Text-Bild-Ansicht Band 334

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schlossenes Rohr mitgegeben. Blickt man durch dieses, so muß die anvisierte leuchtende Fläche des Ofens größer als die Vorderfläche des Rohres erscheinen. Man bringt darauf die vordere Oeffnung des Pyrometers an die Stelle des Rohres und visiert durch eine in seinem Kopfe vorgesehene Oeffnung, um es in die Strahlrichtung zu bringen.

Die Bestimmung der Korrektionen erfolgten bei dem Braunschen Pyrometer gleichfalls mit dem zuletzt benutzten Platinofen, und zwar zunächst bei wagerechter Ofen- und Instrumentenstellung. Zu beachten ist hierbei noch, daß stets die beiden Rohre des Pyrometers neben -und nicht übereinander liegen müssen. Da es aber eine wesentlich größere Ofenöffnung erfordert, mußte man mit dem Instrument unmittelbar an den Ofen herangehen und das als schwarzen Körper wirkende Chamottestück auch noch aus der Ofenmitte nach vorn schieben. Es blieb dann zwischen beiden nur eine Entfernung von etwa 16 cm bei 45 mm Durchmesser des Chamottezylinders. Der Ofen wurde auf eine Reihe von Temperaturen gebracht, hier eine genügende Zeit konstant gehalten und das Pyrometer zunächst bei abfallenden und darauf auch bei ansteigenden Temperaturen beobachtet. Im Mittel ergibt sich, wie aus Tabelle 12 hervorgeht, hierbei eine Korrektion von + 25°, die allerdings zwischen 16° und 39° im einzelnen schwankt. Die Differenzen sind auf kleine, bei der Messung unvermeidliche Störungen (z.B. Zugluft u.a.) zurückzuführen, die eine Aenderung der Temperaturgleichheit zwischen den vier Widerständen (bei geschlossenem Rohr) und damit eine Wanderung des Galvanometer-Nullpunktes verursachen. Hierin liegt, wie bei allen Bolometern überhaupt, eine starke Fehlerquelle des Braunschen Pyrometers.

Das Pyrometer wurde dann gleichfalls bei senkrecht stehendem Ofen geeicht (s. Tabelle 12). Hierbei ist zu beachten, daß man den Nullpunkt von neuem einstellen muß, da sich dieser bei Bewegung des Pyrometers aus der wagerechten in die senkrechte Lage stark ändert. In diesem Falle ergab sich eine mittlere Korrektion von – 14°, deren Einzelwerte zwischen + 17 und – 32° schwankten. Bei der senkrechten Stellung machen sich also die erwähnten Störungen noch stärker bemerkbar.

Tabelle 12.

Korrektionen des Braunschen Pyrometers.


Th.-El.
Temp.
Pyrometer
wagerecht

Mittel
Pyrometer
senkrecht

Mittel
Temp. Korr. Temp. Korr.
1000 978 + 22 + 23 1023 – 27 – 30
900
800 784 + 16 + 21 783 + 17 – 5
700 673 + 27
600 567 + 33 + 28 602 – 2 – 7
500 461 + 39
400 (431 – 31 – 31)
500
600 577 + 23 612 – 12
700
800 774 + 26 826 – 26
900
1000 977 +23 1032 – 32
M. + 26 + 24 – 16 – 14

Der Einfluß des Zwischenmediums wurde bei einem Ofen mit größerer Oeffnung untersucht, bei welchem man mit dem Pyrometer weiter abgehen konnte. Leider ließ sich dieselbe nur innerhalb eines engen Temperaturbereiches (790 bis 840°) durchführen. Sie ergab sich bei Wasserdampf bei 800° zu etwa 30°, bei Kohlensäure zu 8°. Die letzte stimmt mit dem Einfluß der Kohlensäure, wie er beim Féry-Pyrometer beobachtet wurde, vollkommen überein. Erstere ist etwas geringer, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß hier ein geringerer Luftraum zwischen Ofen und Pyrometer vorhanden war, so daß der Wasserdampf sich auch nur in einer weniger ausgedehnten Schicht ausbreiten konnte.

Schließlich wurde ähnlich wie bei dem Féry-Pyrometer auch bei dem Braunschen Instrument noch untersucht, wie weit seine Skala dem Gesetz entspricht, daß der Ausschlag proportional der vierten Potenz der Temperatur sein sollte. Es wurde hierzu das Galvanometer mit einem sehr empfindlichen Instrument mit bekanntem Reduktionsfaktor hintereinander geschaltet und (ähnlich wie früher) die den Temperaturen 523, 623 . . . entsprechenden Stromstärken beobachtet. Wie man aus Tabelle 14 ersieht, ist im Mittel das Verhältnis i/T4 = 0,1225 • 10–16 und sehr gut konstant.

Tabelle 13.

Einfluß des Zwischenmediums auf das Braunsche Pyrometer.


Temperatur
Verringerung durch
Wasserdampf Kohlensäure
788 36
790 30 10
840 25 5
Mittel 30 8

Ein Einfluß der Bestäubung ist bei dem Braunschen Pyrometer weniger leicht zu befürchten, da sich bei diesem der temperaturempfindliche Teil am Ende eines langen, dünnen Rohres befindet (es besitzt eine Länge von 35 cm bei nur 22 mm Durchmesser gegenüber einer Länge von nur 15 cm und einen Durchmesser von 70 mm beim Féry-Pyrometer). Außerdem kommt es beim Braun sehen Pyrometer auch nicht auf das Reflexionsvermögen an, sondern nur auf das Absorptionsvermögen, das durch eine schwache Staubschicht nicht wesentlich geändert wird. Daß diese etwa auf der Drahtspirale festbrennt und dadurch ihre Strahlungseigenschaften ändert, ist bei den geringen, in Frage kommenden Temperaturerhöhungen gleichfalls nicht zu befürchten.

Tabelle 14.

Skalen des Féry- und Braunschen Pyrometers.


Temp.
Abs.
Temp. T
Féry-Pyrometer Braunsches
106 • E 1016 • E/T4 106 • i 1016 • i/T4
527 800 270 6,59 5,27 0,128
627 900 410 6,25 7,94 121
727 1000 660 6,60 12,55 126
827 1100 970 6,50 17,71 121
927 1200 1370 6,02 25,10 121
1027 1300 1920 6,74 34,90 122
1127 1400 2500 6,51 46,40 121
1227 1500 3260 6,45 60,80 120
Mittel 6,53 0,1225

Auf einen Punkt muß aber noch hingewiesen werden. Neben der schon früher erwähnten Kontrolle und Nachregulierung auf konstante Spannung der den Meßstrom liefernden Batterie muß noch der Nullpunkt von Zeit zu Zeit kontrolliert werden. Unbedingt notwendig ist dies nach jedem Transport des Instrumentes oder wenn es gar abwechselnd in wagerechter oder senkrechter Lage benutzt wird, zumal das Instrument außerordentlich empfindlich gegen Neigungen ist. Kippt man das geschlossene Instrument aus der wagerechten Lage um etwa 45°, so geht der Galvanometerzeiger entweder über den Nullpunkt der Skala hinaus bis zum Anschlag oder schlägt nach der andern Seite bis zu Temperaturen von 200 bis