Text-Bild-Ansicht Band 51

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9), wodurch der Syrup sehr deutliche alkalische Eigenschaften erhält.10) Die Kohle zieht nun glüklicher Weise auch diese alkalische Substanz an, und verbindet sich innig mit ihr. Diese Eigenschaft, in deren Folge ihre Einwirkung auf den Zuker selbst aufgehoben wird, ist um so schäzenswerther, als man deßhalb die Schwefelsäure entbehren kann, deren Anwendung der großen damit verbundenen Nachtheile ungeachtet unvermeidlich war, so lange man die thierische Kohle nicht in so großer Menge benuzte, als dieß heut zu Tage geschieht.

Aus dem Vorhergehenden ergibt sich, daß die thierische Kohle drei äußerst schäzenswerthe Eigenschaften besizt, die man in keiner anderen Substanz auf solche Weise vereint findet; sie entzieht nämlich 1) den gefärbten Syrupen ihren Färbestoff; sie benimmt den Syrupen 2) den Schleim oder den gummigen Bestandtheil, der die Krystallisation des Zukers hemmt; und sie verbindet sich 3) mit dem Kalke, welcher immer in dem Runkelrübensyrup enthalten ist, und dessen Gegenwart bei dem Versieden des Syrupes so lästig ist. Diese Vortheile, die den Zukerfabrikanten nun nicht mehr fremd sind, führten nothwendig zur Anwendung einer größeren Menge thierischer Kohle, so zwar, daß man bald nicht mehr im Stande gewesen wäre, den Bedarf an Kohle zu deken, wenn man nicht daran gedacht hätte, die gebrauchte Kohle wiederzubeleben, d.h. ihr ihre früheren Eigenschaften wiederzugeben. Diese Wiederbelebung erfordert, wie man gleich sehen wird, ein verschiedenes Verfahren, je nachdem man es mit Kohle, die bloß zur Entfärbung einfacher, aus Zuker und Wasser bestehender Syrupe, oder mit Kohle zu thun hat, die zur Entfärbung der alkalischen Runkelrüben-Syrupe diente.

Von der Wiederbelebung der thierischen Kohle.11)

Wenn man die Wirkungsweise der thierischen Kohle auf die gefärbten Syrupe gehörig erwogen, so wird man von selbst zu dem Verfahren geleitet, welches bei der Wiederbelebung der Kohle befolgt werden muß. Die gebrauchte Kohle enthält nämlich immer einen Färbestoff, einen schleimigen Bestandtheil, und in gewissen, oben angeführten Fällen auch Kalk. Das Wasser kann, in gehöriger Quantität

9)

zuerst bemerkte, sondern daß die Anwendung von Salzsäure unumgänglich nothwendig ist, wenn man der gebrauchten Kohle wieder ihre entfärbende Kraft geben will. A. d. O.

10)

Ich glaubte lange, daß in dem Runkelrübensyrupe Potasche enthalten seyn und erklärte durch diesen Kaliachalt selbst mehrere Erscheinungen, die bei der Fabrikation von Zuker aus demselben Statt finden; bei genauerer Beobachtung fand ich jedoch, daß ich mich in dieser Hinsicht getauscht hatte. A. d. O.

11)

Ueber die Wiederbelebung der thierischen Kohle wurden im polyt. Journal sehen mehrere schäzbare Abhandlungen mitgetheilt; man vergl. besonders Bd. XLI. S. 56 und 419, Bd. XLIII. S. 300, Bd. XLIV. S. 187. A. d. R.