Text-Bild-Ansicht Band 334

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fläche abgibt. Für gute Entlüftung des Dampfes und schnelle Ableitung des Dampfwassers muß gesorgt werden, damit dessen Ansammlung nicht die nutzbare Heizfläche verkleinert. Für die Wärmeabgabe gilt die Beziehung

. Hierin ist k die Wärmedurchgangszahl in kcal/st bezogen auf 1 m2 Heizfläche bei 1° Temperaturunterschied, α1 die Wärmeübergangzahl zwischen kondensierendem Wasserdampfe und Heizfläche, δ die Wanddicke der Heizfläche in m, λ die Wärmeleitungzahl der Heizwand, α2 die Wärmeübergangzahl zwischen Heizwand und Flüssigkeit. Der Wert der letzten Zahl schwankt zwischen 2000 und 6000. Dies ist ein so großer Spielraum, daß die Berechnung der Heizfläche recht unsicher wird. Nun setzt man bekanntlich für strömende Flüssigkeiten
, wo v die Geschwindigkeit des Pfanneninhaltes in m/sek gegenüber dem Heizkörper ist. Sie läßt sich naturgemäß außerordentlich schwer bestimmen. Es dürfte daher Beachtung verdienen, daß Dipl.-Ing. Fehrmann in Heft 40 der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure eine Abhängigkeit der Wärmeübergangzahl α2 von dem Eintrittsüberdruck p des Dampfes feststellt. Er gelangte zu Ergebnissen, die durch Versuche hinreichend bestätigt werden, wenn er
setzt.

Schmolke.

Wirtschaft.

Die 59. Hauptversammlung des Vereines deutscher Ingenieure am 27. Oktober wurde von seinem Vorsitzenden, Generaldirektor Reinhardt-Dortmund, eröffnet.

An dem unglücklichen Ausgang des Krieges, so führte er aus, sei mit Schuld, daß wir einerseits außer der militärischen und wirtschaftlichen Kraft auch die Technik unserer Gegner unterschätzt haben und daß andererseits unserer Technik daheim nicht die genügende Wertschätzung entgegengebracht worden sei, um sie zur vollen Wirkung kommen zu lassen. Eine weitere Ursache sei, daß der Mammonismus und Materialismus, die sich schon vor Beginn des Krieges breit zu machen begonnen hatten, im Kriege vielfach zu nackter Selbstsucht ausgewachsen seien. Einen Rest von Idealismus habe sich das gebildete Beamtentum bewahrt, dem auch die Mehrzahl der Mitglieder des Vereines deutscher Ingenieure angehören. Ihre Aufgabe sei es, diesen alten Idealismus wieder zu Ehren zu bringen und uns zu dem heilenden Gedanken zurückzuführen, daß die Arbeit an sich ein Zweck des Lebens sei und erst in zweiter Linie der Lohn und der damit verträgliche materielle Genuß des Lebens stehen. Dieser Aufgabe müssen die technischen Kreise umsomehr nachgehen, als man in den letzten Jahren erkannt habe, welche gewaltige Bedeutung der Technik im öffentlichen Leben zukomme. Daraus entstehe weiter die Pflicht, sich der Betätigung im öffentlichen Leben noch mehr als bisher zu widmen. Der Redner betonte, daß hier der Notwendigkeit auch Schwierigkeiten in der Auswahl der geeigneten Persönlichkeiten gegenüberstehen, und führte im Zusammenhang damit einige bemerkenswerte Gedanken über technisches, kaufmännisches und juristisches Denken aus, indem er jeder Art ihre Berechtigung zusprach. Er wies dann kurz auf die Aufgaben hin, die in Zukunft für die Erziehung der Ingenieure bestehen und erhob als Vorbedingung für eine gedeihliche Gestaltung unserer Ungewissen, Zukunft die Forderung, daß die wirtschaftlichen Gegensätze innerhalb unseres Volkes auf eine vernünftige und würdige Weise zum Ausgleich gebracht werden müßten.

