Text-Bild-Ansicht Band 334

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Normen für Rohdachpappe nunmehr auch Normen für fertige Dachpappe aufzustellen, wurden durch den Kriegsausbruch unterbrochen; die Arbeiten sollen jetzt gemeinsam mit dem Amt wieder aufgenommen werden.

Gemeinsam mit Behörden oder Kriegswirtschaftsgesellschaften werden unter anderen folgende Fragen bearbeitet:

Für die Luftschiffer-Rohstoffabteilung sind planmäßige Untersuchungen an gummierten Ballonstoffen im Gange, die die Frage klären sollen, ob diagonale oder parallele Dublierung bei Stoffen für Feldballone vorzuziehen ist.

Im Auftrage der Reichssackstelle hat die Abteilung systematische Untersuchungen an gewebten Papiersäcken begonnen, die über die vorteilhafteste Ausführung und Anordnung der Nähte zwecks Erzielung möglichst hoher Festigkeit an den Nähten Aufschluß geben sollen.

Umfangreiche Arbeiten wurden ferner vor allem in Fragen der neuen Waschmittel ausgeführt. Infolge der allgemeinen Seifenknappheit ist die inländische Wäschereitechnik völlig umgestellt worden und die gesetzgebenden Behörden im Verein mit der Industrie und dem Handel waren bestrebt, brauchbare Seifenersatzstoffe zur Verfügung zu stellen. Außer der Wasch- oder Reinigungswirkung der Waschmittel kommt der etwaigen Faserschädigung durch die Waschmittel eine unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen wesentlich erhöhte Bedeutung zu. In dieser Hinsicht sind wichtige Beobachtungen gemacht worden. Es handelt sich vor allem um die Schädigung der Wäsche durch Sauerstoffwaschmittel und Chlorlaugen (den sogenannten Sauerstofffraß) bei Gegenwart gewisser Katalysatoren, wobei tausendstel mg Kupfer bereits Durchlöcherungen der Wäsche erzeugen.

Metallographie: Mehrfach wurden wieder gebrochene Stahlwellen aus Sonderstahl untersucht. Nächst. der chemischen Zusammensetzung ist auf das Verhalten des Materials die vorausgegangene Wärmebehandlung von maßgebendem Einfluß. Besonders deutlich kommt dieser Einfluß bei der Kerbschlagprobe zum Ausdruck, wie folgende Versuche zeigen.

Kerbschlagversuche (10 mkg-Pendelschlagwerk) mit Wellen material.



Behandlung der Proben
vor der Prüfung
Nickel-
Chromstahl
mit 0,5% C
Spezifische
Schlagarbeit
Nickel-
Chromstal
mit 0,15 % C
Spezifische
Schlagarbeit
Zustand der Einlieferung ins Amt 7,5 mkg/cm2 5,7 mkg/cm2
¼ Stunde bei 900° C geglüht und
langsam im Ofen abgekühlt
2,6 mkg/cm2 7,2 mkg/cm2
¼ Stunde bei 900° C geglüht
und in Oel von Zimmer-
wärme abgeschreckt, dann
1 Stunde angelassen bei:
600° C 4,1 mkg/cm2
650° C 5,1 mkg/cm2
700°C 7,4 mkg/cm2 7,8 mkg/cm2

Während das kohlenstoffreichere Material mit 0,5 v. H. Kohlenstoff nach dem Ausglühen mit darauffolgender langsamer Abkühlung nur noch sehr geringe Schlagfestigkeit aufwies, die erst nach dem Vergüten und Anlassen bei 700° C auf den Anfangswert gebracht werden konnte, wurde das Material mit niedrigem Kohlenstoffgehalt (0,15 v. H.) durch das Ausglühen bereits erheblich zäher. Durch Vergüten und Anlassen bei 700° C konnte keine weitere wesentliche Wirkung erzielt werden.

Privatdozent Dr.-Ing. W. Müller.

Wärmekraftmaschinen und Brennstoffe.

