Text-Bild-Ansicht Band 334

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Kleinere örtliche Schäden können bei Eisenbetonschiffen während der Fahrt behoben werden, größere Reparaturen sind schwieriger auszuführen als bei Eisenschiffen.

Ueber die Baukosten der Eisenbetonschiffe ist es schwer, zurzeit ausführlich zu berichten. Der Schiffsrumpf samt Ausrüstung wird für Seeschiffe in Eisenbeton etwa 80 v. H. der Kosten vom Eisenschiff betragen; bei Flußschiffen kann zunächst eine wesentliche Ersparnis nicht erzielt werden. Die Reparaturkosten werden die gleichen sein wie bei Eisenschiffen, die Abschreibungen etwas geringer, etwa 1 v. H. des Neubauwertes. Das Eisenbetonschiff wird in jenen Fällen bevorzugt werden, wo viel Raum erforderlich ist, wo es auf die Geschwindigkeit nicht ankommt und wo die Hafenabgaben gering sind; günstige Aussichten eröffnen sich für das Flußschiff in Eisenbeton.

A. Marx, Dipl.-Ing.

Elektrotechnik.

Kondensatoranfressungen. (Nach Dr. Michalke in Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. 63, 1919, S. 728.) Durch Anfressen von Kondensatorrohren, die von der Kühlflüssigkeit durchströmt werden, wird der Betrieb häufig gefährdet. Die Ursachen solcher Anfressungen, die ähnlich wie an Röhren in der Nähe elektrisch betriebener Straßenbahnen mit Stromrückleitung durch die Schienen Löcher erzeugen, sind noch nicht genügend geklärt. Unreinheiten des Metalles oder Verschiedenheit der verbundenen Metalle, Unreinheiten des Wassers, mitgerissene Luft oder Kohlensäure können den Lochfraß in den Röhren veranlassen oder begünstigen. Die verschiedenen Schutzmaßnahmen, wie Reinigung oder Entlüftung des Wassers, Vorsicht in der Auswahl des Rohrmetalles, haben je nach den Verhältnissen mehr oder weniger Erfolg. Vielfach wurde wirksam die Einführung elektrischer Ströme in die Rohrwandungen durch die Kühlflüssigkeit verwendet. Das einfachste Verfahren besteht darin, Metallplatten, die sich gegenüber dem Rohrmetalle elektropositiv verhalten, in die Kesselwandung einzuhängen. Die durch die Kühlflüssigkeit in die Rohre eintretenden Ströme geben Schutz gegen Anfressungen. Die Stärke der Schutzströme hängt im wesentlichen von dem Widerstände der Kühlflüssigkeit und der Höhe der elektrischen Spannung ab. Sie sind bei Verwendung der weniger gebräuchlichen Eisenplatten geringer als bei Zinkplatten. Die Schutzstromdichte, gemessen in Milliampere auf das Quadratdezimeter, ist bei diesem Verfahren beschränkt, da die Spannung nicht willkürlich erhöht werden kann. Ist eine größere Stromdichte wünschenswert, als sie durch Einhängen von Zinkplatten erreicht wird, so müssen Ströme von außen durch eine Gleichstromquelle eingeführt werden. Dies Verfahren wird gewöhnlich nach Cumberland benannt, der es zuerst beschrieben hat.

Textabbildung Bd. 334, S. 263

Der für den Schutz der Rohre erforderliche Strom wird gewöhnlich aus der gesamten Kühlfläche bestimmt. Dies gibt jedoch Ungenauigkeiten, da auf die Verschiedenheit der Stromdichte an den einzelnen., Stellen nicht Rücksicht genommen wird. Die Stromdichte nimmt nämlich nach innen ab wegen des auf dem Stromwege zunehmenden Widerstandes. Es ist dies um so mehr der Fall, je enger und länger die Rohre sind. Um beurteilen zu können, ob auch an den von den Einführungstellen entferntesten Rohrteilen die Stromdichte noch genügende Schutzhöhe hat, ist die Möglichkeit einer Nachrechnung erwünscht. Diese Rechnung ist auch erforderlich, um die Höhe der erforderlichen Maschinenspannung von vornherein bestimmen zu können, wenn die Abmessungen des Kondensators und die Leitfähigkeit der Kühlflüssigkeit bekannt ist.

Textabbildung Bd. 334, S. 263

Schematisch ist aus Abb. 1 der Stromverlauf für ein Rohr, in das nach dem Cumberland-Verfahren Strom geschickt wird, zu ersehen. Der von einer äußeren Stromquelle gelieferte Ström wird durch einen isolierten Durchführungsbolzen zu einer Elektrode geführt, von der der Strom in das Rohr tritt. Am Anfange des Rohres, wo der Strom in das Rohr eintritt, ist die Spannung zwischen Flüssigkeit und Rohr, demgemäß die Stromdichte am größten, die nach innen zu abnimmt. Die Werte können rechnerisch verfolgt werden. Das Verhältnis der größten zur kleinsten Stromdichte ist angenähert

, wenn W der Widerstand der Kühlflüssigkeit in der ganzen Rohrlänge, w der Uebergangswiderstand von der Kühlflüssigkeit zum Rohr ist.

Ist die Leitfähigkeit des Kühlwassers nicht groß, so ist mit kleinen Spannungen nicht viel auszurichten, um ausreichende Stromdichte zu erhalten. Nimmt man für die Ausstrahlungsplatten Zink, wie zuweilen geschieht, wobei also die wirksame Spannung nicht erhöht werden kann, so ist nur bei guter Leitfähigkeit der Kühlflüssigkeit oder weiten und kurzen Rohren ausreichender Schutz zu erreichen.

Nach Versuchen, die auf dem untergegangenen Kreuzer „Cöln“ mit von außen zugeführten Strömen gemacht wurden, wobei der Strom von beiden Seiten in die Rohre eingeführt wurde, ergaben sich die aus Abb. 2 ersichtlichen Schaulinien. Die Stromdichte an der Rohrwand nimmt hiernach von rund 0,1 Milliampere/dm2 in der Mitte des Rohres bis auf etwa 0,28 Milliampere/dm2 nach den beiden Rohrenden zu. Das genaue Verhältnis des größten zum kleinsten Werte beträgt 2,08. Die Spannung zwischen Rohr und Flüssigkeit, der Stromdichte proportional, steigt von 3 bis 8 Volt, die Spannung in der Kühlflüssigkeit von der Mitte nach den Enden beträgt 5 Volt. Der gesamte ins Rohr eingeführte Strom beträgt 1,2 Milliampere.

Sind selbst bei einer Außenspannung von 8 Volt die Stromdichten an der Rohrwandung so gering, so ist anzunehmen, daß umgekehrt die Dichten, die durch