Text-Bild-Ansicht Band 325

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allem betont Sykora, daß in mehreren Fällen seitens der ausführenden Maschinenfabrik Borsig, Berlin-Tegel, Mammutpumpen bis in eine Entfernung von 4000 m vom Kompressor aufgestellt worden sind, ohne daß dies bei gehöriger Abdichtung der Druckluftleitung von irgendwelchem schädlichen Einfluß auf die Leistungsfähigkeit der Pumpe gewesen wäre. Die Größe des Kompressors ist abhängig: 1. Von der Größe des Hubes, d. i. vom Unterschiede zwischen dem Niveau des tiefsten Punktes der Rübenschwemme und dem höchsten Punkt des Rübenausfalles aus der Mammutpumpe, und 2. von dem Gewichte der in 24 Stunden zu verarbeitenden Rüben samt Wasser. In der Zuckerfabrik Zákolan werden täglich 7000 Meterzentner Rüben vom tiefsten Punkte der Rübenschwemme direkt in die Rübenwäsche gehoben, und da weder der Abfallkanal noch das Fabriksterrain einen Abfall des Wassers aus 4 m Tiefe zuließen, so mußte das zum Schwemmen notwendige Wasser zugleich mit den Rüben noch in eine Höhe von 3,25 m über das Niveau der Rübenschwemme gehoben werden. Dabei sollte das Wasser unter der Waschmaschine abfließen, und ein Teil davon sollte wieder zum Schwemmen der Rüben verwendet werden. Die Mammutpumpe hebt bei normalem Gange sämtliches mit dem Wasser zugeschwemmtes Material in ihren unteren Teil, welcher in einer bestimmten Tiefe unter dem niedrigsten Punkte der Rübenschwemme sich befindet, in folgender Weise: Das Wasser mit den Rüben füllt die Rohrleitung im Brunnen bis zum Niveau der Schwemme aus. Führt man nun in das Verbindungsstück komprimierte Luft ein, so reißt deren Strom das Wasser samt den Rüben in der Druckleitung in die Höhe, wodurch ein Gemisch von Wasser und Rüben mit Luft entsteht, und. das spezifische Gewicht in der Druckleitung stark sinkt. Nach dem Gesetze der kommunizierenden Gefäße tritt ein Ausgleich des Druckes und ein Einströmen in die Druckleitung ein; bei ständigem Zufluß von komprimierter Luft hebt dieser konstante Strom das abgeschwemmte Material bis zum Ausfluß. Die Mammutpumpe bewährt sich aber auch zugleich als Rübenwäsche, da die die Rohre hindurchgehende Rübe infolge fortwährender Aenderung ihrer Lage und der energischen, dem Kochen vergleichbaren Durchspülung, die durch die komprimierte Luft bewirkt wird, so rein heraustritt, daß ein weiteres Waschen überflüssig erscheint. Diese Erfahrung fußt allerdings nur auf Rüben aus abnormal trockenen Jahren, die von Haus aus keiner besonderen Reinigung bedurft haben; wie sich die Sache bei Rüben aus nassen Jahrgängen abspielen wird, muß die Zukunft lehren. Den Hauptvorteil der Mammutpumpe findet Sykora in den Umstand, daß noch so lange und dünne Rüben die Pumpe durchlaufen können, ohne daß sie die geringste Verletzung oder Bruch erleiden. Was den Brunnen anbetrifft, der zur Aufstellung einer Mammutpumpe erforderlich ist, so beträgt dessen innerer Durchmesser 1,75 m. Seine Tiefe ist von der Tiefe der Rübenschwemme abhängig und beträgt in Zákolan 10,25 m. Der Brunnen braucht nicht wasserfrei zu sein, doch ist es zur Sicherheit notwendig, wirksame Schöpfwerke aufzustellen, falls die Pumpe aus irgend einem Grunde zum Stillstand gebracht werden muß. Nach der Mitteilung von Steen4) schätzt man in der Zuckerfabrik Hohenau den Gewinn an zu verarbeitendem Rübenmaterial durch das Nichtabbrechen der Rübenschwänze auf 2 v. H., wobei allerdings zu bedenken ist, daß die zur Verarbeitung gelangenden Rüben verhältnismäßig dünn und lang sind. Im übrigen wurde auch in Hohenau dasselbe günstige Resultat wie in Zákolan erhalten. Zur Vermeidung von Betriebsstörungen sollen übrigens an der Mammutpumpe verschiedene Aenderungen vorgenommen werden. So soll der Radius des Krümmers zur Vermeidung des Eintritts von Langholz in die Rohrleitung der Pumpe, das geeignet ist, Verstopfungen im Innern der Pumpe hervorzurufen, am Einlauf weniger groß als derjenige der weiter in Betracht kommenden Krümmer der Rohrleitung sein. Weiter ist beabsichtigt, auch die Einlaßöffnung so weit zu verengen, daß, falls wider Erwarten ein so großes Stück oder dergleichen in die Rohrleitung kommt, daß es sich in der Leitung festklemmt, diesem Gegenstand der Eintritt in die Rohrleitung überhaupt verwehrt wird. Auf diese Weise werden große Stücke in bequemer Weise beseitigt, ohne daß dadurch eine Störung des Betriebes eintritt.

