Text-Bild-Ansicht Band 197

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geschehen ist und unmittelbar nachher wird das Arbeitsstück in Wasser getaucht. Dadurch daß das Holz mit Wasser getränkt ist, bevor es mit dem rothglühenden Model berührt wird, werden die Contouren der schwarzen Brandfläche sehr scharf und nett. Durch Eintauchen in Wasser unmittelbar nach dem Brennen gelingt es leicht, mit Bürsten die Kohle zu beseitigen. Das Verfahren wird mit Modeln verschiedener Form so lange fortgesetzt, bis auf diese Weise das Object fertig gemacht worden ist. Jedesmal wird jedoch das Eintauchen in Wasser und Bürsten vorgenommen. Die gemeinsten Hölzer, z.B. das Pappel- und Kastanienholz, sind die für diesen Proceß geeignetsten Stoffe, denn sie sind schwammig und saugen das Wasser gierig ein. Die aus den genannten Hölzern hergestellten plastischen Gegenstände haben ein sehr schönes Aussehen, das demjenigen der Schnitzereien aus altem Nußholz in Nichts nachsteht. Sind die Model von tüchtigen Künstlern angefertigt, was allerdings einmal eine ziemlich bedeutende Geldausgabe verursacht, so ist man im Stand, wahrhaft vollendete, plastische Erzeugnisse aus Holz, unter dem Aufgebot einfacher mechanischer Vorrichtungen und eines zuverlässigen, aber nicht besondere Bildung beanspruchenden Arbeiters, hundertfach zu vervielfältigen. Die Objecte sind so schön und zart, so vollständig gelungen, daß sie die Kosten des Models und überdieß einen glänzenden Gewinn abwerfen.

Eine größere Verbreitung hat jenes Verfahren gefunden, welches auf Pressung des Holzes durch Model beruht. Es kann dabei dreierlei eintreten:

  • 1) entweder wird das Holz im Sinne der Faser, also senkrecht auf die Hirnfläche mit kalten oder mäßig erwärmten Modeln gepreßt und damit zugleich jenes Relief herbeigeführt, das man erzeugen will, oder es wird
  • 2) auf einer beliebigen Holzfläche durch einen Model eine Pressung hervorgerufen, die nun hervorragende Fläche weggehobelt oder weggefeilt und durch Benetzen die früher vertieften Stellen erhaben gemacht; oder endlich
  • 3) es werden dünne Platten von Holz zwischen zwei Modeln, einer Matrize und einer Patrize, gepreßt.

Die zweite Methode, welche vielfacher Nachbesserung mit Werkzeugen bedarf und dabei doch die Kosten der Model nicht erspart, hat weniger Bedeutung. Die erstere verdient eine größere Verwendung in Deutschland und Oesterreich, als sie bisher gefunden hat; denn die fertigen Gegenstände werden durch die Feuchtigkeit nicht deformirt und gewinnen sogar, gegenüber dem Rohstoffe, an Festigkeit. Jedoch die dritte Methode