Text-Bild-Ansicht Band 160

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Betreffend die Richtung der Formen war es wohl bei der Cylindergestalt des Ofens das Natürlichste, die Luft von der Peripherie nach dem Centrum einzublasen; bei gehöriger Pressung drang die Luft auf solche Weise in aufsteigender Bogenlinie nach der Mitte der Eisenmasse, hob sie gleich einer Fontaine gegen die Decke des Ofens und ließ beim Entweichen das Eisen an den Wänden des Ofens zu erneutem Kreislauf zurücksinken. Man hatte aber zur Zeit den Formen eine etwas excentrische Stellung gegeben, um das Eisen in eine rotirende Bewegung zu versetzen. Wozu das nützen sollte, war dem Hüttenpersonal nicht klar, genug die Einrichtung war so getroffen und an dem so eingerichteten Ofen versuchte man weitere oder engere Formen mit schwächerer oder stärkerer Pression, doch ohne entscheidende Erfolge. Man stellte dann die Formen einmal central und fand dabei eine deutliche Verschlechterung des Ganges, zufolge einer auffallenden Abkühlung des Eisens während des Blasens. Man kehrte darauf zur excentrischen Stellung der Formen zurück, aber mit Verdoppelung ihrer Anzahl und beobachtete eine ebenso auffallende Temperatursteigerung im Eisen, als kurz zuvor Abkühlung mit den central gerichteten Formen.72) Von diesem Tage an (Ende Juli 1858) ging die Stahlbereitung unvergleichlich sicherer als früher, weil man die Erzeugung und Erhaltung des nöthigen Hitzegrades mehr in seine Gewalt bekommen hatte, aber die Methode hat seit dieser Zeit nicht die Fortschritte gemacht, die man damals zu hoffen berechtigt war, und wird wohl auch nur langsam sich fortentwickeln, so lange man die Ausführung der von mit angedeuteten wissenschaftlichen Untersuchungen für überflüssig hält. Ueber die technische Seite der Bessemer'schen Stahlbereitung sind durch Hrn. Hüttendirector Grill erschöpfende Berichte in den Annalen des schwedischen Eisencontors mitgetheilt worden.73)

72)

Die aus der doppelten Anzahl (10) Formen excentrisch eingeblasene Luft scheint demnach hinreichend in das rotirende Eisen einzudringen und von ihm hinreichend lange zurückgehalten zu werden, daß ihr Sauerstoff vollständiger als bei centraler Einblasung zur Oxydation Verwender wird. Eine ähnliche Einrichtung dürfte Überall da zweckmäßig seyn, wo eine Flüssigkeit zur Absorption oder Waschung eines Gases (z.B. bei der Leuchtgasfabrication in den Kalkwassertrögen) angewendet wird.

73)

Von diesen Berichten hat Hr. P. Tunner eine deutsche Uebersetzung veröffentlicht, welche im polytechn. Journal Bd. CLVIII S. 364 mitgetheilt wurde.

A. d. Red.