Text-Bild-Ansicht Band 325

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das Geringste geändert werden müßte, nahezu vollständig behoben werden: Der mit frischen Schnitten gefüllte Diffuseur II wird anfangs auf die vorstehend geschilderte Weise in den Diffusionsbetrieb eingeführt, sobald jedoch aber der im Diffuseur von unten nach oben aufsteigende Saft das Luftventil erreicht hat, wird die Saftströmung durch Stellungsänderung der Ventile P2 und S2 unter gleichzeitigem Oeffnen des Ventils S4 in der entgegengesetzten Richtung geleitet, wodurch der Saft aus dem nicht aktiven Raum des Diffuseurs und der Rohrleitung, ferner der dünne Saft, welcher nur wenig mit frischen Schnitten in Berührung gekommen ist, in den Diffuseur III strömt, wo er den nicht aktiven Raum ausfüllt, um bei dem nächsten Einmaischen als erster mit frischen Schnitten in Berührung zu treten, wodurch ein idealer, regelmäßiger Vorgang in der Berührung des Saftes mit den frischen Schnitten erzielt wird.

Textabbildung Bd. 325, S. 236

In den Diffuseur III wird nur soviel Saft eingelassen, daß die Dichte des zu den Meßgefäßen abgezogenen Saftes eine möglichst hohe ist, was durch chemische Untersuchung festgestellt wird. Sobald der Diffuseur den bestimmten Teil des verdünnten Saftes aufgenommen hat, wird das Ventil S4 geschlossen, und der dichte Saft strömt in das Meßgefäß, wobei er eine geringe Menge dünnen Saftes, die sich zwischen Ventil S2 und S3 befindet, vor sich verdrängt. Auf diese Weise werden etwa 90 v. H. des schädlichen Einflusses des nicht aktiven Raumes aufgehoben. Der Saft im Diffuseur III wirkt insofern günstig auf die frischen Schnitte, als er die Siebe entlastet und deren Verstopfung verhindert, außerdem wird auch die Berührungsdauer mit den frischen Schnitten um die ganze Zeit, durch welche der Saft zu den Meßgefäßen abgezogen wird, verlängert. Die Menge des in den Diffuseur III abzulassenden Saftes kann entweder nach der Zeit oder mittels einer Signalstange, die vor dem Füllen mit frischen Schnitten in den Diffuseur gestellt wird, bemessen werden. Das beschriebene Verfahren bewährt sich auch bei der Verarbeitung von angefrorenen Rüben und sichert einen rascheren Verlauf der Diffusionsarbeit. In diesem Falle wird in den folgenden Diffuseur mehr als zur Hälfte Saft abgelassen. Bei vereisten Schnitten kann behufs Beschleunigung der Arbeit soviel Saft abgelassen werden, daß der nachfolgende Diffuseur vollständig gefüllt wird.

Ein neues Filter für den Diffusionssaft; das sich in der Praxis bereits bestens bewährt hat, beschreibt Levitzki.6) Dieser Filter (Fig. 3) besteht aus einem nach unten sich; verengenden gußeisernen Zylinder B, der in seinem Innern einige gelochte Zylinder A, deren Anzahl von. der Menge der zu verarbeitenden Rüben abhängt, enthält. Der Durchmesser der Sieböffnungen beträgt 1 mm. Diese Siebe haben an den Enden Schraubengewinde, mittels welcher sie in die entsprechenden Vertiefungen im Zylinder B eingeschraubt werden. Für je 4000 Zentner verarbeiteter Rüben ist nur ein Sieb erforderlich. Die Siebe können mittels der Stangen C aus den Apparat gehoben werden, dessen Deckel sich wie der Deckel der Diffuseure öffnen läßt. Der Saft tritt durch das Rohr H ein, durchströmt die Siebe A und tritt gereinigt durch das Rohr J aus. Zur Probeentnahme des Saftes dient der Hahn F. An dem Rohr H ist ein Manometer G angebracht, welches ein Versagen des Filters sofort anzeigt. Das Filter wird; 3–4 m höher als der Boden der Diffuseure gestellt. Während der frisch gefüllte Diffuseur von unten nach oben mit Saft gemaischt wird, hat der Saft das Bestreben, die im Rohr und dadurch auch im Filter befindliche Luft mit sich zu ziehen, und da der Saft selbtverständlich denjenigen Weg wählen wird, der ihm den geringsten Widerstand entgegensetzt, so wird er in den frischgefüllten Diffuseur strömen. Gleichzeitig mit dem Einmaischen des frischgefüllten Diffuseurs mit Saft gelangen dorthin auch alle im Filter vorhandenen Verunreinigungen, Rübenstücke usw., so daß das Filter stets rein bleibt und während der ganzen Verarbeitungszeit keine Reinigung erfordert. Um den Grad der Reinigung bei Anwendung dieses Filters festzustellen, führte Levitzki einige Versuche durch. Zu diesem Zwecke wurde eine bestimmte Menge Diffusionssaft durch ein bei 110° C getrocknetes und dann gewogenes Stück Wollgewebe filtriert. Nach beendigter Filtration wurde das Gewebe samt Niederschlag bei derselben Temperatur getrocknet und gewogen. Derselbe Vorgang wurde bei einem Saft eingehalten, der das Filter durchströmt hatte. Während nun der unfiltrierte Saft einen Niederschlag von 0,514 v. H. ergab, erhielt der filtrierte Saft nur eine Menge von 0,096 v. H., woraus sich ein Grad der Reinigung von 81,3 v. H. ergibt.

(Fortsetzung folgt.)

6)

Zentralblatt für die Zuckerindustrie 1909, 17. Jahrgang, S. 135.