Text-Bild-Ansicht Band 160

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angestellt worden, aber noch vor zwei Jahren, nachdem man während ungefähr 10 Monaten mit der Methode auch in Schweden experimentirt hatte, betrachteten die Männer der Praxis die Bessemer'sche Stahlbereitung als eine müßige und hoffnungslose Erfindung, weil dieselbe nie ein homogenes, schlackenfreies Product liefern könne. Leider war die Wirklichkeit nicht im Stande, jene verurtheilende Behauptung völlig zu widerlegen, indem ein tadelloser Stahl nur ausnahmsweise erzeugt wurde, wenn die Konstellation der einwirkenden Umstände eben eine günstige war; diese Umstände zu beherrschen, war man weit entfernt, weil man sie trotz vielfachen und höchst kostspieligen Probirens mit Tausenden von Centnern Roheisen noch nicht hatte kennen lernen. Die Idee sollte gewaltsam verwirklicht werden.

Auch die eisernste Geduld mußte bei so erfolglosen Versuchen ermüden, selbst wenn die Geldkrisis vom Jahr 1857 nicht gleichzeitig zu haushälterischer Sparsamkeit ernst gemahnt hätte – und der Besitzer des Eisenwerkes Edsken in Gestriksland, Hr. Consul Göranson, war entschlossen, alle weiteren Versuche mit der Bessemer'schen Stahlbereitung einzustellen.

In diesem traurigen Zustande fand ich die Angelegenheit, als mich eine Amtsreise Ende Juni 1858 in die Nähe von Edsken führte und mit Hrn. Göranson bekannt machte. Ich wohnte einer Stahlblasung bei; ich sah, daß die befolgte Methode viel zu wünschen übrig ließ, aber bei näherer Besprechung der Verhältnisse befestigte sich mit mit unwiderstehlicher Gewalt die Ueberzeugung, daß man mit Einhaltung eines mehr naturwissenschaftlichen Weges als dem des rohen Probirens nach den Kunstregeln der gewöhnlichen Eisenindustrie, wohl zu einer gewissen Herrschaft über die einwirkenden Umstände müsse gelangen können.

Diese Ueberzeugung gewann ich vorzüglich durch die Thatsache, daß die Selbstverbrennung69) des Gußeisens im Stahlofen mehr als einmal

69)

Ich spreche von einer Selbstverbrennung des Roheisens während der Bessemer'schen Stahlbereitung, weil ich die vom Urheber der Methode gehegte Ansicht auch jetzt noch nicht aufgegeben habe, daß nämlich die Entkohlung des weißglühenden Eisens auf einer unmittelbaren Oxydation durch die eingeblasene Luft beruht, in ähnlicher Weise als man aufspritzende Tropfen des eben vom Hohofen rinnenden Eisens oder als man eine Stahlfeder in Sauerstoffgas mit lebhaftem Funkensprühen verbrennen steht, nur daß sie nicht wesentlich durch vorerst gebildetes Oxyd oder durch Frischschlacke bedingt wird, so wichtig auch die Gegenwart dieser Körper für die Frischung bei verhältnißmäßig niediger Temperatur ist, um den Sauerstoff der Gebläseluft auf das Eisen zu übertragen. Das schließt nicht aus, daß unmittelbar gebildetes Eisenoxyd (oder Eisenoxydul) zur seinen Vertheilung des Sauerstoffs durch die Eisenmasse dienen kann, indem es in dem flüssigen Metall mechanisch einmengbar ist, wie Thon (oder auch Luft) mit Wasser angerührt werden kann. Das eigenthümliche gewaltsame Aufkochen des Eisens, das man mitunter im Bessemer'schen Ofen oder selbst während des Abzapfens in die Coquillen beobachtet, scheint darauf zu beruhen, daß unvollständig entkohltes Eisen und mit fein eingemengtem Oxyd beladenes Eisen durcheinander geschüttet werden.