Text-Bild-Ansicht Band 250

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war. Die farblosen Kressenkeime wurden schnell grün. Die Bildung des Chlorophylls oder Blattgrüns ist also unabhängig von den chemischen Strahlen, den violetten. Prilleux hat durch eine Reihe von Versuchen, welche er im Laboratorium der Sorbonne mit verschiedenen Lichtquellen (elektrische Lampe, Drummond'sche Lampe, Gasbrennern u. dgl.) anstellte, in allen Fällen Bildung der grünen Farbe, Wachsthum und Zersetzung von Kohlensäure festgestellt.

Durch die bereits (1882 245 191) besprochenen Versuche von C. W. Siemens wurde die wissenschaftliche Thatsache erwiesen, daſs einer künstlichen Beleuchtung ausgesetzte Pflanzen vollkommen wachsen. Siemens hat sogar der Royal Agricultural Society einen annähernden Ueberschlag mitgetheilt, was der elektrische Gartenbau in seiner Anwendung auf Obst- und Gemüsegärten kosten könnte. Nimmt man die Anbaufläche zu 58qm an, so wären hierfür 9 elektrische Herde je in der Stärke von 600 Carcelbrennern, 3m über dem Boden angebracht, erforderlich. Um die Beleuchtung besser auszunutzen, wäre es gut, wenn dieses Feld von Mauern, mit Spalierbäumen daran, eingefaſst wäre. Die Dampfmaschine zur Bewegung würde 36e erfordern, was für eine Nacht, zu 12 Stunden gerechnet, eine Ausgabe von 8 M. machte. Mit den in den Lampen verbrannten Kohlenstiften würde die Ausgabe auf 16 M. steigen. Die sehr beschleunigte Entwicklung von Gemüse und Obst während der kalten Jahreszeit soll die Anwendung des Verfahrens gewinnbringend machen.

C. W. Siemens, welcher sein Landhaus in Sherwood bei Tunbridge Wells für alle Anwendungsarten der Elektricität eingerichtet hat, benutzt den von einer Dampfmaschine erzeugten elektrischen Strom während des Tages zum elektrischen Betriebe von Pumpen und verschiedenen Wirthschaftsmaschinen, Abends für die Beleuchtung und den verbrauchten Dampf für die Beheizung. Bei dieser Ausnützung der Maschine ist der Kostenaufwand ein verhältniſsmäſsig geringer. In dem Glashause hat Siemens an der Decke eine Lampe mit. 1400 Kerzen Leuchtkraft, mit Ventilation nach auſsen, in einer Glaskugel angebracht, während eine zweite von gleicher Stärke nahe am Boden ihr Licht auf zwei eingesenkte Glashäuser und einen offenen Versuchsgarten wirft, welcher mit Weizen, Gerste u. dgl. im December v. J. besäet wurde. Am 1. Juni d. J. hatte der Weizen die doppelte Höhe der gewöhnlichen Kultur erreicht und begann Blüthen zu zeigen. Alle Früchte auf dem elektrisch erleuchteten Grunde waren durchaus kräftig entwickelt. Bereits am 25. Januar reiften Erdbeeren von vorzüglichem Geschmacke, am 15. April Melonen, am 18. April Trauben und Mitte Juni Pfirsiche.

Auf der Wiener Ausstellung waren diese Bestrebungen durch die chemische Versuchsstation für Gartenbau und Handelsgärtnerei von A. Bronold in Ober-St. Veit vertreten. Eine Gruppe von Pflanzen, welche theils unter Einwirkung des elektrischen Glühlichtes, theils durch Einleitung von elektrischen Strömen in das Erdreich gezogen wurden, war in der österreichischen Abtheilung zu sehen. Bronold setzte bei Tag die Pflanzen in seiner Versuchsanstalt dem Sonnenlichte aus. Nach der Dämmerung wurde denselben 2 Stunden Ruhe gegönnt, dann das elektrische Glühlicht in Anwendung gebracht, bis wieder die Tageshelle eintrat. Nach seinen Erfahrungen ist zum Gedeihen der Pflanze nöthig, daſs die künstliche Lichtquelle unter demselben Einfallswinkel die Pflanzen treffe wie das Sonnenlicht, um die sonst durch verschiedene Beleuchtung hervorgerufene Bewegung oder Drehung der Pflanzen nach der Lichtquelle zu vermeiden, da dies dem Wachsthume nicht förderlich scheint.

Ueber die Anwendung künstlicher Düngemittel beim Zuckerrübenbau.

Nach Versuchen von O. P. Dehérain (Journal des Fabricants de sucre, 1883 Nr. 25) wirkt schwefelsaures Ammonium sehr schädlich auf das Gedeihen der Rüben, wenn der Boden nicht hinreichende Mengen organische Stoffe enthält. Ammoniumsulfat vermindert den Ertrag, durch Düngung mit Chilisalpeter wird der Zuckergehalt verringert, 1ha lieferte z.B. ohne Düngung 46600k Rüben mit 16,24 Proc. Zucker, nach 1200k Chilisalpeter 57400k mit 9,97 Proc. Zucker, nach 1200k Ammoniumsulfat 37200k Rüben mit 13,38 Proc. Zucker.

Wie Holdefleiß im Landwirth, 1883 Nr. 27 auf Grund von Versuchen berichtet,