Text-Bild-Ansicht Band 51

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üben verstanden, für ein verloren gegangenes Geheimniß; ja einige behaupteten sogar, auf eine dunkle Stelle in Plinius gestüzt, daß diese Arbeiten der Alten, die wir bewundern, durch die Steinschneidekunst hervorgebracht wurden, wahrend es doch erwiesen ist, daß unsere Vorgänger die gefärbten Glaspasten wirklich auf Abdrüke von geschnittenen Steinen zu gießen wußten, und daß auf diese Weise die vielen Copien der ausgezeichnetsten Arbeiten der Steinschneider, die man in unseren archäologischen Sammlungen findet, verfertigt wurden.

Man hat zwar zu verschiedenen Zeiten mit mehr oder minder Erfolg Versuche gemacht die verloren gegangene Kunst wieder ins Leben zu bringen; allein so viel bleibt gewiß, daß wir das Verfahren der Arten bisher noch nicht kennen, und daß die Glaspasten der Neueren gewöhnlich nur einen kleinen Umfang, und sehr oft Adern und Blasen hatten, an denen man sie leicht von den ächten Steinen unterscheiden konnte. Besondere Erwähnung verdient Francesco Visconti, der gegen das Ende des 15ten Jahrhunderts zu Mailand lebte, und daselbst ausgezeichnete Glaspasten, die jedoch nur kleinen Umfang hatten, verfertigte. Sein Verfahren blieb unbekannt und er zog auch keine Schüler heran, die sich bekannt gemacht hätten. Die Arbeiten der übrigen Künstler Italiens in diesem Fache lassen sich kaum mit jenen Visconti's vergleichen.

Sehr interessante Versuche über die Steinschneidekunst und über das Abmodeln der Glaspasten verdanken wir Hrn. Mariette, der jedoch gleichfalls nichts über das dabei befolgte Verfahren bekannt machte. Der berühmte Homberg endlich unternahm auf Antrag des Herzogs von Orleans, der selbst mit ihm arbeitete und alle Kosten bestritt, ausgedehnte Arbeiten über die gefärbten Gläser, die künstlichen Gläser und die Glaspasten, und gelangte zu so günstigen Resultaten, daß sich die geübtesten Kunstverständigen nicht wehr über seine Arbeiten auszusprechen wagten, nachdem sie seine Pasten mehrere Male für ächte Steine erklärt hatten. Die Abhandlung, welche Homberg über diesen Gegenstand schrieb, befindet sich in den Memoires de l'Académié royale des Sciences vom Jahre 1712; wir glauben jedoch, daß Homberg hier nur einen Theil seiner Verfahrungsarten, und namentlich nur jene Methoden beschrieb, die er bei kleineren Steinen befolgte. Das Verfahren bei großen Steinen veranlaßte große Kosten, forderte Model aus Bronze, und mißlang aller Vorsicht ungeachtet dennoch meistens so, daß wir nur einige wenige, äußerst selten gewordene, größere Arbeiten von ihm besizen. Hr. Cadet-Gassicourt, dem Hr. Douault-Wieland seine ersten Versuche, machte unseren Künstler auf