Zur Frage der wirtschaftlichen Ausnutzung der Brennstoffe liefert Dr. Karl Goldschmidt einen bemerkenswerten Beitrag. Ausgehend von der Tatsache; daß wir im Jahre 1913 für 180 Mill. M Benzin, Leucht- und Schmieröle sowie für den gleichen Betrag Salpeter und Ammoniumsulfat eingeführt haben, erörtert er die Frage, ob wir diese aus dem Auslande bezogenen Stoffe nicht aus unseren Stein- und Braunkohlen herstellen können und auf welchem Wege dies möglich wäre. Er bespricht zunächst an Hand statistischer Angaben die Entgasung der Kohle in Kokereien und Gaswerken, sodann die Vergasung der Kohle in Generatoren. Während die Gaswerke und Kokereien Nebenprodukte im Wert von vielen Millionen Mark liefern, hat man bei dem Betrieb der Generatoren erst recht spät der Gewinnung von Nebenprodukten Beachtung geschenkt. Das Verfahren von Mond ermöglicht es, den größten Teil des in den Brennstoffen enthaltenen Stickstoffs bei der Erzeugung von Heiz- und Kraftgas als Ammoniak zu gewinnen, daneben hat man in jüngster Zeit auch begonnen, den Generatorteer abzuscheiden und zu verwerten. Eine weitere Art der Kohlenverwertung ist die Schwelung, die hauptsächlich bei bituminösen Schiefern und Braunkohlen Verwendung findet. Der Braunkohlenteer hat während des Krieges wegen seines Gehalts an Brenn- und Schmierölen große Bedeutung erlangt, und es sind in Mitteldeutschland große Anlagen zur Gewinnung von Braunkohlenteer errichtet worden. Allein die Anlagen der Deutschen Erdöl- A.-G. und der Rütgerswerke, A.-G., dürften zusammen etwa 300000 t Teer im Jahre erzeugen. Auch Braunkohlen mit verhältnismäßig geringem Bitumengehalt, die man früher nicht für schwelwürdig gehalten hat, hat man während des Krieges mit Erfolg verarbeiten gelernt, und man wird künftig in dieser Richtung noch weitere Fortschritte machen. Der Braunkohlenteer wird durch Destillation und Raffination aufgearbeitet, wobei man Mineralöle, Paraffin und sogen, rote Produkte erhält. Daneben wird die Braunkohle auch durch Extraktion mit Benzol auf Montanwachs verarbeitet, das im Kriege ebenfalls eine vielseitige Verwendung gefunden hat. Der nach der Extraktion verbleibende Rückstand wird gewöhnlich zur Herstellung von Briketts benutzt. Auch aus Steinkohle lassen sich durch Extraktion wertvolle Stoffe gewinnen, doch hat dieses Verfahren in der Technik bisher noch keine Anwendung gefunden.

Unsere starke Abhängigkeit vom Auslande bezüglich der Versorgung mit Benzin, Leucht- und Schmierölen macht die Beschaffung erdölähnlicher Produkte aus einheimischen Rohstoffen zu einer der wichtigsten Wirtschaftaufgaben der nächsten Zeit. Eine Ausdehnung der Nebenproduktenkokerei bringt uns diesem Ziele nicht näher, wohl aber könnte man daran denken, die Fabrikation von Braunkohlenbriketts einzuschränken und statt dessen mehr Braunkohle als bisher zu verschwelen, da die Brikettfabrikation unverhältnismäßig viel Feuerungsmaterial erfordert. Zur Herstellung unserer jährlichen Briketterzeugung von rd. 20 Mill. t müssen nämlich etwa 17 Mill. t Braunkohle verfeuert werden. Nimmt man den Bitumengehalt dieser 17 Mill. t Braunkohle nur zu 2 v. H. an, so ließen sich allein aus dieser Kohlenmenge schon mehr als 300000 t Braunkohlenteer gewinnen; der Schwelrückstand (Braunkohlenkoks) könnte dann entweder als Brennstoff (an Stelle von Briketts oder Rohbraunkohle) verfrachtet oder aber an Ort und Stelle vergast werden.

Eine weitere Möglichkeit, erdölähnliche Produkte aus Kohle zu gewinnen, bietet die Anlagerung von Wasserstoff an Teerprodukte nach dem Bergin – Verfahren. Mit Hilfe dieses Verfahrens ist die Herstellung von synthetischem Benzin, Leucht- und Treibölen von genau denselben