Textabbildung Bd. 325, S. 235

Das Streben nach einer richtigen Führung der Diffusion pflegt durch den Einfluß des nicht aktiven toten Raumes in der Diffusionsbatterie beeinträchtigt zu werden, welcher selbst bei den modernsten Ausführungen ein recht bedeutender ist. Psenicka5) beseitigt nun diesen Nachteil durch ein Verfahren, bei dem der Einfluß des nicht aktiven Raumes in der Diffusionsbatterie aufgehoben wird. Die mit I–V. (Fig. 2) bezeichneten Diffusionsgefäße sind mit Uebersteigventilen P1–P5 und den Saturationsventilen S1–S5 versehen. Ventile von untergeordneter Bedeutung, die bei dem neuen Verfahren in ihrer früheren Wirksamkeit belassen sind, erscheinen nicht näher bezeichnet. Bei der gegenwärtigen Arbeitsweise wird, wenn der mit frischen Schnitten gefüllte Diffuseur II mit der Batterie wieder verbunden werden soll, in folgender Weise vorgegangen: Der nach dem Saftabzug in die Meßgefäße durch den unteren Hals des Diffuseurs I austretende Saft, in welchem Stadium die Ventile P1 und S2 geöffnet sind, wird durch Oeffnen des Ventils S3 in das Uebersteigrohr zwischen Diffuseur II und III eingelassen und durch den unteren Hals in den Diffiseur II geleitet. Sobald der Saft diesen Diffuseur angefüllt hat, wird durch Schließen des Ventils S2 und Oeffnen des Uebersteigventils P2 die Richtung der Saftströmung umgekehrt. Auf diese Weise wird Saft von nur scheinbarer höchster Konzentration in das Meßgefäß abgezogen. Aus der Abbildung ist zu ersehen, daß aus dem eingemaischten Diffuseur in die Meßgefäße vorerst der Saft aus dem Uebersteigrohr und dem nicht aktiven Raume des Diffuseurs unter dem gestrichelt bezeichneten Siebe fließt, also ein Saft, welcher überhaupt mit frischen Schnitten nicht in Berührung gekommen ist. Sofort nach diesem Saft geht ein beträchtlicher Teil dünneren Saftes ab, welcher, kaum daß er zwischen den frischen Schnitten eingetreten ist, sofort wieder in die Meßgefäße abfließt, ohne wegen der geringen Berührungsdauer etwas an Dichte gewonnen zu haben. Unter diesen Verhältnissen muß die Bedingung einer richtig geführten Diffusion eine wesentliche Störung erleiden. Dieser Uebelstand kann jedoch in folgender Weise, ohne daß an der Diffusionsbatterie

4)

Die deutsche Zuckerindustrie 1909, 34. Jahrgang, S. 333.

5)

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen 1909, 33. Jahrgang, S. 308.