Text-Bild-Ansicht Band 51

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Von der Wirkungsart der Kohle als Entfärbungsmittel.

Obschon der Gegenstand, dem dieser Paragraph gewidmet ist, mehr in das Gebiet der Zukerfabrikation, als in jenes der Fabrikation der thierischen Kohle einschlägt, so wird der Nuzen, den vielleicht mancher daraus ziehen dürfte, doch gewiß diesen Abstecher, den ich mir erlaube, entschuldigen.

Die Erfahrung hatte gelehrt, daß die Kohle, dieser vollkommen schwarze Körper, gewisse Substanzen entfärbt. Man wußte dieß; lange Zeit aber blieb es unbekannt, auf welche Weise die Kohle hierbei wirkt. Einige Chemiker glaubten zwar, daß die Kohle gleich der Thonerde eine eigene Anziehungskraft für die Färbestoffe besize; allein diese Eigenschaft wurde erst in neuerer Zeit von den HH. Bussy und Payen studirt und in ihren gediegenen Abhandlungen hierüber beleuchtet.

Wenn man einen aus gefärbtem Zuker und Wasser bestehenden Syrup unter den der Entfärbung günstigen Umständen mit der thierischen Kohle in Berührung bringt, so verbindet sich der Färbestoff dieses Syrupes sehr innig mit der thierischen Kohle, und eben so bleibt auch die gummige Substanz, welche sich immer in Gesellschaft der gewöhnlichen Zukerarten befindet, daran kleben. Der Geschmak des Syrupes wird dadurch angenehmer, und wenn die Kohle in gehöriger Menge angewendet worden, so wird die Entfärbung vollkommen erreicht. Die Kohle ist hierbei eine wahre chemische Verbindung mit dem Färbestoffe eingegangen, und diese Verbindung kann nur durch kräftige chemische Agentien oder durch die Einwirkung einer bis zur Rothglühhize gesteigerten Temperatur wieder aufgehoben werden. Die gummige Substanz bleibt nur auf mechanische Weise an der Kohle hängen, und kann daher auch durch wiederholtes Auswaschen wieder entfernt werden.

Hat man es nicht mit einem einfachen Syrupe zu thun, sondern handelt es sich um die Entfärbung von Runkelrübensyrup, der bloß mit Kalk geklärt worden, so befinden sich in dem Syrupe nicht bloß färbende und gummige Bestandtheile, sondern auch eine mehr oder minder große Menge Kalk9)

9)

Wenn man einen Strom kohlensaures Gas durch geklärten Runkelrübensaft strömen läßt, so fällt kohlensaurer Kalk nieder, aus dessen Gewicht sich ergibt, daß jeder Hectoliter Saft noch 55 Grammen Kalk enthält. Wiederholt man diesen Versuch aber mit geklärtem und durch thierische Kohle filtrirten Safte, so wird man nur mehr halb so viel Kalk erhalten, als bei der ersten Operation; und dikt man den geklärten und über Kohle filtrirten Saft zu Syrup ein, und filtrirt man den Syrup neuerdings durch Kohle, so wird derselbe bei dem angegebenen Verfahren nur mehr Spuren von Kalk andeuten. Hieraus erhellt also offenbar, daß die thierische Kohle nicht nur die Eigenschaft besizt, den Flüssigkeiten, auf welche man sie wirken läßt, den Kalk zu entziehen, wie dieß Payen