Text-Bild-Ansicht Band 325

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250 Mark für den Morgen Torfmoor angemessener Mächtigkeit und der Annahme von ausreichenden, nicht zu teuren Arbeitskräften zu folgendem Ergebnis:

Tägliche Produktion 100 t Briketts
Mark
Wert des Torfes im Lager 62,00
Lohn für Ausholen des Torfes mit Maschinen 24,00
Lohn für Transport desselben in die Fabrik. 25,00
Arbeitslohn in der Fabrik 205,00
Abnutzung und Unterhaltung der Maschinen 246,00
Verwaltung und diverse Ausgaben 123,00
–––––––
Sa. 685,00.

Also Kosten f. d. t Briketts = 6,85 M.2)

Betrachtet man den hohen Brennstoffverbrauch bei dieser Fabrikation, so ist die Frage einer Gewinnung von Nebenprodukten aus diesem Brennstoff naheliegend, um die aufgewandten Kosten etwas zu ersetzen. Da bei der Erzeugung von Steinkohlengas der Stickstoff in Gestalt von Ammoniumsulfat wiedergewonnen wird, womit gute Preise bei stetig wachsender Nachfrage erzielt werden, und da Torf mehr Stickstoffe als Steinkohle enthält, ist diese Nebenproduktion bei dem Naßverkohlungs-Verfahren ebenfalls vorteilhaft anzuwenden. Frank stellte kürzlich fest, daß in Solingen (Westfalen) 77–83 v. H. des Stickstoffs aus dem Torfe wiedergewonnen werden, und daß noch Torf mit einem Gehalt von 2 kg Wasser auf 1 kg Torf Substanz gut vergast werden kann. Der englische Forscher Rigby vergaste Torf mit 2 v. H. Stickstoffgehalt, einem Heizwerte von 5600 Kalorien und 50 v. H. Wassergehalt in einem Generator von Crossley Brothers und erhielt aus einer t Torf:

Gas (reduziert auf 760 mm und 0° C) 2800 cbm
Heizwert desselben 1400 Kal. f. d. cbm
Teer 50 kg
Essigsaurer Kalk 4 kg
Ammoniumsulfat 75 kg

Dr. Ekenberg sandte bei 180° C naßverkohlten Torf an die Londoner Kraftgasgesellschaft zur Analyse und Versuchen im Gasgenerator, die folgendes Ergebnis hatten:

Erzeugtes Gas f. d. t (reduziert auf 760 mm und 0° C) 2830 cbm
Heizwert desselben 1428 Kal. f. d. cbm
Teer 4,2 %
Ammoniumsulfat 4,3 %
Wiedergewonn. Stickstoff i. Verhältn. 79 %
Stickstoffgehalt d. naßverkohlt. Torfes 1,18 %
Heizwert des Torfes 6110 Kalorien.

Torf enthält immer Stickstoffe, dessen Gehalt zwischen 0,6 und 2,8 v. H. schwankt und im Mittel 1,1 bis 1,5 v. H. beträgt. Im Laboratorium Dr. Ekenbergs wurden eine große Zahl Torfproben aus Irland, Schottland, England, Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Rußland, Schweden, Italien, Brasilien, Argentinien, den Falklandsinseln und der Schweiz untersucht, und jeder reife Torf enthielt wenigstens 1 v. H. Stickstoff. Je reifer und verwester der Torf ist, um so höher ist der Stickstoffgehalt. Ein völlig verwester russischer Torf mit 11 v. H. Aschengehalt enthielt 3,1 v. H. Stickstoff und mehrere irische und englische Torfproben ergaben 2,7 und 2,8 v. H. Stickstoff geh alt. Wenn aus dem bei dem Verfahren angewandten Brennstoff der Stickstoff wiedergewonnen werden soll, wird sich der Brennstoffverbrauch beträchtlich erhöhen, von 37 auf ungefähr 45 v. H., aber das erzeugte Ammoniumsulfat übersteigt an Wert den verbrauchten Brennstoff. Nehmen wir eine Ausbeute an Sulfat von 4 v. H. an, so hat dies bei 100 t vergastem Torf einen Marktwert von 800 M. Bei jetzt arbeitenden Anlagen mit Gaserzeugern und Ammoniumwiedergewinnung belaufen sich die Kosten für Schwefelsäure, Arbeitslöhne und sonstige Ausgaben auf ungefähr 300 M für 100 t vergasten Brennstoff, so daß sich also ein Ueberschuß von 500 M oder 5 M für die t herausstellt, wobei der Wert des erzeugten Gases und Teers noch nicht in Rechnung gestellt ist. Wenn man die Kosten der Brikettierung bei Annahme von Vergasung des Torfes zu Kraftzwecken und Wiedergewinnung des Ammoniums berechnet, so stellen sie sich auf ungefähr 4 M für die t Briketts. Zu diesem Preise kann der Brennstoff in die Eisen- und Stahlindustrie eingeführt werden, wo sich ihm ein sehr großes Absatzgebiet öffnen würde.

