Text-Bild-Ansicht Band 250

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Da die Zinkdoppelsalze der Farbstoffe wegen ihrer Schwerlöslichkeit zum Färben wenig geeignet sind, so führt man dieselben, um sie löslicher zu machen, vortheilhaft in Sulfosäuren über, was durch Erhitzen mit Chlorsulfosäure oder rauchender Schwefelsäure auf 100° leicht gelingt. Beim Ausgieſsen der Lösung in Wasser scheiden sich die schwer löslichen Sulfosäuren gröſstentheils aus. Ihre Alkalisalze sind dagegen in Wasser leicht löslich.

Reines Chinolin, wie man es nach dem Skraup'schen Verfahren (1881 242 375) aus Anilin, Nitrobenzol, Glycerin und Schwefelsäure erhält, liefert keinen violettrothen, gelb fluorescirenden Farbstoff, sondern einen gelbrothen mit grüner Fluorescenz; ebenso verhält sich das aus Cinchonin dargestellte Chinolin. Dagegen entstehen aus Steinkohlentheer-Chinolin mit Benzotrichlorid sowohl, wie mit Benzalchlorid sehr leicht schöne, gelb fluorescirende Farbstoffe. Die Ursache dieses verschiedenen Verhaltens beruht in dem Gehalte des Steinkohlentheer-Chinolins an einer zweiten Base, dem von Döbner und Miller aus Anilin und Aldehyd dargestellten Chinaldin, welches auch mit dem bei der Reduction von Orthonitrobenzylidenaceton mit Zinnchlorür erhaltenen Methylchinolin identisch ist. Weder das Chinolin, noch das Chinaldin vermögen in reinem Zustande mit Benzotrichlorid violettrothe Farbstoffe zu liefern; erhitzt man aber ein Gemenge der beiden Basen mit Benzotrichlorid, so erhält man sofort den beschriebenen violettrothen, gelb fluorescirenden Farbstoff. Die Bildung dieses Farbstoffes geschieht daher voraussichtlich nach folgender Gleichung: C6H5.CCl3 + C9H7N + C10H9N = C6H5CCl.C9H6N.C10H8N + 2HCl. Bei dieser Reaction kann das Chinaldin vertreten werden durch Methylchinaldin oder Dimethylchinaldin; andererseits kann das Chinolin ersetzt werden durch im Benzolkerne methylirte Chinoline, z.B. Toluchinolin: C6H3.CH3.C3H3N.

Als neu wird beansprucht die Herstellung von Farbstoffen durch Einwirkung von Chinolin, Toluchinolin oder Dimethylchinolin, C6H2(CH3)2.C3H3N, mit Chinaldin, Methylchinaldin oder Dimethylchinaldin auf Benzotrichlorid, Benzalchlorid u. dgl.

Da der bei 230 bis 240° siedende Theil des Theerchinolins nur 20 bis 25 Proc. Chinaldin enthält, so liefert er nur eine verhältniſsmäſsig geringe Ausbeute an Chinolinroth. Um eine möglichst groſse Ausbeute zu erhalten, ist es daher zweckmäſsig, dem Theerchinolin einen gewissen Procentsatz Chinaldin zuzusetzen, so daſs die Mischung 1 Mol. Chinaldin auf 1 Mol. Chinolin enthält. In ähnlicher Weise kann man die höher siedenden Chinolinbasen des Steinkohlentheeres, welche vermuthlich neben den Homologen des Chinolins (Lepidin, Kryptidin) auch in geringerer Menge dem Chinaldin homologe Basen enthalten, da sie gleichfalls mit Benzotrichlorid u. dgl. rothe Farbstoffe liefern, durch Zusatz von Chinaldin bezieh. homologen Chinaldinen zur Farbstoffbildung geeigneter machen.