Die Reihe der Vorträge eröffnete Staatssekretär a. D. Pr. August Müller, der über das Thema sprach: „Durch welche Mittel muß die deutsche Industrie der Veränderung ihrer Produktionsbedingungen Rechnung tragen?“

Darauf hielt Geh. Reg.-Rat Prof. Dr.-Ing. Walter Reichel einen Vortrag über „Die vorläufigen Grenzen im Elektromaschinenbau“.

Sozialisierung der Elektrizitätswirtschaft. Der Regierungsentwurf des Gesetzes betr. Sozialisierung der Elektrizitätswirtschaft wird der Lösung der Aufgabe in keiner Weise gerecht. Er ist keine Sozialisierung. Statt zusammenzufassen, bricht er aus dem Gefüge unter rein fiskalischen Gesichtspunkten einzelne Steine zugunsten des Reiches heraus und verkennt, indem er den maßgebenden Einfluß einer bürokratischen Reichsstelle zuleitet, die ungeheuren technischen und kaufmännischen Aufgaben, die restlos nur durch Einspannung aller sachlichen und persönlichen Energien in den Dienst der Allgemeinheit gelöst werden können.

Zur Kennzeichnung der Mängel des Entwurfes und als Anregung zur Verbesserung sind deshalb von den zuständigen Vereinen und Verbänden folgende Sätze aufgestellt worden:

1. Der Einteilung des Reiches in Bezirke nach Elektrizitätswirtschaftsgebieten wird zugestimmt. Es ist jedoch notwendig, daß für diese Bezirke Selbstverwaltungskörper gebildet werden, welche die Elektrizitätserzeugung innerhalb ihres Gebietes nach einheitlichen Grundsätzen regeln.

Die in dem Gesetzentwurfe vorgesehenen Organisationen entsprechen nicht dieser Forderung, namentlich fehlen Bestimmungen über die Art und den Ausbau dieser Organisationen sowie über die Rechte, die ihnen zur Durchführung ihrer Aufgaben verliehen werden müssen und über die Beteiligung des Reiches. Der Hinweis auf ein später zu erlassendes Gesetz (§ 1 letzter Absatz) ist unzureichend, da gerade diese Bestimmungen den wesentlichen Inhalt des Gesetzes ausmachen werden.

Der Grundsatz der Selbstverwaltung der Bezirksorganisationen muß klar zum Ausdruck gebracht werden. Es ist auszuschließen, daß durch die Reichsbeteiligung eine Zentralisierung der Entscheidungen in Angelegenheiten der Bezirksorganisationen erfolgt.

Die in § 1 vorgesehenen Bezirksorganisationen bieten keine Gewähr für den Ausschluß zentralistischer Bürokratisierung, sofern das Reich die in den §§ 2 bis 7 festgesetzten Rechte erhält.

2. Als wesentlicher Mangel des Entwurfes ist das Fehlen jeglicher Bestimmung über die Finanzwirtschaft anzusehen. Es muß gefordert werden, daß mit der Elektrizitätswirtschaft gleichzeitig ihre Finanzwirtschaft im Sinne eines in sich geschlossenen Unternehmens geregelt wird. Es ist zweckwidrig, die Finanzgrundlage für die Elektrizitätswirtschaft mit dem Schicksal der öffentlichen Finanzen zu verbinden. Deshalb wird vorgeschlagen, für die Zwecke dieses Gesetzes eine unter Reichsaufsicht stehende Finanzgesellschaft zu bilden und dieser die Beschaffung der erforderlichen Mittel zu übertragen. Die Begebung von Anleihen für ein solches Institut auch im Auslande würde keine Schwierigkeiten bereiten. Auf diese Weise würden auch Gefahren vermieden, die ein starker unmittelbarer Besitz des Reiches an greifbaren Werten mit sich bringen könnte.

3. Um die Einheitlichkeit der Elektrizitätswirtschaft zu gewährleisten, empfiehlt sich die Einrichtung einer Zentralstelle, von der die allgemeinen Grundsätze für die Elektrizitätsversorgung ausgehen. Die Bürokratisierung ist dadurch auszuschalten, daß ein Sachverständigenausschuß gebildet wird, wie er auch im Kohlengesetz vorgesehen ist, dessen Mitglieder überwiegend aus den in der Elektrizitätswirtschaft praktisch erfahrenen Kreisen