Text-Bild-Ansicht Band 250

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Monohydrat auskrystallisiren lassen kann, daſs man dieses aber auch aus Säuren von 97 oder sogar 96 Proc. ebenfalls noch durch mäſsige Abkühlung (etwa auf – 10°) erhalten kann, wenn man die Erscheinung der Ueberschmelzung durch einige eingeworfene Krystalle des Monohydrates mit oder ohne Umrühren aufhebt. Man stellt zunächst durch Gefrierenlassen bei etwa – 10° einer 98procentigen Säure, welche durch Mischen von gewöhnlicher mit rauchender Schwefelsäure gewonnen wurde, eine kleine Menge von Monohydratkrystallen her. Die 96 bis 97procentige Schwefelsäure wird nun auf mindestens 0° abgekühlt; dann wirft man einige Krystalle hinein und kühlt unter Umrühren weiter, bis die Krystallbildung beendigt ist. Hierauf trennt man die Mutterlauge von den Krystallen durch Abtropfen, Absaugen, Pressen, Ausschleudern u. dgl., wobei die Temperatur nicht über 0° steigen soll.

Die Krystalle werden kaum ganz reines Monohydrat sein, da ihnen etwas Mutterlauge anhängen wird. Will man ganz reines Monohydrat darstellen, so läſst man sie sich verflüssigen, wobei man die latente Schmelzwärme zur Abkühlung von weiterer Säure benutzen kann, kühlt wieder etwas unter 0° ab, trennt die entstehenden Krystalle von der Mutterlauge und wiederholt dies nach Bedarf.

Zur Kenntniſs der Pyridinverbindungen.

Die Bildung von Pyridinabkömmlingen aus Acetessigäther und Aldehydammoniak beruht nach A. Hantzsch darauf, daſs neben der Vereinigung zweier Moleküle Acetessigäther unter Wasseraustritt zugleich eine Abspaltung von Wasser zwischen diesen und dem Aldehydammoniak erfolgt. Wird statt Aldehydammoniak Orthoamidophenol verwendet, so bildet sich unter Austritt von 1 Mol. Wasser Anhydroorthoamidophenolacetessigäther. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1883 S. 1948 u. 1952.)

Wird nach A. Ladenburg (daselbst S. 2057) Aethylpyridinjodür auf 290° erhitzt, so entweicht Aethan unter Bildung von Aethylpyridin.

Ueber Chinovin und Chinovasäure.

Bei der Gewinnung der Chinaalkaloide durch Alkoholextraction gehen auſser den Basen und deren Salzen Chinovin-Chinin u. dgl. in die alkoholische Lösung. Wird aus dem Filtrate der Alkohol abdestillirt, so treten nach dem Zusätze verdünnter Mineralsäuren aus dem Rückstande nur die Basen als Salze in Wasser über, während eine in Wasser unlösliche, braune, harzige Masse zurückbleibt. Diese wurde nun von C. Liebermann und F. Giesel (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1883 S. 926) mit Kalkmilch erwärmt und das Filtrat mit Salzsäure gefällt. Der nunmehr entstehende ziemlich hellgelbe Niederschlag wurde getrocknet und mit Alkohol behandelt. Ein kleiner Theil Chinovasäure bleibt hierbei als weiſses Pulver ungelöst, während die Hauptmenge mit brauner Farbe in Lösung geht. Verdünnt man letztere bis fast zur beginnenden Fällung mit Wasser, so scheiden sich nach längerem Stehen kleine, nur wenig gefärbte Krystalle von Chinovin ab. Ein einmaliges Umkrystallisiren derselben aus verdünntem Alkohole genügt meist, es frei von Chinovasäure in Form kleiner, glitzernder, weiſser Schüppchen zu erhalten. Die Ausbeute an reinem Materiale beträgt etwa 26 Procent vom Rohproducte, da mittels des amorphen Hauptproductes ein groſser Theil krystallisirbaren Chinovins in Lösung bleibt. Von der Anwesenheit groſser Mengen des letzteren in den Mutterlaugen überzeugt man sich leicht dadurch, daſs kochende Salzsäure aus ihnen noch viel Chinovasäure abspaltet, auf welche man daher die Mutterlaugen zweckmäſsig verarbeitet.

In dieser Weise lieſs sich jedoch bei einem harzigen Rohmateriale, bei welchem statt der Chinchonarinden sogen. Cuprearinden benutzt wurden, kein Chinovin gewinnen. Die Lösung wurde dann mit der nöthigen Menge concentrirten Ammoniaks in der Wärme versetzt, worauf nach kurzer Zeit die ganze Masse zu einem Krystallbreie gestand; derselbe wurde durch Abpressen von der Mutterlauge getrennt, das Ammoniak mit Essigsäure fortgenommen, in Alkohol gelöst und nochmals mit Ammoniak zur Krystallisation gebracht. Nachdem die Substanz von neuem durch Essigsäure in Freiheit gesetzt