Text-Bild-Ansicht Band 334

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größten Leuchtturm, Unterwasser-Torpedos und Kontaktminen, und schließlich seit über 25 Jahren auch auf die Herstellung von elektrischen Glühlampen.

Im Jahre 1907 wurde das Unternehmen in die Julius Pintsch-Aktiengesellschaft umgewandelt, mit der Richard Pintsch bis an sein Lebensende in engster Fühlung geblieben ist. Die Brüder Oskar und Julius waren am 10. und 29. Januar 1912 gestorben.

An Auszeichnungen und öffentlichen Anerkennungen aller Art fehlte es nicht. 1887 wurde Richard zum Kommerzienrat, 1896 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. Zum siebzigsten Geburtstage, am 19. Februar 1910 wurde ihm der Königliche Kronenorden II. Klasse verliehen. Auch die Fachwelt zögerte nicht, die Erfolge der Firma Pintsch voll und rückhaltlos anzuerkennen. So wurde Richard Pintsch Inhaber der Bunsen-Pettenkofer Plakette des Vereins Deutscher Gas- und Wasserfachmänner, Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Maschinen-Ingenieure und der polytechnischen Gesellschaft, Inhaber der Großen goldenen Delbrück-Medaille, welche nur alle fünf Jahre vom Verein zur Förderung des Gewerbefleißes verliehen wird, und ist seit über 25 Jahren ordentliches Mitglied der Königlichen Akademie des Bauwesens. Die Gemeinden Fürstenwalde und Berchtesgaden ernannten ihn zu ihrem Ehrenbürger.

Die Königlich Technische Hochschule, Berlin-Charlottenburg, ehrte am 19. Februar 1910 sein Lebenswerk durch die Verleihung des Ehrendoktor der Ingenieur-Wissenschaften.

Die thermodynamischen Grundlagen der Wind- und Wasserkraftmaschinen.

Von Prof. Dr. Hans Baudisch, Wien.

Die Brennstoffe, welche unsere Wärmekraftmaschinen versorgen, sind im Wesen nichts anderes, als aufgespeicherte Sonnenwärme. In der Kohle schlummert dieselbe seit Jahrtausenden, im Holz seit Jahrzehnten.

Sonnenwärme, und zwar solche, die uns heute gegeben wird, ist aber auch die ursprünglichste Kraftquelle unserer Wind- und Wasserkraftmaschinen: sie erzeugt durch örtlich verschiedene Erwärmung der Erdoberfläche gewisse Strömungserscheinungen der Luft.

Textabbildung Bd. 334, S. 223
Textabbildung Bd. 334, S. 223

Sind diese Luftströmungen einerseits die unmittelbare Kraftquelle unserer Windkraftmaschinen, so sind sie anderseits die Lastträger, die Transportmittel, welche den ebenfalls durch die Sonnenwärme gebildeten Wasserdampf von der Meeresoberfläche aufheben und über die Berge führen, damit er in dortiger Hochregion niedergeschlagen werde. Diese Niederschläge bilden dann die unmittelbare Kraftquelle unserer Wasserkraftmaschinen.

Was die Windkraftmaschinen betrifft, so kommen dieselben mit Vorteil insbesondere dort zur Aufstellung, wo zwei Gebiete ausgesprochen verschiedener Erwärmungsfähigkeit durch die Sonnenstrahlen aneinandergrenzen, so z.B. an der Küste, an welcher tagsüber infolge der rascheren Erwärmung der über der Erdoberfläche befindlichen Luftschichten „Seewinde“, während der Nacht dagegen infolge der langsameren Abkühlung der Wasseroberfläche „Landwinde“ auftreten. Der Seewind ist durch den in Abb. 1a, der Landwind durch den in Abb. 1b dargestellten Kreislauf der Luft gegeben.

Jeder solche Kreislauf kann grundsätzlich durch das Rechteck Abb. 2a dargestellt werden, dessen Eckpunkte a, b, c und d mit den gleichnamigen Umkehrpunkten der Abb. 1 übereinstimmen. Ein solcher Kreislauf der Luft entspricht aber auch einem Kreisprozeß, welchem die Luftteilchen hierbei unterworfen werden.

Zur möglichst einfachen Behandlung des vorliegenden Kreisprozesses wird die vereinfachende, jedoch näherungsweise erfüllte Voraussetzung gemacht, daß sich der erwähnte Kreislauf abcd nach Abb. 2a in ein System von Isothermen t in der Weise einfüge, daß die Wegstrecken b→c = III und d→a = I parallel zu den Isothermen liegen. Es wird demnach die Annahme gemacht, daß alle Luftschichten, welche sich in gleicher Höhenlage über der Erdoberfläche befinden, gleiche Temperaturen aufweisen. Eine Bewegung der Luftteilchen von b nach c, von d nach a wird demnach als isothermische Zustandsänderung anzusehen sein. Erfolgt hierbei außerdem der Verlauf der Isobaren nach der Linienschar p der Abb. 2a, so liegt Punkt b in einem Gebiet kleineren Luftdruckes als Punkt c, Punkt d in einem Gebiet größeren Luftdruckes als Punkt a.

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Die Zustandsänderung I stellt sich demnach als isothermische Expansion, die Zustandsänderung III als isothermische Kompression dar. Die Periode a→b = II des Ansteigens der Luft und die Periode c→d = IV des Niedersinkens der Luft müssen nach dem Verlauf der Isobaren p als Expansion bzw. als Kompression angesehen werden. Da hierbei die Bahnen der Luftteilchen als orthogonale Trajektorien der Isothermen t in Erscheinung treten, müssen sie als Zustandsänderungen eingeschätzt werden, welche die stärkste Ab- bzw. Zunahme der