Text-Bild-Ansicht Band 50

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derselben beträchtliche Abweichungen im Gang der Krystallisation Statt finden.

Versuche über die Essigbildung.

Bei meinen Versuchen über die Essigbildung, welche ich der Société de Pharmacie eingeschikt habe und diese bekannt gemacht hat87), bin ich auf die Folgerung gekommen, daß bei der Essigbildung der Alkohol sich nie in Essigsäure verwandelt. Der geschikte Berichterstatter hat durch wohl erwiesene Thatsachen gezeigt, daß sich der Alkohol unter mehreren Umständen dennoch in Essigsäure verwandelt; ich habe jedoch die in meiner Abhandlung angegebenen Grundversuche stets mit negativem Resultate wiederholt; meine Versuche weichen von denen des Berichterstatters nur durch den Umstand ab, daß ich in Berührung mit Queksilber operirte, Hr. Guibourt aber nicht unter dessen Einflusse; dieß reicht hin, um ganz verschiedene Resultate zu geben. Bei der Berührung mit Queksilber wird der Sauerstoff kein Bestandtheil des Productes und die Essigsäure nicht auf Kosten des Alkohols gebildet, sondern auf Kosten der anderen organischen Substanzen, welche der Wein enthalten kann; leztere Umänderung erfolgt bei Gegenwart von Queksilber viel vollständiger und schneller; die Flüssigkeiten nehmen in Beziehung auf dieses Metall einen solchen elektrischen Zustand an, daß der Alkohol unverändert bleibt und die Zersezung sich nur auf die mehr veränderlichen Substanzen ausdehnt, die viel schneller und vollständiger in Essigsäure umgeändert werden. Diese Beobachtung zeigt uns, auf welche großen Schwierigkeiten man bei chemischen Versuchen stoßen kann; eine Kraft, welche bisher vernachlässigt wurde, liefert uns Resultate, die den gewöhnlichen ganz entgegengesezt sind.

Versuche über die geistige Gährung.

Mehrere Chemiker haben, jedoch ohne directen Beweis, die Behauptung aufgestellt, daß die Elektricität bei der Entwikelung der geistigen Gährung eine thätige Rolle spielt; wir haben einige Versuche angestellt, um entweder diese Hypothese durch Thatsachen zu erweisen, oder die bisherige Ansicht zu widerlegen.

Wasser, welches ein Zehntel Zuker enthielt, wurde mit einer hinreichenden Quantität Hefe vermengt und in die verschiedenen Metallgefäße gebracht, die zu den vorhergehenden Versuchen dienten. Die Temperatur betrug 17° C. (13° R.) In dem bleiernen Gefäße fing die Gährung an, hörte aber bald wieder auf; in dem eisernen ging sie langsam und unregelmäßig vor sich; in den Gefäßen aus Kupfer und Messing stellte sich selbst nach mehrtägiger Berührung

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Polytechn. Journal Bd. XLV. S. 433.

A. d. R.