Text-Bild-Ansicht Band 49

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theils wegen der drohenden Einstürze, theils wegen der durch die Infiltration von Schwindgruben, Ausgüssen und Abtritten verbreiteten, schädlichen und tödtlichen Ausdünstungen waren, auch nicht einen Arbeiter verloren. Ja wir hatten das Vergnügen unsere Arbeitspläze, an welche man früher kaum ohne Lebensgefahr gelangen konnte, in kurzer Zeit vollkommen gesund, und so ventilirt zu sehen, daß wir öfter genöthigt waren, die Circulation der Luft wegen des zu schnellen Verbrennens der Lichter, und wegen der Kälte, über die sich die Arbeiter beklagten, zu vermindern.

Ich bin übrigens weit entfernt die Erfindung dieses Ventilirmittels mir zuzueignen; es ist dasselbe vielmehr längst bekannt und in den Bergwerken benuzt worden. Ich studirte dasselbe nur, da ich es im Großen anzuwenden Gelegenheit hatte, mit besonderer Sorgfalt, und machte es, indem ich es nach den Ortsverhältnissen und anderen Umständen modificirte, eben so einfach, als wirksam und unfehlbar. Ich wurde um so mehr zu meinen Versuchen angefeuert, als zu eben derselben Zeit auch Hr. Ryan in England dasselbe Verfahren mit bestem Erfolge zur Reinigung der Luft in den Steinkohlenwerken von Staffordshire anwendete.

So einfach und wirksam nun diese Vorrichtungen auch sind, so stehen sie doch nicht immer allen denen zu Gebote, die ihrer am dringendsten bedürfen: sie eignen sich nur für große Anstalten, und erfordern eigene Vorsicht und Aufmerksamkeit. Es ist dieß daher noch nicht das wahre und zwekmäßigste Ventilirmittel, dessen gewisse Gewerbe, wie z.B. die Brunnengräber, die Unternehmer von Steinbrüchen, Gypsbrüchen, Thongruben, Mergelbrüchen, die Kloakenräumer etc., so nothwendig bedürfen, und welches eben so einfach, als schnell wirksam und wohlfeil seyn muß. Durch die Auffindung eines solchen Mittels würde diesen nüzlichen und doch so gefährlichen Gewerben ein unendlicher Dienst geleistet werden, und dieser Dienst ist um so wichtiger, als die Eigenthümer und Unternehmer solcher Gewerbe so oft für die sich ergebenden Unfälle verantwortlich gemacht und bestraft werden, obschon sie nur zu häufig bloß von der Unerfahrenheit der Arbeiter oder davon herrühren, daß diese Leute den ihnen ertheilten Rath nicht befolgen.

Hr. Pottier, ein alter, ohne Pension und ohne Vermögen aus dem Dienste der Marine zurükgetretener Seemann, wurde bei seinem Rüktritte Brunnengräber, und hat bei seiner langen Erfahrung und seiner Thätigkeit bereits Mehreres zur Verbesserung seines Gewerbes geleistet. Ueberrascht von den zahlreichen Unfällen, denen die in den Brunnen arbeitenden Leute ausgesezt sind, und in Gefahr selbst mehrere Male ein Opfer derselben zu werden, suchte er bei seinen unterirdischen Arbeiten dieselben Mittel in Anwendung zu bringen, die er auf verschiedenen