Text-Bild-Ansicht Band 334

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in dieser Hinsicht nicht so groß ist, als daß dadurch seine sonstigen Mängel aufgehoben würden. Aehnlich sind die Verhältnisse für die Temperaturen von 900 und 1000° bei der zweiten Skala. Die Abweichungen der vollen Skala liegen zwischen 18 und 27°, so daß man hier wohl innerhalb der Fehlergrenze mit einem konstanten Mittelwert von 24° rechnen kann. Stellt man sie indessen graphisch dar (s. Abb. 1), so ergibt sich eine wellenförmige Kurve, die man angenähert durch die schräge (gestrichelte) Grade ersetzen kann. Die hiernach ausgeglichenen Korrektionen sind in Tab. 1 in Spalte 3 angegeben. Eine größere Zahl von Beobachtungen, auf deren Wiedergabe verzichtet ist, beweist indessen, daß der wellenförmige Verlauf der Korrektionen nicht nur durch die Beobachtungsfehler bedingt, sondern reell ist. Soweit die volle und die abgeblendete Skala miteinander zu vergleichen ist, zeigt sich zwischen beiden ein konstanter Unterschied von 5 bis 6°.

Textabbildung Bd. 334, S. 273

Nachdem das Féry-Pyrometer längere Zeit benutzt und auch der Spiegel verschiedentlich wieder gereinigt war, wurden seine Korrektionen von neuem bestimmt. Da sich inzwischen herausgestellt hatte, daß durch die Absorption von Kohlensäure die angezeigten Temperaturen erniedrigt werden (selbst bei starker Konzentration kann der dadurch hervorgebrachte Fehler, wie aus Tab. 9 (s. später) hervorgeht, allerdings nur etwa 10° betragen), so wurde diesmal, um gänzlich frei hiervon zu sein, ein Heraeus-Ofen mit Platinwicklung von etwa 40 cm Länge und 25 mm benutzt. Als schwarzer Körper diente in diesem Falle ein von hinten zur Aufnahme des Thermoelementes angebohrter Chamottezylinder, dessen Vorderseite mit chinesischer Tusche geschwärzt war. Im übrigen erfolgten die Beobachtungen genau in derselben Weise wie früher. Wie aus Tab. 3 folgt, steigen die Korrektionen mit der Temperatur an. Die Unterschiede der beiden Skalen betragen diesmal etwa 4° gegeneinander.

Tabelle 3.

Korrektion des Féry-Pyrometers (2. Eichung) Ofen wagerecht.


Volle Skala

Abgeblendete Skala

Ausgeglich.
Werte
(Volle
Skala)
102.
Temp. Korr. Temp. Korr. Diff. Temp. Korr. Korr./Temp.
478 + 22 400 + 17 4,3
573 + 27 500 + 22 4,4
660 + 40 600 + 28 4,7
768 + 32 700 + 33 4,7
862 + 38 800 + 38 4,8
952 + 48 948 + 52 + 4 900 + 43 4,8
1048 + 52 1048 + 52 0 1000 + 49 4,9
1153 + 47 1144 + 56 + 9 1100 +54 4,9
Mittel + 4 1200 +59 4,9
Mittel 4,7

Die gefundenen Werte sind in Abb. 2 eingetragen und aus dieser die Korrektionen für die von 100° zu 100° fortschreitenden Temperaturen des Féry-Pyrometers bestimmt; diese sind in der vorletzten Spalte in Tab. 3 mitgeteilt. Berechnet man das Verhältnis Korr./Temp. (s. letzte Spalte), so ergibt sich dafür ein mit wachsender Temperatur ansteigender Wert, der im Mittel 4,7 • 10–2 beträgt. Wie aus dem Vergleich mit Tab. 2 folgt, haben sich die Korrektionen vollständig geändert, was zum Teil auf die Verschlechterung des Spiegels, zum andern Teil aber auch auf die andere Strahlungsquelle zurückzuführen ist. Der Silitrohrofen glühte bei der hohen Temperatur in seiner ganzen Länge, wenn auch selbstverständlich mit von der Mitte nach außen abnehmender Intensität. Bei dem Platinofen fiel sie dagegen nach dem Rohrende hin wesentlich schneller ab. Bei der starken Empfindlichkeit des Féry-Pyrometers gegen falsche Strahlung sind die in den beiden Fällen beobachteten Unterschiede demnach leicht erklärlich. Für die Praxis ergibt sich daraus die Folgerung, die Eichung des Instrumentes möglichst an dem zu messenden Ofen (am besten durch Vergleich mit einem optischen Pyrometer) vorzunehmen, und zwar sowohl für die volle wie auch für die abgeblendete Skala, sowie diese von Zeit zu Zeit zu wiederholen. Letzteres gilt auch für den Fall, daß es sich nicht um Absolut-, sondern nur um Vergleichungsmessungen handelt. Die Vermutung, daß die früheren Beobachtungen durch die Kohlensäureentwicklung des Kohlestückes in dem Silitrohrofen gefälscht sind, kann leicht widerlegt werden: gerade bei den höheren Temperaturen hätte sich die größte Menge von Kohlendioxyd im Ofen bilden und demnach hätte auch bei diesen eine höhere Korrektion auftreten müssen, als bei dem vollständig kohlensäurefreien Platinofen; tatsächlich wurde gerade das Gegenteil beobachtet.

Tabelle 4.

Korrektion des Féry-Pyrometers (2. Eichung); Ofen senkrecht.


Volle Skala

Abgeblendete
Skala

Ausgeglichene
Werte
(Volle
Skala)
102
Temp. Korr. Temp. Korr. Diff. Temp. Korr. Korr./Temp.
371 + 29 400 + 32 8,0
557 + 43 600 + 45 7,5
744 + 56 800 + 59 7,4
982 + 68 947 + 53 – 15 1000 + 72 7,2
1135 + 65 1120 + 80 + 15 1200 + 85 7,1
Mittel 7,4
Textabbildung Bd. 334, S. 273

Bei den bisherigen Beobachtungen hatten Ofen und Pyrometer wagerecht gestanden. Vielfach, z.B. bei den Beobachtungen am Schmelzofen, wird es sich aber nicht vermeiden lassen, das Pyrometer von oben darauf zu richten. Es wurde deshalb weiterhin untersucht, wie sich seine Korrektionen hierbei gestalten. Auch in diesen