Auslaufverhältnisse von motorisch angetriebenen Massen unter Anwendung eines neuen graphischen Auswertungsverfahrens. (Z. d. V. d. I. 1919, S. 289 ff.) Es handelt sich um die Berechnung des zeitlichen Verlaufs der Drehzahlen eines anlaufenden Motors, wobei dieser außer einer Bremskraft durch Nutzarbeit der Wirkung von zu beschleunigenden Massen unterliegt. Die Lösung dieses bekannten Problems ist hier graphisch dadurch erzielt, daß Motormomentkurve M und Lastmomentkurve D als Funktion der Drehzahl aufgetragen werden. Die Differenz beider Werte für eine gegebene Drehzahl n ist das Beschleunigungsmoment Mb = M – D, das zur Beschleunigung der Massen dient. Es gilt

, wenn Θ das Schwungmoment der Massen bedeutet. Trägt man nun über n den aus der M- und D-Kurve bestimmten Wert
auf (Abb. 1) und bildet den Integralwert
, so stellt die hierdurch gebildete Integrationsfläche – in Abb. 1 schraffiert – ein Maß für die vom Stillstande bis zu einer beliebigen Drehzahl n1 verflossene Anlaufzeit t1 dar.1) Auf diese Weise lassen sich Anlaufzeiten selbst für komplizierte, analytisch nicht oder nur schwer erfaßbare Verhältnisse mit relativ leichter Mühe bestimmen. Vorausgesetzt ist nur, daß die Motorcharakteristik M = f(n) und die Lastcharakteristik D = φ (n) bekannt sind.

Das Auswertungsverfahren ist in allgemeiner Form an Hand einer Reihe Beispiele erläutert, und dabei sind Eigenarten einzelner bestimmter Antriebe besprochen.

Der Arbeitsinhalt oder die kinetische Energie der bewegten Massen ist E = ∫Mbωdt = πΘn2 in kgm, wobei das Schwungmoment

in kgmsek2; n die sekundliche Umlaufzahl der Motorwelle, J das polare Trägheitsmoment der umlaufenden Masse, bezogen auf die Motorwelle
; m die geradlinig beschleunigte Masse; a das Uebersetzungsverhältnis
der Geschwindigkeit der geradlinig bewegten Masse zur Drehzahl der Welle gemessen in m/sek: Umlauf/sek oder meter Weg der Last für 1 Umdrehung der Motorwelle.

Da E = 2 π∫Θndn ist, so stellt sich die kinetische Energie über n aufgetragen als Dreieckfläche dar mit der Grundfläche n und der Höhe 2 πΘn.

Trägt man, wie beschrieben, die Werte

über n auf – vgl. Abb. 1 Intervall n = 0 bis ns –, so ist leicht ersichtlich, daß der Wert für n = ns unendlich werden muß, sobald Mb verschwindet. Die Anlaufzeit ist danach, bis zum Beharrungszustand ns für M = D gerechnet, immer unendlich groß, die gleichbleibende Drehzahl ns wird asymptotisch erreicht. Das Anlassen von Motoren, Dampf- oder Elektromotoren, geschieht nun in der Regel unter Zwischenschaltung von Drosselorganen der Spannung, wodurch die Charakteristik des Motors von einer Drosselstellung zur anderen eine andere wird. Das beschriebene Verfahren wiederholt sich dann für jede neue Charakteristik. Diese Verhältnisse sind für eine Reihe Beispiele, Dampfmaschine, Hauptstrom- und Nebenschlußelektromotor erläutert.

Textabbildung Bd. 334, S. 155

Eine weitere Betrachtung ist den Verhältnissen gewidmet, wenn zwischen Motor und Last Geschwindigkeitsübersetzungsglieder vorhanden sind, und der Fall berücksichtigt, daß gleitende Uebertragung vorliegt wie beim Reibungsgetriebe, Propellerantriebe und dergleichen. Das Maß der Gleitung ist als Schlupf σ bezeichnet, wobei

und ns die aus den Abmessungen berechenbare Drehzahl und n die wirkliche Drehzahl ist. Es ergibt sich hiernach ein auf die Motorwelle bezogenes Schwungmoment Θ1 von

,

wobei u das Uebersetzungsverhältnis; σ1 der zwischen Motorwelle und angetriebener Welle auftretende Schlupf; σ2 derselbe zwischen Schwungmasse J und ihrer antreibenden Welle; σ3 derselbe zwischen geradlinig angetriebener Masse m und ihrer antreibenden Welle.

1)

In der Abb. als Ordinate t1 der Integralkurve t angegeben.