Text-Bild-Ansicht Band 48

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wird, reicht eine weit geringere Menge Pulver hin, wenn die Bomben nur auf 800 bis 900 Yards geschleudert zu werden brauchen. Das Gewicht der hölzernen Bettung, in welcher sich der Mörser befand, beläuft sich auf 16,000 Pfunde.

Fig. 8 stellt einen Durchschnitt des Mörsers vor, während Fig. 9 ein Durchschnitt einer Bombe mit ihrer Ladung und ihrem Zünder ist.

Mit Ausnahme des Mörsers zu Moskau, dessen Bohrung 36 Zoll im Durchmesser hat, und aus welchem, wenn er ja ein Mal angewendet wurde, gewiß nur steinerne Kugeln geworfen wurden, ist der Paixhans'sche Mörser gewiß das größte unter allen bisher bekannt gewordenen Geschüzen. Die großen Geschüze, deren man sich am Anfange des 18ten Jahrhunderts auf dem Continente häufig bediente, und welche unter dem Namen der Karthaunen bekannt waren, hatten selten über 70 bis 80 Centner, und warfen nur Kugeln, die nicht über 60 Pfund wogen.82)

Dieses Ungeheuer wurde nun auf einem eigens zu diesem Behufe erbauten Wagen aus der Gießerei zu Lüttich bis auf die Heide von Braeschaet bei Antwerpen gefahren, wo es am 17. December ankam. Den Tag darauf wurde in Gegenwart mehrerer französischer und belgischer Officiere ein vorläufiger Versuch damit angestellt, indem die Versuche, welche man zu Lüttich damit unternahm, entweder wegen eines Fehlers in den Kugeln oder in der Abfeuerungsmethode mißlungen waren. Man versuchte sowohl den gewöhnlichen hölzernen Pfropf, als eine aus zusammengedrehtem Stroh bestehende Vorladung: allein, ein Paar Fälle ausgenommen, zersprang das Geschoß jedes Mal in dem Augenblike, in welchem es aus dem Mörser trat. Man schrieb dieß einer zu geringen Dike der Bomben zu, und war der Meinung, daß dieselben hauptsächlich wegen des großen Durchmessers ihrer Höhle am Boden an jenem Theile, der mit der Ladung in Berührung kommt, nicht genug Stärke besaßen, um dem Stoße,

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Eine dieser Maschinen, die unter dem Namen der faulen Meze bekannt war, befand sich auf den Wällen der Schleuße zu Dresden, als der große Friedrich im Jahre 1760 diese Stadt belagerte. Sie war der Ruin der hinter ihr befindlichen Häuser und der Schreken aller Nachbarn; die durch das Abfeuern derselben hervorgebrachte Erschütterung war wirklich auch so groß, daß der commandirende Officier gewöhnlich so mitleidig war, die Zeit des Abfeuerns vorher genau zu bestimmen. Man konnte die Leute dann die Straßen auf und ablaufen sehen und schreien hören: „Heute wird die faule Meze drei Mal, um 6 Uhr Morgens, um Mittag und um 7 Uhr Abends, abgefeuert!“ Auf diese Ankündigung wurden jedes Mal alle Fenster geöffnet, und Alles, was zerbrechlich war, an einen sicheren Ort geschafft; ja Männer, Weiber und Kinder fielen betend auf die Knie, und nahmen keinen Bissen Nahrung zu sich, bis die faule Meze ihren Dienst vollbracht hatte! Anm. des United Service Journal.