Text-Bild-Ansicht Band 51

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Vorschriften.

1) Um auf einen seidenen Stoff zu schreiben, vermischt man ein wenig Ingwersaft mit dem Wasser, worin man die Tusche aufweicht.

2) Bei sehr kalter Witterung weicht man die Tusche in Wasser auf, dem man etwas Saft von Fan-tsiao (piper nigrum) zugesezt hat; man kann dann schreiben ohne daß sie gefriert.

3) Wenn man sehr altes Papier hat, worauf schwer zu schreiben ist, vermischt man die Tusche mit Saft von Sung-kan (einer Fichtenart); das Papier saugt dann nicht ein, daher die Schriftzüge reiner werden.

4) Wenn man sich versichern will, ob die Tusche von guter oder schlechter Qualität ist, bringt man einige Tropfen davon auf eine schwarz gefirnißte Büchse; sie ist vortrefflich, wenn sie eine mit derjenigen des Firnisses genau übereinstimmende Farbe darbietet.

5) Man kann sich der Tusche vortheilhaft zum Heilen der Brandmale bedienen; zu diesem Ende weicht man sie in ein wenig Wasser auf, so daß daraus ein diker Brei entsteht, welchen man auf der verbrannten Stelle ausbreitet; der Schmerz mindert sich sogleich.

Fortsezung über die chinesische Tusche.

(Aus der Encyclopédie des arts et métiers, genannt Tian-kong-kai-we.)

Jede Art von Tusche bereitet man mit verdiktem und in Brode geformtem Ruß. Der zehnte Theil aller Tusche, welche man in China fabricirt, ist mit dem Ruße von Tongöhl (Oehl von bignonia tomentosa), reinem Oehl und Schweinefett bereitet. Neun Zehntheile der chinesischen Tusche macht man mit dem Ruße des Baumes Song (Piuus sylvestris, gemeine Fichte).

Die beste und geschäzteste Tusche verfertigt man heut zu Tage in der Gegend von Hoei-tcheou, welche zur Provinz Kiang-nan gehört. Da das Oehl schwer zu transportiren ist, so schiken einige Fabrikanten Leute in die Districte King-siang und Ching-zouen, die das Oehl des Tong (bignonia tomentosa) wohlfeil aufkaufen und an Ort und Stelle daraus den Ruß brennen, welchen sie dann mitnehmen.

Wenn die mit diesem Ruß bereitete Tusche auf Papier ausgebreitet und den schiefen Sonnenstrahlen ausgesezt wird, reflectirt sie dieselben glänzend roth, vorausgesezt daß der Docht der Lampe (in welcher das Tongöhl verbrannt wurde) mit dem Saft der Pflanze Thse-tsao (cercis siliquastrum?) getränkt worden ist.

Wenn man das Oehl verbrennt, um dadurch den Ruß zu bereiten, erhält man aus dem Pfund ungefähr eine Unze Ruß von erster Qualität. Man sammelt ihn in dem Maße als er sich bildet. Eine gewandte