Text-Bild-Ansicht Band 196

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durch eine größere Feuergeschwindigkeit in Folge der Aptirung der Waffe erhöht wurde. Das nach dem Schuß im Rohr sitzen bleibende Tuchplättchen des Bodens der Patronenhülse wird mit der nächsten Patrone vorgeschoben und mit dem Schuß aus dem Rohr gefegt. Derartige vor dem Geschoß hergeschobene Körper sind überhaupt von nachtheiligem Einfluß auf die Präcision. Bei der Spiegelführung des Langbleigeschosses influirt neben dieser Art von Führung auch noch die mehr oder weniger normale Trennung von Geschoß und Spiegel auf die Präcision; die Tuchplatte gibt ein weiteres Moment, welches für die präcise Führung im Rohr gerade nicht von Vortheil ist.

Der Gebrauch der Waffe ist für den Schützen und seine Resultate angenehmer geworden, weil bei der nun relativ so bedeutend schweren Waffe (250 Geschosse) von einem Rückstoß wohl kaum mehr die Rede seyn kann, da sich die Arbeitsleistung der Gase im umgekehrten Verhältniß der Gewichte auf Geschoß und Waffe vertheilt. Die demnächst zu erzielenden ballistischen Leistungen der Waffe werden die Ansichten des Majors v. Ploennies, welche er über die Resultate einer Zündnadelmunition, wie sie nunmehr heute geschaffen werden soll, bereits im Jahre 1865 in seinem Werke über „das Zündnadelgewehr“ niedergelegt hat, bestätigen. Wenn auch die Führung der Geschosse durch den Zündspiegel Nachtheile und Unbequemlichkeiten erzeugt, so ist der Zündspiegel doch für die Waffen Preußens von enormem Werth gewesen. Durch den Zündspiegel war es thunlich, dem Zündnadelgewehr großen Kalibers von 15,43 Millimet. in dem Langblei ein Geschoß mittleren Kalibers von 13,6 Millimet. zu geben, welches die günstigen Bedingungen zur beharrlichen Ueberwindung des atmosphärischen Widerstandes darbietet und das so erhebliche Leistungen ergab. Mit der Annahme der Hinterlader in den übrigen europäischen Staaten seit dem Jahre 1866 erfolgte auch nach dem Vorgehen der Schweiz der Uebergang zum kleinen Kaliber von 10–11 Millimet. und dadurch eine bedeutende Steigerung der Einzelleistungen der Waffen. Preußen konnte trotz der relativen guten Gesammt-Resultate seiner Waffe nicht zurückbleiben und mußte suchen, auf dieselbe die Einzelleistung der kleinen Kaliber, wo möglich ohne Aenderung in der Handhabung der Waffe und mit den geringsten Kosten, zu übertragen. So mußte denn der Langbleizündspiegel nochmals als sinnreicher Nothbehelf wie früher dienen, um ein Geschoß kleinen Kalibers (12 Millimet.) aus dem alten Rohre großen Kalibers (15,43 Millimet.) zu verwenden, und auf diese Weise der alten Waffe annährend die Vortheile des kleinen Kalibers und der verbesserten Hinterladungsmechanismen zu gewähren, sich mithin wieder auf die Höhe der Technik zu bringen.