Text-Bild-Ansicht Band 334

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die auf Masten verlegt werden sollte, geplant, man entschloß sich jedoch schließlich, die Leitung unter Anwendung besonderer Vorkehrungen mit 1 m Deckung in der Erde zu verlegen. Es wurden für diesen Teil der Leitung Mannesmannrohre mit verlängertem Muffenhals gewählt. Die Bodenbewegungen an dieser Stelle waren manchmal so groß und traten so plötzlich auf, daß die Rohre bisweilen aus der 400 mm langen Muffe vollständig herausgezogen waren; trotzdem wurde die Gaszufuhr nach Altwasser kein einziges Mal länger als 3 bis 4 Stunden unterbrochen.

Seit Einführung des Koksofengases hat der Gasverbrauch in dem von der Zentrale Altwasser versorgten Gebiet eine Zunahme von mehr als 100 v. H. erfahren, trotzdem alle diese Ortschaften schon seit etwa 20 Jahren auch mit elektrischem Strom versorgt sind. Der Preis des Koksofengases beträgt je nach der Verwendung und der Menge des entnommenen Gases nur 4 bis 8 Pf. für 1 m3, wodurch auch zahlreiche Industrien in jener Gegend zur Gasfeuerung übergegangen sind. Der gesamte Gasverbrauch des Versorgungsgebiets hat infolgedessen eine erhebliche Steigerung erfahren und ist trotzdem noch sehr ausdehnungsfähig, denn das Koksofengas ist dazu berufen, nicht nur im Haushalt und Gewerbe, sondern auch in zahlreichen Betrieben der Industrie an die Stelle der Kohlenfeuerung zu treten. In Niederschlesien wird es bereits in Spinnereien und Webereien, in Maschinenfabriken, Buchdruckereien, Porzellan- und Glasfabriken, in Ziegeleien, einem Fernheizwerk zur Kesselfeuerung, im Brunnen- und Badebetrieb, in Bäckereien zum Heizen von Backöfen, in Fleischereien, Schneidereien und Plättanstalten als Kraft- und Heizmittel und schließlich auch in der Landwirtschaft zur Stallbeleuchtung, zur Heizung von Futterdämpfern und zum Betrieb von Gasmotoren benutzt. Die Koksofengasversorgung des ganzen Gebiets hat sich bisher ohne Störung vollzogen und hat sich namentlich auch während des Kriegs als vorteilhaft erwiesen, weil alle an die Fernleitung angeschlossenen Orte von der Kohlennot kaum etwas verspürten. (Journal f. Gasbeleuchtg., 60. Jahrg., S. 544–546.)

Die Aussichten der Verkokung der Kohle bei niedriger Temperatur1). Ueber die in England während des Krieges unternommenen Versuche zur Tieftemperaturdestillation der Steinkohle machte E. C. Evans in einem Vortrag vor der Society of Chemical Industry nähere Angaben. Er wies zunächst auf die älteren Versuche in dieser Richtung hin, namentlich auf das Coalite-Verfahren von Parker (1906), das zwar wirtschaftlich keinen Erfolg gehabt, aber doch das allgemeine Interesse auf dieses Problem gelenkt habe. Evans berichtete ausführlich über die neueren Verkokungsversuche und teilte Kostenberechnungen mit, aus denen hervorgeht, daß die der Tieftemperaturverkokung von interessierter Seite nachgerühmten Vorteile nur unter ganz besonders günstigen Bedingungen zu erzielen sind; dennoch sei diese Frage des eingehenden Studiums wert. Eine Apparatur, in der alle Kohlenarten diesem neuen Verfahren unterworfen werden könnten, sei noch nicht vorhanden, auch seien die Probleme der Tieftemperaturverkokung noch nicht völlig gelöst, doch dürfe man erwarten, daß durch ein eingehendes Studium der Kohlen, das in Angriff genommen werden solle, sowie auf Grund einer genauen Kenntnis der Verhältnisse in der Kokerei und durch einmütiges Zusammenarbeiten von Chemikern und Ingenieuren diese bedeutsamen Fragen einer erfolgreichen Lösung entgegengeführt werden könnten.

