Text-Bild-Ansicht Band 160

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Rath geben zu müssen, alle weiteren Experimente so lange ganz zu unterlassen, bis man einen wissenschaftlich gebildeten Chemiker gewonnen habe, der den Gang der Operationen durch sorgfältig ausgeführte Analysen aufhellen könne. Eine vergleichende Untersuchung von Proben des eingesetzten Eisens, vor und während des Stahlblasens, sowie von den gleichzeitig gebildeten Schlacken und dem Endproducte, dem fertigen Stahl oder weichen (vielleicht stiffstoffhaltigen) Eisen71) genommen, mußte Einsicht in die allmähliche Verwandlung des Roheisens und in die Rolle der mehr oder minder zufälligen Begleiter des Eisens, als des Mangans, der Kieselsäure u.s.w., geben. Die wichtigsten Aufschlüsse aber dürfte man von einer Untersuchung der aus dem Stahlofen strömenden Gase erwarten; durch sie erhält man ein Bild von der Betheiligung der Gebläseluft an der Entkohlung des Eisens, theils in wie weit der Sauerstoff bei dieser oder jener mechanischen Anordnung des Ofens und der Formen, mehr oder weniger vollständig, verbraucht wird, theils in welchem Verhältniß die Verbrennung des Kohlenstoffs zur Oxydation des Eisens und dessen Begleitern steht.

Eigenthümliche Umstände ließen jedoch den Besitzer des Eisenwerkes auf Benutzung der von den vorgeschlagenen wissenschaftlichen Untersuchungen zu verhoffenden Aufschlüsse verzichten und ein weiteres Experimentiren auf gut Glück vorziehen.

In der That schien auch das Glück hold zu seyn. Mit Einführung der oben angedeuteten Verbesserungen gewann die Stahlbereitung unzweifelhaft an Sicherheit. Besonders vortheilhaft zeigte sich die Beschränkung der Formen auf eine einzige Reihe nahe am Boden des Stahlofens, indem hierdurch bewirkt ward, daß sämmtliche Gebläseluft die Eisensäule in deren gesammten Höhe durchdringen mußte, wie viel oder wie wenig das Eisen auch aufschäumen mochte, während vordern die von der oberen Reihe eingeblasene Luft mehr oder weniger unbenutzt, also abkühlend, durch die geringere Menge darüber stehenden Eisens entwich. Zahlreiche und theuere Versuche kostete dagegen die Beantwortung der Fragen, welche Weite der Formen, welche Anzahl und Richtung derselben, welche Windpressung ist für die gegebenen Verhältnisse des Stahlofens die zweckmäßige?

71)

Das welche Eisen, was mitunter statt Stahl durch zu weit geführte Entkohlung gewonnen wurde, war großblätterig krystallinisch im Bruch, wenig zäh und weicher als gewöhnliches Schmiedeeisen, übereinstimmend mit den Eigenschaften, wie sie vom Stickstoffeisen berichtet werden. Die Zähigkeit läßt sich vielleicht durch wiederholtes Ausrecken und Zusammenschweißen (Gerben) vermehren. Die kohlenstoffärmsten Sorten solchen Eisens dürften sich zur Herstellung von Ankern, Leitungsdrähten u.s.w. für galvanomagnetische Zwecke eignen.