Text-Bild-Ansicht Band 196

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Stellt man über diese Frage Versuche an, und versetzt chemisch reinen Quarz, je ausschließlich der Thonerde, mit den bekannten Flußmitteln: Eisen, Kalk, Magnesia und Alkalien, so kann der Zusatz bis zu vielen Procenten, selbst bis zu 10 Procent gesteigert werden, ohne daß in einem Hitzegrade welcher Schmiedeeisen-Schmelzhitze übersteigt, eine irgend beträchtliche Einwirkung derselben auf die Kieselsäure sich zu erkennen gibt, die Proben lassen sich mit dem Messer noch schaben; ja man kann den Zusatz bis zu 20 Procent steigern, ohne daß ein solches Gemenge auch nur glasirt sich zeigt. Es erscheint dabei für die Beobachtung im Wesentlichen gleich, mit welcher der genannten Substanzen im Einzelnen man den Versuch anstellt, sowie auch keine entschiedene Differenz sich bemerken läßt, wenn man mehrere der Flußmittel zusammenmengt.186) Eine schön weiße, körnige, beim Schaben mit dem Messer abstaubende Masse gibt so der Kalk187) wie das Kali, eine dunkel röthliche das Eisenoxyd und eine bläuliche, etwas festere die Magnesia.

Wird aber den bezüglichen Gemengen ein nur geringer Antheil Thonerde188) zugesetzt, so bringen schon wenige Procente von Eisen, Kalk etc. in dem angegebenen Hitzegrade eine Schmelzung hervor.

Beiläufig bemerkt, ist hiernach zu dem von Richters aufgestellten und so evident bewiesenen Satze, „die Schmelzbarkeit eines Thones hängt vielmehr von den Gewichtsmengen und Verhältnissen ab, in denen die Kieselsäure und Flußmittel in ihm vorkommen“ zur Begegnung der möglichen irrthümlichen Auffassung, als ob es hierbei auf die sogenannten Flußmittel allein ankomme und die Thonerde mindestens eine indifferente Rolle spiele – ergänzend das Vorhandenseyn von Thonerde als eigentliches Beförderungsmittel der Wirksamkeit der Flußmittel zu bezeichnen.189)

186)

Wie das von Richters für die Thone gleichfalls als sehr wahrscheinlich nachgewiesen wurde, man s. dieses Journal Bd. CXCI S. 63.

187)

Der Kalk ergab in diesem Falle die wenigst-feste, die Magnesia dagegen die am meisten feste Masse. Vermehrt man den Zusatz der Erden und des Eisens ansehnlich, über 20 Proc. hinaus, so daß feuerflüssige Verbindungen entstehen, so ist am leichtflüssigsten das Eisensilicat, merklich strengflüssiger zeigt sich das Kalksilicat und entschieden am strengflüssigsten das Magnesiasilicat, wie ich bereits früher dargethan habe man s. dieses Journal Bd. CLXV S. 380.

188)

Vermehrt man den Zusatz von Thonerde bedeutend im Verhältniß zu den Flußmitteln, so nimmt, wie wir wissen, umgekehrt die Schwerschmelzbarkeit zu. Steigert man z.B. bei einem Gehalte von 4 Proc. Flußmittel die Thonerdemenge auf 20 Procent, so wird die Probe augenfällig zähflüssiger; das bis dahin glasähnliche Aussehen geht in ein emailartiges über, bis bei 40 Proc. ein völliges, zähes Email erhalten wird etc.

189)

Schließt auch implicirte der Begriff Thon die Thonerde ein, so ist doch damit deren bezeichnete nothwendig ergänzende Wirksamkeit nicht ausgesprochen.