Text-Bild-Ansicht Band 50

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Körnern mittelst der Spize eines Federmessers die drei Häutchen abzuziehen, aus denen die Rindensubstanz besteht. Bei jedem Messers schnitte untersuchte ich mit der Luppe, ob ich weder zu viel noch zu wenig weggenommen hatte, so wie ich vorzüglich auch darauf sah, daß nichts von der Substanz, die ich ablöste, verloren ging. Alle die auf diese Weise abgelöste und gesammelte Kleie wog genau einen Gran, während die übrig gebliebenen abgeschälten Körner zusammen 6 Gran Markgewicht wogen. Ich wog ferner auch die Kleie und die abgeschälten Körner mitsammen, und erhielt dadurch wieder meine 7 Gran. Ich glaube also hieraus schließen zu dürfen, daß die Kleie in dem nicht durchgebeutelten Mehle den siebenten Theil ausmacht, wobei jedoch die der Kleie immer anhängende gummiharzige Substanz mitgerechnet ist.

D. Um auf eine genaue und von dem eben beschriebenen Verfahren verschiedene Weise das Verhältniß der Rindensubstanz oder der Kleie in dem Korne zu bestimmen, nahm ich selbst zu folgendem Mittel meine Zuflucht.

Ich wählte 30 schöne Körner, und weichte dieselben, nachdem ich sie vorher genau gewogen, einige Augenblike in heißes Wasser, um sie anschwellen zu machen. Dann nahm ich die Rinde ab, die nun oft in einem Stüke abging; diese Rinde wusch ich mehrere Male in Wasser aus, um sie dann, nachdem sie einige Tage an der Luft getroknet worden, neuerdings wieder zu wägen. Das Gewicht der auf diese Weise abgelösten Hüllen oder Rinden belief sich nicht auf 5 Procent von dem ursprünglichen Gewichte der Körner. Zu bemerken ist hierbei, daß die Kleie durch das Auswaschen noch nicht alles klebrigen Stoffes entledigt worden, indem dieselbe beim Troknen einen thierischen Geruch von sich gab.

Man kann daher hieraus mit aller Sicherheit schließen, daß die Kleie oder die Rindensubstanz nicht über 5 Proc. oder nicht über den zwanzigsten Theil des Kornes beträgt. Man sieht daher, daß also selbst die vollkommenste unserer gegenwärtigen Mahlmethoden nichts weniger als bis zu einer vollkommenen Abscheidung der Kleie von dem Mehle gediehen ist, indem dieselben immer noch 20 Proc. Kleie geben.

E. Wenn man den inneren Theil der Kleie mit dem Mikroskope untersucht, so zeigt sich, daß dieselbe mit einer diken Schichte Sazmehl und einer Substanz überzogen ist, die der im Inneren des Kornes befindlichen ähnlich ist.

F. Die im Handel vorkommende Kleie ist nicht immer gleich, sondern in Hinsicht auf ihre Beschaffenheit und ihr specifisches Gewicht wesentlich verschieden. Ich habe unter ganz gleichen Umständen