Text-Bild-Ansicht Band 51

Bild:
<< vorherige Seite

den Glashütten anwendet. Man bedurfte hierzu also des Bronzegießers und dann des Ciselirers, und bei allen diesen Kosten und allen Vorsichtsmaßregeln mißlangen die Stüke dennoch sehr häufig, wie dieß aus der Seltenheit derselben in den Sammlungen erhellt. Hieraus allein ergibt sich schon, um wie viel einfacher, leichter, schneller und wohlfeiler das Verfahren des Hrn. Douault-Wieland ist. Die großen Stäke, d.h. jene die über 0,30 Meter messen, verlangen nur eine etwas vorsichtigere Behandlung als die Stüke von mittlerer Größe; auch muß der Model langsam getroknet werden, damit er keine Sprünge bekommt, und eben so muß er vollkommen rein, ohne Staub und an allen Kanten vollkommen unverlezt seyn.

Besondere Vorsicht und Erfahrung ist bei der Leitung der Oefen nöthig, um den Grad der Feuerung, die Wirkung der Intensität des Feuers auf das Krystallglas, den Grad der Erweichung des Glases oder der Pasten, den Zustand des Flusses, und endlich den passenden Augenblik, in welchem die Masse aus der Muffel herausgenommen und unter das Drukwerk gebracht werden soll, beurtheilen zu können. Der Drukschwängel darf nicht höher emporgehoben werden, als eben nöthig ist, damit der Model schnell unter denselben hinein und eben so schnell wieder herausgeschafft werden kann; denn das Herabsenken des Schwängels, das Nachlassen desselben und das Herausnehmen des Models darf im Ganzen nicht länger als eine Secunde dauern.

Wenn das Stük aus dem Drukwerke kommt, so muß dasselbe alsogleich in die Muffel eines Ofens gebracht werden, dessen Temperatur so hoch ist, wie jene des Schmelzofens, und welcher unmittelbar darauf mit Thon luftdicht verkittet wird. In diesem Ofen läßt man die Stüke 5 bis 6 Tage lang abkühlen; d.h. man läßt sie so lange darin, bis der Ofen vollkommen abgekühlt ist.

Alle diese Operationen sind, wie man sieht, so einfach, so leicht zu dirigiren und dabei so wenig kostspielig, daß, wenn man sie ein Mal genau kennt, nur mehr einige Uebung zu deren vollem Gelingen nöthig ist; um es jedoch zu dieser Einfachheit und Vollkommenheit zu bringen mußte Hr. Douault-Wieland seiner Kunst, in welcher ihm seine Vorgänger beinahe gar keine Anhaltspunkte gaben, zahlreiche Opfer an Zeit, Mühe, Studium und Geld bringen.

Homberg empfahl auch die Benuzung und Anwendung des Trippels oder der venetianischen Kreide in Verbindung mit französischem Trippel zur Verfertigung der Model; Hr. Douault hingegen bedient sich bloß des Gypses. Er hat sich überhaupt eine solche Vertrautheit mit seinen Operationen erworben, daß er die complicirtesten Basreliefs, die schönsten erhaben oder vertieft gravirten Steine