Text-Bild-Ansicht Band 334

Bild:
<< vorherige Seite

Zugspannung σB des Materials von 39,5 kg/mm2. Zugversuche mit Probestäben ohne und mit Schweißnaht aus drei ungeprüften Kettengliedern entnommen, teils warm gerade gerichtet und ½ Stunde bei 900° C geglüht, teils ohne Richten und Glühen durch Abdrehen aus dem Vollen bearbeitet, ergaben an den ungeglühten Proben, daß die Streckgrenze durch das Schweißen von 41,6 auf 36,5 kg/mm2 und die Bruchfestigkeit von 51,1 auf 50,3 kg/mm2 zurückgegangen war; die Bruchdehnung betrug für die kalt bearbeiteten Stäbe mit und ohne Schweißnaht 12,5 v. H., für die geglühten dagegen ohne Schweißnaht 30,6 v. H. und mit Schweißnaht nur 16,1 v. H. In der geschweißten Kette war die Bruchfestigkeit des Materials nur mit 77 v. H. ausgenutzt. Die metallographische Untersuchung ergab vollkommene Schweißung ohne Anzeichen örtlicher Ueberhitzung.

Versuche mit Stahlrohren lieferten folgende Werte:

Rohr Nr. 1 2 3
Aeußerer Durchmesser mm 50 25 20
Wandstärke mm 1,0 1,0 1,0
Zug-
ver-
such
Streckgrenze kg/mm2
Zugfestigkeit kg/mm2
Dehnung v. H.
45,5
46,1
8,4
54,1
57,2
5,8
52,3
55,1
6,3
Biege-
ver-
such
Proportionalitätsgrenze kg/mm2
Bruchfestigkeit kg/mm2
Verhältnis von Zug- zu Biege-
festigkeit v. H.
25,0
56,0
121
36,2
76,8
142
38,9
71,6
137

Die Biegefestigkeit war demnach im Mittel um 33 v. H. größer als die Zugfestigkeit.

Der Einfluß der Wärme und Kälte auf die Zugfestigkeit wurde an folgenden Metallen untersucht:

  • a) Achsenstahl: durch Abkühlen auf – 25° C blieb die bei Zimmerwärme beobachtete Streckgrenze σS unverändert = 28,5 kg/mm2, die Bruchfestigkeit σB stieg von 32 auf 46 kg/mm2, die Bruchdehnung δ11,3 betrug 30 gegen 31 v. H.
  • b) Schnelldrehstähle mit 10 und 16 v. H. Wolframgehalt lieferten folgende Werte, wobei die in Klammern stehenden für 16 v. H. Wolfram gelten.

Versuchstemperatur

400 600 700 800
σ S 28,1 (46,0) 9,1 (11,7) 6,5 (9,4)
σ B 116,0 (–) 44,9 (53,7) 16,2 (21,5) 14,2 (19,9)
δ 11,3 21,1 (–) 49,8 (34,1) 65,1 (–)

Durch höheren Wolframgehalt war also die Widerstandsfähigkeit der Festigkeit gegen die Wärme gesteigert worden.

  • c) Aluminium zeigte bei 20°, 100° und 150° folgende Festigkeitseigenschaften: σS = 8,4 – 7,5 – 6,5 kg/mm2, σB = 10,7 – 8,7 – 7,1 kg/mm2, δ11,3 = 23,9 – 36,3 – 51,1 v. H.
  • d) Zinkguß mit σB = 12,7 kg/mm2 und δ11,3 = 0 v. H. zeigte die Höchstwerte für Festigkeit 16,3 kg/mm2 und Dehnung 1,2 v. H. bei 100° C, durch höheres Erwärmen nahmen Festigkeit und Dehnung wieder ab.

Baumaterialprüfung: Der Beton eines Fundamentes war im Laufe der Zeit stark zerstört und zum Teil weich geworden. Der Antragsteller vermutete, daß das in der Baugrube stehende Wasser Bestandteile enthielt, die diese Zerstörung hervorgerufen hätten. Diese Annahme erwies sich als zutreffend, denn das Grundwasser entsprach einer gesättigten Gipslösung. Durch das lockere poröse Gefüge des mageren Betons war der Zerstörungsvorgang begünstigt worden.

