Text-Bild-Ansicht Band 334

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250° aus. Dreht man es nach oben oder unten in die senkrechte Stellung, so geht der Zeiger beide Male über den Nullpunkt hinaus. Bei Drehung um 180°, so daß das Instrument wieder wagerecht steht und nur nach der entgegengesetzten Seite zeigt, ergab sich gleichfalls ein Ausschlag von +250°, während nach einer vollständigen Drehung um 360° der Zeiger wieder auf den Nullpunkt zurückkehrte.

Geht man umgekehrt von der senkrechten Stellung aus und hat man bei dieser den Nullpunkt richtig eingestellt, so ergibt sich bei Neigung um 45° (bei welchem die beiden Rohre nebeneinander liegen) ein Ausschlag, der einer Temperatur von 650° entspricht. In den beiden wagerechten Stellungen zeigt es gleichfalls 650°, bei nach unten gerichteter senkrechter Stellung dagegen 470° an, während der Zeiger bei völliger Drehung um 360° wieder auf den Nullpunkt zurückkehrt.

Dreht man das Pyrometer schließlich von der senkrechten Stellung aus, aber so, daß die beiden Rohre übereinander zu liegen kommen, so erhält man bei schräger Lage sogar Ausschläge bis zu etwa 1000°, bzw. gehen sie über den Nullpunkt hinaus, während sie bei der Drehung um 90° 1200° betragen und bei solchen um 180° und 270° auf der andern Seite über den Nullpunkt hinaus erfolgen.

Dreht man schließlich das wagerechte Pyrometer aus der Ausgangsstellung, bei welcher beide Rohre nebeneinander liegen, um eine zu ihm parallele Achse, so erhält man gleichfalls Ausschläge bei Drehung um 45° bis 850, und bei Drehung um 90° bis zu etwa 1150°, falls der Ausschlag nicht nach der andern Seite erfolgt. Auch hier kehrt nach einer vollständigen Drehung (wie auch in den vorher besprochenen Fällen) der Zeiger wieder auf den Nullpunkt zurück. Das Instrument muß also sorgsam gegen Neigungen geschützt und der Nullpunkt jedesmal vor dem Gebrauch von neuem eingestellt werden.

Da die Lage des Nullpunktes somit sehr von der Stellung des Pyrometers abhängt, und sieh selbst bei Drehung von 180° stark ändert, so werden auch die Korrektionen des Pyrometers hiervon abhängen (wie ja auch schon aus dem Vergleich der bei wagerechtem und senkrechtem Ofen ermittelten hervorgeht). Bei transportablen Instrumenten wird man sich deshalb mit mittleren Korrektionen begnügen müssen, während man bei fest aufgebauten sie am besten wieder an Ort und Stelle durch Vergleich mit einem geeichten optischen Pyrometer bestimmt.

4. Zusammenfassung.

Der Hauptvorteil der Strahlungs- gegenüber den optischen Pyrometern liegt darin, daß sie Registrierung der Temperatur und Fernbeobachtung zulassen und nach einer einmaligen Aufstellung keiner subjektiven Einstellung (etwa auf gleiche Intensitäten) bedürfen. Von geringerer Bedeutung ist dagegen die Erweiterung des Meßbereiches zu den tiefen Temperaturen hin, da diese bei den bisher ausgeführten Konstruktionen nur etwa 100 bis 150° beträgt.

Diesen Vorteilen stehen nun aber eine Reihe von Nachteilen gegenüber, die für die beiden benutzten Instrumente getrennt besprochen werden müssen.

Beim Féry-Pyrometer liegt die gefährlichste Fehlerquelle in der Aenderung des Reflexionsvermögens des Spiegels, die von Verschmutzung oder Beschädigung (Zerkratzen bei der Reinigung u.a.) herrühren kann. Das Instrument muß also des öfteren gereinigt und von Zeit zu Zeit einer Neueichung unterzogen werden.

Bei absoluten Messungen ist ferner auf die Absorption des Zwischenmediums zu achten, die namentlich bei Wasserdampf größere Beträge annehmen kann.

Da das Instrument besonders bei geringem Abstand vom Ofen nicht nur von der Strahlung des anvisierten Stückes, sondern auch von falscher Strahlung von den Ofenwänden her getroffen wird, so wird es am besten an seinem Gebrauchsorte geeicht werden.

Weiterhin ist darauf zu achten, daß es so lange an seinem Gebrauchsorte verbleibt, bis das ganze Instrument auf gleichmäßige Temperatur erwärmt ist, damit nicht Temperaturdifferenzen zwischen der warmen und der kalten Lötstelle seines Thermoelementes auftreten.

Sein Gebrauch verbietet sich schließlich an all den Stellen, wo aus irgend welchem Grunde kein genügend großes Schauloch angebracht werden kann.

Das Braunsche Pyrometer hat gegenüber dem Féryschen den Vorteil, daß es keine optisch abbildenden Teile enthält und somit von den Aenderungen, welche bei diesem die Hauptfehlerquelle bilden können, frei ist.

Demgegenüber stehen aber eine Reihe von Nachteilen, die von der Benutzung des Bolometers als Strahlungsempfänger herrühren. Es sind dies einmal die Abhängigkeit des Ausschlages (und damit der Temperaturangabe) von der Spannung der Meßbatterie, die im praktischen Betriebe in der Hand ungeübter Arbeiter schwere Fehler verursachen kann, wodurch ein Hauptvorteil der Strahlungspyrometer, die objektive Einstellung an der Meßskala, zum großen Teil illusorisch wird.

Ferner die Nullpunktschwankungen, wie sie bei jedem Bolometer durch ungleichmäßige Beeinflussung der vier Widerstände der Wheatstoneschen Brückenschaltung durch temperaturerhöhende und -erniedrigende Umstände verursacht werden, und die niemals ganz zu vermeiden sind.

Deshalb muß bei dem Instrument vor jeder Beobachtung und unbedingt nach jedem Transport der Nullpunkt von neuem eingestellt und auch darauf geachtet werden, daß es in der ihm einmal gegebenen Stellung verharrt.

Von dem Zwischenmedium hängen die Angaben des Braunschen Pyrometers naturgemäß in ähnlicher Weise wie die des Féryschen Pyrometers ab.

Gegenüber diesem besitzt es noch den Nachteil, daß es einer wesentlich größeren Oeffnung bedarf, so daß seine Verwendungsmöglichkeit dadurch bis zu einem gewissen Grade beschränkt wird.

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Fabrikorganisation und Werkstattstechnik.

Umstellung auf Friedensindustrie. Das Reichswerk in Spandau hat ein mit Preisen von 10000, 5000, 3000 und 2000 M ausgestattetes Preisausschreiben erlassen für vollständig durchgearbeitete Vorschläge für die Aufnahme neuer Fertigungsgebiete.

Arbeitsverhältnisse im Kohlenbergbau. Auf der Hauptversammlung der Harpener Bergbau A.-G. in Dortmund machte der Generaldirektor, Bergrat Klein, sehr interessante Mitteilungen über die Arbeitsverhältnisse im Bergbau. Im November 1918 begann ein besonders starker Rückgang in der Förderleistung, der bis zum April 1919 andauerte. Der große Streik im April brachte bei der Harpener Gesellschaft einen Ausfall an Förderung von 227000 t, er bedeutete für die Arbeiterschaft einen Lohnausfall von rund 5 Mill. M, für die Gesellschaft