In der Besprechung, die diesem Vortrag folgte, wies Dr. Armstrong darauf hin, daß man der wissenschaftlichen Seite dieser Fragen bisher nicht genügende Beachtung geschenkt habe, auch müsse vor allem die wirtschaftliche Seite dieser Frage berücksichtigt werden, die bisher nicht sehr verlockend sei. Man dürfe es darum begrüßen, daß der neu gebildete „Rat für wissenschaftliche Forschung“ die Begründung eines Laboratoriums zum näheren Studium dieser sämtlichen Fragen in Aussicht genommen habe. Dr. Perkin betonte, daß die Fortschritte auf dem Gebiete der Tieftemperaturverkokung tatsächlich größer seien, als es nach dem Bericht von Evans den Anschein habe. In der Nähe von Nottingham erbaue die Regierung eine Anlage nach dem Del Monte - Verfahren, bei dem allerdings nur nichtbackende Kohlen verwendbar seien. Bei der Retorte von Tozer seien dagegen alle Kohlenarten zu gebrauchen, da hier im Vakuum gearbeitet werde. Ebenso sei in der letzten Zeit auch die Retorte von Pringle-Richards wesentlich verbessert worden und schließlich werde man unter Umständen auch die Retorte von Lamplough mit Erfolg verwenden können. Eine Verdrängung der alten Kokereien sei indessen nicht zu erwarten, da große Mengen von Benzolkohlenwasserstoffen benötigt würden, die man bei der Tieftemperaturdestillation der Kohle nicht gewinnen könne.

In seinem Schlußwort bemerkte Evans dann noch, daß die unangenehmen Eigenschaften des Tieftemperaturkokses, namentlich seine leichte Zerreiblichkeit, dem neuen Verfahren hindernd im Wege ständen, doch sei begründete Hoffnung vorhanden, daß die Eigenschaften des Kokses verbessert werden, was angeblich auch einigen Werken bereits gelungen sei. (Dokumente a. d. ehem. Ind. des Auslandes 1919, S. 49–50.)

Gasfernversorgung in Rheinland-Westfalen. Die umfangreiche Gasfernversorgung des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks, A.-G. in Essen, wurde während der Kriegsjahre 1914 bis 1917 von 155 auf 215 km ausgebaut. Abgesehen von anderen Anschlüssen wurde während des Krieges auch die Hochdruckleitung auf das linke Rheinufer geführt zur Versorgung der Stadt Neuß mit Koksofengas, und zwar wurde südlich von Düsseldorf der Gasrohrdüker durch den Rhein verlegt. Dies dürfte die erste vollständige Dükerung durch den Rhein sein, da bisher wohl auch im Ausland kaum irgendwo ein Düker für Gas oder Wasser durch den Rhein verlegt worden ist. Das Rohrmaterial besteht aus nahtlosen Stahlrohren von 300 mm lichter Weite, die mit Spezialdükermuffen versehen sind; es sind zwei Rohrstränge vorhanden. Die Baggerung, sowie die Montage und Versenkung der Rohre wurde durch die Firma Ph. Holzmann & Co., A.-G., ausgeführt, während die Stahlmuffenrohre von der Firma Thyssen & Co., Mülheim (Ruhr), geliefert wurden, die auch die Dichtungarbeiten bei der Verlegung des Dükers ausgeführt hat. Die Arbeiten wurden im Sommer 1915 begonnen, der linke Stromteil wurde 1916 und der rechte im Jahre 1917 verlegt. Im Januar 1918 konnte die Inbetriebnahme des Dükers erfolgen, und von jenem Zeitpunkte an wird die Stadt Neuß mit Ferngas versorgt.

Sander.

Wärmekraftmaschinen.

Abdampfheizung als Dampfersparnis bei der Fördermaschine. Die Fördermaschinen waren lange Zeit starke Wärmeverbraucher infolge ihrer wechselnden Belastung, der zahlreichen Betriebsunterbrechungen und der mit diesen verbundenen Abkühlung. Durch Einführung der Zwillingsmaschinen mit Auspuff gelang es, den Dampfverbrauch von 60 bis 100 kg für 1 Schacht-PS-Stunde auf 20 kg herabzusetzen, Die Zwillings-Tandemmaschinen

1)

Vgl. D. p. J., Bd. 334, S. 150.