Text-Bild-Ansicht Band 160

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durch das Eisen zu befördern, also die Entweichung der Luft aus dem Eisen, ohne völlige Ausnutzung des Sauerstoffs, zu beschleunigen. Mit Einhaltung dessen wird eine Vergrößerung der Eisensäule oder mit anderen Worten: eine Ausstreckung des Ofens in der Höhenrichtung auf Kosten der Weite, zur Verdichtung des eingeblasenen Sauerstoffs und so mittelbar zur Lebhaftigkeit des Verbrennungsprocesses beitragen.

Wir haben endlich von der Richtung und Vertheilung der eingeblasenen Luft zu sprechen, insofern davon die Verwerthung ihres Sauerstoffs abhängt. In je kleineren Blasen und je weiter in das Innere die Luft in die Eisenmasse eindringt und je länger sie darin zurückgehalten wird, um so leichter muß die Entkohlung des Eisens vor sich gehen. Zugleich hat man in der eingeblasenen Luft den einfachsten Rührapparat, um die innigste Mischung des mehr oxydirten mit dem noch weniger entkohlten Eisen zu bewirken, worauf ein kurzes Stehenlassen des flüssigen Eisens im Ofen70) zur Abscheidung der noch eingemengten Schlackentheilchen auf die Oberfläche des schwereren Metalls genügen dürfte.

Die hier dargelegten Ansichten vom Wesen der Bessemer'schen Stahlbereitung schienen von der Wahrheit nicht sehr abzuweichen; sie erklärten einige Beobachtungen und zeigten, auf welche Weise die ferneren Versuche zu führen wären. Sie erklärten, daß Anwendung erhitzter Gebläseluft ohne Nutzen war, daß im Gegentheil die Stahlbereitung während des Winters bessere Resultate lieferte als während des Sommers; daß eingeblasener Wasserdampf den Gang des Stahlofens sehr verschlechterte, daß Einführung von Kieselsäure, Kohlenstaub und Braunsteinpulver mit der Gebläseluft in den Stahlofen ebenso erfolglos war, als eine Ladung des Ofens mit den gekörnten Stahlabfällen oder Schlacken einer früheren Schmelzung, daß dagegen ein Mangangehalt des Roheisens die Entkohlung wesentlich fördern müsse.

Bezüglich dessen, was in Zukunft zu geschehen habe, schien es wohl deutlich, daß eine Verbesserung des Hohofenganges, eine stärkere Anheizung der Schöpfkellen und des Stahlofens, eine beschleunigte Ueberfüllung des Roheisens vom Hohofen in den Stahlofen, eine Verengerung des letzteren zur Hervorbringung einer höheren Eisensäule, eine Verstärkung des Druckes der Gebläseluft und vorzüglich die Anwendung einer einzigen Reihe Formen statt der bisher gebrauchten zwei Reihen, zu einem regelmäßigen Gang der Stahlbereitung beitragen werde, doch glaubte ich den

70)

In sehr sinnreicher Weise verschließt Hr. Bessemer nach vollendeter Entkohlung durch von der Gebläseluft bewegte Thonpropfen die Formen von innen gegen das von außen eindringende Eisen.