Text-Bild-Ansicht Band 195

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Nachweisung des Schwefelkohlenstoffgehaltes im Steinkohlenleuchtgase; von A. Vogel.

Der Schwefelgehalt der Steinkohlen ist bekanntlich Veranlassung, daß das daraus gewonnene Leuchtgas stets in größeren oder geringeren Mengen Schwefelwasserstoffgas enthält. Neuerer Zeit ist indeß die Reinigung des Leuchtgases eine so vollständige, daß man vom Schwefelwasserstoffgas im Leuchtgase kaum Spuren zu entdecken vermag; im Münchener Leuchtgase wenigstens zeigt sich in der Regel auch nach mehrstündiger Einwirkung auf essigsaures Bleioxyd keine Reaction. Neben dem Schwefelwasserstoffgas bildet sich aber bei der Destillation schwefelhaltiger Steinkohlen stets auch Schwefelkohlenstoff, welcher durch die gewöhnlichen Reinigungsvorrichtungen nicht entfernt werden kann und daher ein Begleiter des Leuchtgases ist. Da der Gehalt an Schwefelkohlenstoff im Leuchtgase selbstverständlich doch meistens nur ein geringer seyn kann, so ist es nicht immer leicht dasselbe mit Bestimmtheit nachzuweisen. Zu den mannichfachen in dieser Beziehung angegebenen Methoden möchte ich noch eine weitere hinzufügen, welche nach meinem Dafürhalten entsprechende Resultate gewährt. Das Verfahren beruht ganz einfach auf der Bildung von Schwefelkupfer durch die Einwirkung des schwefelkohlenstoffhaltigen Leuchtgases auf metallisches Kupfer. Zu dem Ende wurde von Schwefelwasserstoffgas vollkommen gereinigtes Leuchtgas durch ein Kugelrohr über glühende Kupferstreifen geleitet. Nachdem ungefähr während vier Stunden ein ununterbrochener Gasstrom darüber geleitet worden war, hatten die ursprünglich metallisch glänzenden Kupferstreifen eine irisirende Oberfläche angenommen. Die mit Wasser verdünnte Auflösung derselben in Salpetersäure zeigte mit Chlorbaryum nach einigem Stehen einen deutlichen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt. Es bedarf kaum der besonderen Erwähnung, daß das zum Versuche verwendete metallische Kupfer sowohl als die Salpetersäure sich beim Vorversuche ganz frei von Schwefel und Schwefelsäure ergeben hatte. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 1870, Nr. 20.)

Ueber die Einwirkung von Chlor auf absoluten Alkohol bei Sonnenlicht; von G. Streit und B. Franz.

Behufs der Darstellung von Chloralhydrat leiteten wir gut getrocknetes Chlor in absoluten Alkohol. – Bei Anwendung eines kräftigen Gasstromes erhitzte sich der Alkohol bald bis zu 62° C., worauf die Temperatur constant blieb. Während dieses Zustandes fiel zufällig ein Sonnenstrahl auf den Kolben, in welchem sich der Alkohol befand.

Eine sofort eintretende, mit einem schwachen Knalle verbundene Detonation erregte unsere Aufmerksamkeit. Bei fortdauernder Bestrahlung erfolgten die Detonationen rasch hinter einander, mit Feuererscheinungen an der Stelle wo die Gasblasen in den Alkohol eintraten. Dabei erstreckte sich mehrfach die Feuererscheinung mehrere Zolle im Einleitungsrohre hinauf, so daß sie dem Leuchten der Geißler'schen Röhren ähnelte. Zugleich mit diesen Detonationen schwärzte sich der Alkohol bis zur völligen Undurchsichtigkeit, und aus ihm setzte sich im Ruhezustande ein schwarzes Pulver ab. Nach und nach steigerte sich nun die Temperatur bis zu 78° C., während dessen immer noch die Erscheinung beliebig hervorgebracht werden konnte. Das Phänomen blieb ganz dasselbe, ob directes oder gespiegeltes Licht angewendet wurde.

Das erwähnte schwarze Pulver, welches wahrscheinlich Kohlenstoff ist, sowie die anderen flüssigen, höchst widerlich riechenden, roth gefärbten Producte, konnten nur wegen Mangel an Zeit noch nicht näher untersuchen. (Journal für praktische Chemie, 1869, Bd. CVIII S. 61.)

Verfahren zur Gewinnung der im Krapp enthaltenen Oxalsäure; von Pernod.

Dieses Verfahren gestattet die Rückstände der Garancin-Fabrication zu benutzen.

Der Krapp enthält oxalsauren Kalk, welcher durch die zum Ertragen des Garancins angewandte Salzsäure oder Schwefelsäure zersetzt wird. Bisher ging die so frei