(Schluß folgt.)

Polytechnische Rundschau.

Dampfturbine mit Spaltexpansion.

Die Wirkungsweise der Dampfturbinen beruht auf der Bewegungsübertragung eines strömenden Dampfstrahles auf einen beweglichen Körper. Für die Größe der Arbeitsabgabe kommt theoretisch nur die Geschwindigkeit des ein- und austretenden Dampfes und die Geschwindigkeit des bewegten Körpers in Betracht, nicht aber die innere Einrichtung des Körpers, d.h. der Turbine. Letztere ist nur insofern von Einfluß, als je nach der Ausführung das Durchströmen mit mehr oder weniger Verlust vor sich geht.

Es ist bekannt und rechnerisch festgelegt, welche Geschwindigkeit ein Dampfstrahl beim Ausströmen unter bestimmten Druckverhältnissen annimmt. Man weiß auch, daß für gewöhnliche Mündungen die Geschwindigkeit des ausströmenden Strahles bloß bis zu einem gewissen Druckverhältnis zunimmt und dann nicht mehr; oder wie weit beim Ausströmen der Druck an der Mündung sinkt und um wieviel er noch über dem Druck im Ausströmraum bleibt. Es wurden nun von Prof. Gutermuth frei austretende Dampfstrahlen photographiert und es zeigte sich, daß der ohne Kontraktion austretende Dampfstrahl an der Austrittsstelle, wo er einen Ueberdruck besitzt, parallele Stromfäden aufweist, die allmählich, zuerst schwach, dann stärker, infolge des irinern Ueberdruckes, nach außen divergieren, bis sie an einer Stelle, wo der Ueberdruck verschwunden ist, wieder parallele Richtung annehmen. Auch wurde von Prof. Lewicki experimentell festgestellt, daß die Endgeschwindigkeit solcher frei austretender Strahlen ungefähr die gleiche ist, wie die Geschwindigkeit, welche ein Dampfstrahl in einer konisch erweiterten Düse annimmt.

Untersucht man die Fälle, in denen eine parallele Richtung der Stromfäden eines austretenden Dampfstrahles vorhanden ist, so findet man, daß dies der Fall ist für ein Maximum der Dampfgeschwindigkeit und des spez. Volumens und für das entsprechende Minimum des Querschnitts, also bei einer Dampfgeschwindigkeit unter dem sog. kritischen Wert, am Ende eines einfachen Mundstückes. Aber auch oberhalb der kritischen Geschwindigkeit kann sich dieser Fall einstellen, wie dies in der Tat die photographischen Versuchsergebnisse von Prof. Lewicki zeigen. Je nach dem Druck im Behälter, aus dem die Ausströmung

2)

Wenn das Ausheben des Torfes von Hand geschehen sollte, würden diese Kosten beträchtlich – bis auf 8,90 M. – ansteigen, je nach den örtlichen Bedingungen.