Text-Bild-Ansicht Band 50

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während man vor 200 Jahren deren noch 3 brauchte. Und diese 2 Sester geben heut zu Tage eine größere Menge weißeren und besseren Brodes, als früher die 3 Sester gaben.19) Ein Sester Korn, welcher 120 Kilogrammen wiegt, gibt gegenwärtig 90 bis 92 Kilogr. Mehl, aus welchem man 120 Kilogr. Brod erzeugen kann, und 26 Kilogr. Kleie.

Seit den Arbeiten und Leistungen Malouin's, Becquet's und Parmentier's, denen die Müllerei und Bäkerei so außerordentlich viele und wesentliche Verbesserungen verdankt, d.h. seit beiläufig 50 bis 60 Jahren, haben sich diese Verhältnisse nur wenig mehr verändert. Der Weizen gibt also beiläufig 3/4 seines Gewichtes Mehl und 1/4 Kleie und Abgang, wobei sich übrigens nach der Geschiklichkeit des Müllers, nach der Güte der Mühle und des Beutelapparates etc. mehr oder weniger merkliche Verschiedenheiten ergeben. Ja es gibt sogar noch Müller, die von 100 Kilogr. Korn nur 33 bis 35 Kilogr. Mehl und 60 Kilogr. Kleie liefern!

Die sogenannte ökonomische Mahlmethode, bei welcher die Kleie mehrere Male unter die Mühle kommt, und der man vielleicht mit Recht den Vorwurf macht, daß bei ihr die Kleie gemahlen und mit dem Mehle vermengt wird, gibt folgende Resultate:

1000 Kilogr. Korn nach der ökonomischen Methode gemahlen, geben:

Kilogrammen
Weiße Mehle 1. Erstes sogenanntes Kernmehl
2. Erstes sogenanntes Griesmehl
3. Zweites Griesmehl
383
192
96
671
Schwarze Mehle 4. Drittes Griesmehl
5. Viertes Griesmehl
50
30
80
Kleien Afterkleie (recoupettes)
Kleienmehl (recoupes)
Magere Kleie
54
62
108
284
Verlust 25 25
––––––––––––––
Summa 1000 Kilogr.

Durch das grobe Mahlen (mouture à la grosse), wobei das Korn nur ein einziges Mal unter dem Mühlsteine durchläuft, und

19)

Diese Thatsachen führen mich zu einer Bemerkung von hohem Interesse, die auch die Beachtung der Staatsverwaltungen verdienen dürfte, und diese Bemerkung ist, daß gerade die einfachsten und dem Anscheine nach oft unbedeutendsten Verbesserungen oft zu außerordentlichen und ungeheuren Resultaten führen. Die Erfindung der Argand'schen Zuglampe z.B. hat in Frankreich der Brennöhl-Fabrikation den mächtigsten Impuls gegeben, und von welcher Wichtigkeit diese ist, erhellt aus folgender Stelle eines Berichtes, den der Minister im Jahr 1813 erstattete: „Der jährliche Werth unserer vegetabilischen Oehle beläuft sich auf 250 Millionen; vor 25 Jahren bezogen wir jährlich noch 20 Millionen aus dem Auslande; gegenwärtig führen wir dafür jährlich 6 Millionen aus!“ A. d. O.