Eine in blauem Ton liegende Hohlgangsverbindung war mit Zementsteinen ausgemauert, die nach einiger Zeit rissig wurden und sich zum Teil völlig zersetzten. Auch hier war die Zerstörung aufs das mit der Ausmauerung in Berührung kommende Grundwasser zurückzuführen, das, wie die Untersuchung ergab, einen hohen Gehalt an schwefelsauren Salzen aufwies.

Mörtel, die nach einem besonderen Verfahren (Spritzverfahren) aufgebracht waren, erwiesen sich als ziemlich dicht und fest.

Papier- und textiltechnische Prüfungen: Die schwierige Lage der Papierindustrie hat sich noch weiter verschärft und unter anderem dazu geführt, daß die „Bestimmungen über das von den Staatsbehörden zu verwendende Papier“ noch weiter in der Richtung abgeändert werden mußten, daß Zellstoff zum Teil durch Holzschliff ersetzt wurde. Auch hierbei handelt es sich wie bei der Aenderung im Vorjahr, lediglich um Kriegsmaßnahmen, die nach Rückkehr normaler Verhältnisse wieder aufgehoben werden.

Das Amt hat sich gegenüber allen Bestrebungen auf Beseitigung des Prüfungszwanges ablehnend verhalten.

Zu der Behauptung, daß die Kontrollprüfungen zurzeit von geringem Wert seien, weil die Behörden doch genötigt sind, auch nicht genügende Papiere zu behalten, da Ersatz durch genügende kaum möglich sei, ist zu bemerken, daß nicht genügende Normalpapiere während der ganzen Kriegsdauer bis hinein in die jüngste Zeit nur ausnahmsweise vorgekommen sind. Sobald die Lieferanten mit der Kontrollprüfung nicht mehr zu rechnen haben, tritt zweifellos ein starkes Sinken in der Güte der Normalpapiere ein und in unsere Archive gelangen wieder Papiere, die mehr auf äußere Eigenschaften hin gearbeitet sind und keine Gewähr für lange Lebensdauer bieten.

Eine Herabsetzung der Festigkeitseigenschaften der Normalpapiere ist nicht erfolgt und der Verein deutscher Papierfabrikanten hat sich gegen Bestrebungen, die dahin zielen, sehr energisch ausgesprochen; er ist auch ein entschiedener Gegner der Lockerung oder gar Aufhebung des Prüfungszwanges während des Krieges.

Der Mangel an Kleingeld hat im Verlauf des Krieges verschiedene Kommunal verbände veranlaßt, Notgeld einzuführen, um den im Verkehr wegen Mangel an Kleingeld aufgetretenen Schwierigkeiten zu begegnen. Bei der Auswahl des Papiers zur Herstellung des Notgeldes ist man nicht immer mit der nötigen Sorgfalt vorgegangen. Es ist einleuchtend, daß nicht jedes Papier zur Herstellung von Papiergeld brauchbar ist, und man darf sich bei der Herstellung von Notgeld nicht auf die Vorschläge der liefernden Firmen über das zu verwendende Papier verlassen, es sei denn, daß es sich um Druckereien handelt wie unsere Reichsdruckerei oder ähnliche Institute, die selbstverständlich in der Lage sind, die Güte von Papier nach allen Richtungen hin zu beurteilen.

Die Ansichten über die Brauchbarkeit geklebter Papiersäcke als Ersatz für Jute-, Baumwoll- usw. Säcke gehen in vielen Industriezweigen noch sehr auseinander.

Die Ursache dieser verschiedenen Beurteilung liegt wohl einerseits in den verschiedenen Ansprüchen, dann aber auch darin, daß teils sehr feste Papiere zu Säcken verarbeitet werden, teils sehr wenig feste, die hierzu wenig oder gar nicht geeignet sind. Um Besserung in diese Verhältnisse zu bringen, hat die Reichssackstelle im Benehmen mit dem Materialprüfungsamt folgende Richtlinien für die Festigkeitseigenschaften von Sackpapier aufgestellt:

Mittlere Reißlänge mindestens 4000,

Mittlerer Falzwiderstand mindestens 250 Doppelfalzungen nach Schopper,

Quadratmetergewicht 70 bis 80 g.

Die Bestrebungen des Verbandes deutscher Dachpappenfabrikanten, im Anschluß an die früher geschaffenen